Frage an Bundestagskandidaten

„Ist alternativlos“: Braucht Deutschland mehr Tempo bei der Energiewende?

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Sechs Politiker wollen für den Wahlkreis Hamm-Unna II in den Bundestag nach Berlin. Würden sie Deutschlands Kurs in puncto Energie beibehalten?

Hamm – Die Bundestagswahl steht kurz bevor. Bereits seit Wochen wird auf dem politischen Parkett in Berlin, aber auch an dem einen oder anderen Küchentisch in der Bundesrepublik hitzig über Themen wie Wirtschaft, Migration oder Verteidigung diskutiert. Um den Wählern des Wahlkreises Hamm-Unna II eine Entscheidungshilfe zu geben, haben wir die diesjährigen Direktkandidaten zu ihren Positionen in verschiedenen Kernthemen befragt. Jeden Tag eine neue Frage, bis zur Wahl am 23. Februar.

Die Frage heute: Muss Deutschland beim Thema Energiewende mehr aufs Tempo drücken?

Michael Thews (SPD): „Weg muss fortgesetzt werden“

Michael Thews (60), Diplom-Chemieingenieur, seit 2013 Bundestagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Hamm-Unna.

Ja. Die SPD will den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter beschleunigen, insbesondere durch schnellere Genehmigungsverfahren und einen massiven Aus- und Neubau der Strom- und Wasserstoffnetze. Ziel ist es, 80 Prozent des Stroms bis 2030 aