Protest gegen Tagebau Garzweiler

Lützerath: Warum ganz Deutschland jetzt auf den winzigen Ort im Nirgendwo blickt

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Plötzlich reden alle über das kleine Dorf Lützerath. Der besetzte Ort wird bald geräumt und ist ein Symbol der Klimabewegung. Wie kam es dazu? Und was passiert jetzt in dem Besetzer-Camp?

Erkelenz – Jahrhundertelang interessierte sich nur eine Handvoll Menschen für Lützerath: Nämlich diejenigen, die in dem winzigen Weiler im Rheinischen Braunkohlerevier lebten. Doch jetzt blickt ganz Deutschland auf das Dorf. Prominente wie TV-Moderator Jan Böhmermann sprechen darüber und Klimaktivistin Luisa Neubauer ruft dazu auf, das Dorf zu verteidigen und die Lützerath-Räumung zu verhindern. Wie kam es dazu? Und was passiert jetzt in Lützerath? Alle Infos zum Protest.

Wo liegt Lützerath? Das Dorf gehört zur Stadt Erkelenz und liegt zwischen Köln, Düsseldorf und Aachen
Aktuelle Einwohnerzahl0 (aktuell besetzen zwischen 80 und 150 Menschen das Dorf)
Wie viele Einwohner hatte Lützerath früher?Etwa 100
Beginn der UmsiedlungAb 2006, der letzte Bewohner zog 2022 weg
Wann soll Lützerath geräumt werden? Bis Mitte Februar soll das Dorf geräumt sein

Warum soll Lützerath abgerissen werden?

Lützerath liegt am Tagebau Garzweiler II, die Braunkohlebagger graben sich seit Jahren immer näher an den kleinen Ort heran. Unter Lützerath liegen Millionen Tonnen Braunkohle, die der Energiekonzern RWE abbauen will. Im Rahmen des vorgezogenen NRW-Kohleausstiegs 2030 haben sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und RWE darauf verständigt, dass die fünf Dörfer Kuckum, Keyenberg, Berverath, Oberwestrich und Oberwestrich entgegen den ursprünglichen Plänen nicht abgerissen werden. Lützerath aber wird geopfert.

So lebten die Bewohner von Lützerath: Zwischen Hippie-Kommune und Straßenkampf

Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben
Menschen mit Rucksack am Tagebau bei Lützerath
Viele reisen mit Rucksäcken an und wollen bleiben, um Lützerath zu verteidigen. Manche sind noch sehr jung, kaum volljährig. Aber es gibt hier auch Aktivisten jenseits der 60. © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Baumhäuser in Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Eine Frau hebt einen Graben in Lützerath aus
Zur Besetzer-Strategie gehört das Ausheben von Gräben. Täglich arbeiten die Aktivisten an Barrikaden.  © Peter Sieben
Ein gelbes X vor Lützerath
Das gelbe X ist das Symbol der Klimaaktivisten. Man findet es überall im besetzten Dorf.  © Peter Sieben
Ein großes gelbes X vor Lützerath
Das riesige Holzkreuz oder X-Symbol ist das Symbol der Kohlegegner und Klimaaktivisten. Ursprünglich nutzten es Demonstranten, die gegen die sogenannten Castortransporte protestierten, bei denen Atommüll in Endlager gebracht wurde.  © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Annenmaykantereit in Lützerath
Prominenter Besuch: Die Kölner Band AnnenMayKantereit spielte ein Konzert bei Lützerath.  © Peter Sieben
Annenmaykantereit in Lützerath
Die Band spielte unplugged, nur mit Gitarre und Melodica. Auf dem Gelände begegnet man auch abseits solcher Konzerte Musikern mit Akustikgitarren.  © Peter Sieben
Zwei Menschen mit einem Schild am Tagebaugelände bei Lützerath
Menschen aus umliegenden Städten und Dörfern reisten im Januar nach Lützerath.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Schild in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Lützerath liegt direkt an der Grenze zum Tagebau Garzweiler II. Rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten wollen den Ort gegen den Abriss verteidigen.  © Peter Sieben
Menschen auf Campingstühlen am Garzweiler-Gelände
Drüben auf dem Hügel: Im Januar kommen immer mehr Menschen in das besetzte Dorf am RWE-Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben
Zwei Menschen am Tagebau Garzweiler
Die Abbruchkante des Tagebaus ist inzwischen extrem instabil. © Peter Sieben
Eine Person sitzt auf einer Wiese vor dem Tagebau Garzweiler
Die Tagebaufläche an der Grenze zu Lützerath ist riesig. Das Gelände wurde einst landwirtschaftlich genutzt. © Peter Sieben
Menschen mit Fahnen am Tagebau Garzweiler
Beim AKtionstag im Januar kamen auch viele Menschen von außerhalb, die sich solidarisch mit den Besetzern zeigten.  © Peter Sieben
Karnevalsfigur von Armin Laschet in Lützerath
Eine alte Karnevalsfigur, die den Ex-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) darstellt. Inzwischen sind auch die Grünen nicht mehr wohlgelitten in Lützerath.  © Peter Sieben
Auto mit Graffiti in Lützerath
Ein buntes Schrottauto steht genau auf der Grenze zwischen dem Tagebau Garzweiler und Lützerath. © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Aktivisten errichten Barrikaden in Lützerath
Bauarbeiten in Lützerath. Das Errichten von Baumhäusern und Barrikaden haben sich die Aktivisten in Do-it-yourself-Manier beigebracht. Manche der Besetzer haben schon bei ähnlichen Aktionen wie im Hambacher Forst Erfahrungen gesammelt. © Peter Sieben
Schrottauto, das als Barrikade vor Lützerath dient
Der schrottreife Wagen stand lange Zeit auf der Straße zwischen Tagebau und Lützerath. Jetzt dient er als Barrikade.  © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Zwei Menschen vor dem Tagebau Garzweiler
Die Aktivisten hatten zu einem Dorfspaziergang am 8. Januar eingeladen. Viele Menschen kamen aus umliegenden Städten – und ganz Deutschland und aus Nachbarländern nach Lützerath. © Peter Sieben
Aktivisten heben Gräben in Lützerath aus
Die Besetzer und Helfer heben Gräben aus und errichten Barrikaden in Lützerath.  © Peter Sieben
Barrikaden vor Lützerath
Noch vor zwei Monaten war dieser Weg frei. Jetzt haben die Aktivisten Barrikaden errichtet, um die Räumung durch die Polizei zu verhindern oder zumindest zu erschweren.  © Peter Sieben
Menschen sitzen auf einem Wall am Tagebau Garzweiler
Ausharren am Tagebau Garzweiler: Dir Lützerath-Räumung steht unmittelbar bevor.  © Peter Sieben
Fläche am Tagebau Garzweiler
Das einstige Feld ist eine Schlammlandschaft.  © Peter Sieben
Protestierende in Lützerath
Protest gegen die Braunkohle: Zwischen Aktivisten und Polizei kommt es immer wieder auch zu Rangeleien.  © Peter Sieben
Polizeibusse in Lützerath an der Abbruchkante vom Tagebau Garzweiler
In Lützerath ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. © Peter Sieben
Polizei-Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath
Seit Anfang Januar gibt es immer wieder Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizisten. Mehrere Menschen wurde festgenommen und es gab Verletzte.  © Henning Kaiser/dpa

Aus energiepolitischer und tagebauplanerischer Sicht sei das unumgänglich, bekräftigt NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Das allerdings widerlegt eine Studie zum Tagebau Garzweiler, an der unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europa-Universität Flensburg, der TU Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beteiligt sind. Demnach wird die Braunkohle unter Lützerath nicht benötigt, um die Energieversorgung in Deutschland sicherzustellen.

RWE braucht nicht nur die Kohle

Doch RWE benötigt nicht nur die Kohle unter Lützerath, sondern vor allem auch große Mengen an Abraum, um die steilen Böschungen der Tagebaugrube zu stabilisieren. Denn der Konzern ist vertraglich zur Rekultivierung verpflichtet. Häufig entstehen aus den gigantischen Gruben Seen, wie in Hambach, wo der größte See von NRW entstehen soll.

Wie viele Einwohner hatte Lützerath?

Der kleine Weiler hatte im Lauf seiner Geschichte selten mehr als 100 Einwohner. Inzwischen sind alle weggezogen, die meisten wohnen nun in Immerath (neu). Der Landwirt Eckardt Heukamp war der letzte Einwohner von Lützerath.

Wer wohnt jetzt in Lützerath?

Der Weiler wird seit Monaten besetzt. Zwischen 80 und 150 Aktivistinnen und Aktivisten leben in den verlassenen Höfen in Lützerath, auf Baumhäusern oder in Zelten. NRW-Innenminister Herbert Reul hatte bereits im Herbst 2022 angekündigt, dass Lützerath Anfang 2023 von der Polizei in einem „Gesamteinsatz“ geräumt werden soll. Die zuständige Stadt Erkelenz hatte sich jedoch geweigert, die Polizei Aachen um Vollzughilfe zu bitten – ein bürokratischer Akt, ohne den die Räumung von Lützerath nicht möglich ist.

Lützerath vor der Räumung: Das ist bis jetzt passiert

Protestschil im Dorf Pesch aus dem Jahr 2006
In den 2000ern wurden mehrere Nachbardörfer von Lützerath abgerissen, wie etwa Pesch: Das Bild aus dem Jahr 2006 zeigt ein Protestschild am Ortseingang. Der Tagebaubetreiber hieß damals Rheinbraun – inzwischen ist das Unternehmen vollständig im Energiekonzern RWE aufgegangen.  © Oliver Berg/dpa
Abrissarbeiten in Lützerath
2006 begann die Umsiedlung: Viele der Einwohnerinnen und Einwohner zogen nach Immerath (neu). Im Lauf der Zeit wurden immer mehr Wohnhäuser in Lützerath abgerissen, so wie auf diesem Bild aus dem Jahr 2021 zu erkennen ist.  © David Young/dpa
Demonstration am Garzweiler Tagebau
Mehrfach gab es in den letzten Jahren Demos in Lützerath gegen den Kohleabbau und gegen den Abriss von Dörfern im Rheinischen Braunkohlerevier – so wie hier im Jahr 2020.  © David Young/dpa
Braunkohletagebau Garzweiler
An den Demos in Lützerath war immer wieder auch die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ beteiligt.  © Federico Gambarini/dpa
David Dresen aus Kuckum bei Lützerath
David Dresen aus Kuckum, einem Nachbarort von Lützerath, kämpft seit Jahren zusammen mit seiner Familie und der Initiative „Alle Dörfer bleiben“ für den Erhalt der Dörfer am Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bei einer Kundgebung in Lützerath.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. © David Young/dpa
Letzter Landwirt in Lützerath am Tagebau verkauft an RWE
Eckardt Heukamp war der letzte Landwirt von Lützerath. Er hatte sich lange juristisch dagegen gewehrt, seinen Hof verkaufen zu müssen. 2022 hat er Lützerath verlassen.  © Thomas Banneyer/dpa
Eckardt Heukamp auf seinem Hof.
Eckardt Heukamp auf seinem Hof. © IMAGO
Demonstration in Lützerath.
Demonstration in Lützerath. © Henning Kaiser/dpa
Tagebau Garzweiler vor Lützerath.
Tagebau Garzweiler vor Lützerath. © Action Pictures/IMAGO
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Protestcamp Lützerath, besetzte Gebäude.
Den Ort Lützerath haben inzwischen alle Bewohnerinnen und Bewohner verlassen müssen. Nun leben rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten dort, die die noch bestehenden Gebäude besetzt haben. © Jochen Tack/IMAGO
Lützerarh
Ein gelbes Kreuz ist das Symbol der Aktivisten in Lützerath  © Peter Sieben
Lützerather Wald.
Lützerather Wald. © Ralph Lueger/IMAGO
Baumhäuser in Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Schrottreifes bunt angemaltes Auto in Lützerath
Die Aktivistinnen und Aktivisten bereiten sich seit Monaten auf die bevorstehende Räumung von Lützerath vor: Überall gibt es Barrikaden – und an der Grenze zwischen Tagebau und Dorf steht dieses schrottreife Auto.  © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Eine Monopod-Konstruktion am Tagebau Garzweiler bei Lützerath
Der sogenannte Monopod an der Kante zum Tagebau Garzweiler II bei Lützerath. © Peter Sieben
Luisa Neubauer bei einer Demo gegen den Abriss von Lützerath.
Auch die Klimaaktivistin von Fridays For Future Luisa Neubauer war schon mehrfach in Lützerath. © Annette Riedl/dpa
Klimaaktivistin Luisa Neubauer sitzt am Tagebau Garzweiler
Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Lützerath am Tagebau Garzweiler. (Archivbild) © David Young/dpa
Ein brennender Heuballen auf der Straße bei Lützerath.
Brennender Heuballen in Lützerath. © Thomas Banneyer/dpa
Polizei-Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath
Die Besetzer zündeten Heuballen an und blockierten Zufahrtstraßen zu Lützerath.  © Henning Kaiser/dpa
Lützerath
Anfang Januar entfernte die Polizei Barrikaden der Besetzer in Lützerath.  © Rolf Vennenbernd/dpa
Aktivisten und Polizisten stehen sich in Lützerath gegenüber
Polizisten und Aktivisten stehen sich jetzt in Lützerath täglich gegenüber.  © Thomas Banneyer/dpa
Weltkugel mit gelbem Banner „Kohle stoppen“.
Für den 14. Januar haben Aktivistinnen und Aktivisten sowie Klimaverbände zu einer Demo in Lützerath aufgerufen – in der Hoffnung, die Räumung doch noch zu stoppen. © Roberto Pfeil/dpa

Warum ist es illegal, in Lützerath zu sein?

Das hat im Dezember 2022 schließlich der Kreis Heinsberg übernommen und eine Räumungsverfügung ausgesprochen. Am 2. Januar startete der Polizeieinsatz in Lützerath, die Besetzer hatten im Vorfeld heftigen Widerstand angekündigt. Schon nach wenigen Stunden kam es zu ersten Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizeibeamten. Erste Barrikaden der Besetzer sind bereits abgerissen, die eigentliche Räumung wird sich über Wochen bis Monate hinziehen.

Ein Eilantrag gegen die Verfügung wurde Anfang Januar vom Verwaltungsgericht abgelehnt, damit ist sie rechtens. Die Antragstellerin kann Beschwerde einlegen, dann entscheidet das Oberverwaltungsgericht in Münster.

Wann passiert die Lützerath-Räumung?

Bis Mitte Februar soll Lützerath geräumt sein. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte schon vor Monaten angekündigt, den Ort in einem „Gesamteinsatz“ räumen und abreißen lassen zu wollen. Doch die Stadt Erkelenz, die dafür die Polizei Aachen um Vollzughilfe hätte bitten müssen, weigerte sich. Das hat nun der Kreis Heinsberg übernommen.

Das passiert in den kommenden Tagen in Lützerath

► Seit dem 1. Januar dürfen keine Autos mehr ins Dorf fahren

► Am 8. Januar ist ein „Aktionstraining“ der Aktivisten im Dorf geplant

► Am 9. Januar will die Polizei Aachen ihr weiteres Vorgehen bei einer Pressekonferenz mitteilen

► In Erkelenz gibt es am 10. Januar eine Infoveranstaltung zum Thema Lützerath-Räumung. Dort werden auch der Heinsberger Landrat Stephan Pusch und der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach sein

► Denkbar ist, dass die Räumung von Lützerath am 11. Januar beginnt. Dann soll auch ein Zaun um das Dorf errichtet werden

► Am 14. Januar ist eine Großdemo bei Lützerath am Tagebau Garzweiler geplant

Die Polizei ist seit Anfang Januar mit Hundertschaften vor Ort. Erste Barrikaden wurden bereits abgerissen, RWE errichtet Wälle an der Grenze zwischen dem Tagebau Garzweiler II und Lützerath. Die eigentliche Lützerath-Räumung kommt aber noch. Am 10. Januar gibt es eine Info-Veranstaltung in Erkelenz, bei der verschiedene Politiker und die Aachener Polizei über die weiteren Maßnahmen informieren wollen. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die Räumung ab dem 11. Januar beginnt.

Ist Lützerath nur ein Symbol?

Lützerath ist auf jeden Fall auch ein Symbol. Für viele Klimaaktivisten steht der Ort für den letzten Kampf gegen die Braunkohle, als letzte Bastion der Kohlegegner. Zudem steht der Weier jetzt exemplarisch für alle Dörfer, die im Laufe der Jahrzehnte dem Braunkohletagebau weichen mussten.

Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus

Leerstehende Häuser in Dörfern bei Lützerath
Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer.  © Peter Sieben
Straße in Keyenberg
Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben
Leerstand in Keyenberg
Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben
Keyenberg bei Lützerath
In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen.  © Peter Sieben
Fenster eines Hauses in Keyenberg
Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg.  © Peter Sieben
Hausfassade in Keyenberg
Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben
Verlassene Häuser in Keyenberg
In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben
Leerstand in Kuckum
Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig.  © Peter Sieben
Überwuchertes Ladenschild
Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt.  © Peter Sieben
Verlassener Hof in Unterwestrich
Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben
Leere Straßein Keyenberg
Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen.  © Peter Sieben
Weihnachtsschmuck in Keyenberg
Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben
Schild gegen Diebe in einem Vorgarten
In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten.  © Peter Sieben
Gelbes Kreuz auf einer Mauer
Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler.  © Peter Sieben
Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath
Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt.  © Peter Sieben
Camp in Lützerath
Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler.  © Peter Sieben
Camp Lützerath
Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben
Baumhaus im Camp von Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Baumhaus in Lützerath
Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben
Hof in Lützerath
Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath
Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath.  © Peter Sieben
Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler
Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben

Das Dorf gilt aber auch als sogenannte 1,5-Grad-Grenze: Wenn die Kohle unter Lützerath verfeuert wird, ist das Ziel, den globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, nicht mehr erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

„Lützerath ist viel mehr als ein Symbol“, sagt eine Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“ gegenüber 24RHEIN. „Wenn wir Lützerath verteidigen, dann sorgen wir dafür, dass Millionen Tonnen Kohle unter der Erde bleiben. Das ist das Äquivalent zu 280 Millionen Tonnen CO2, so viel emittiert ein Land wie Griechenland in einem ganzen Jahr.“ Es gehe um reale CO2-Emissionen, die den Beitrag Deutschlands zum Pariser Klimaabkommen brechen würden. „Es geht um reale Klimapolitik“, so die Sprecherin. (pen) 

Rubriklistenbild: © Peter Sieben

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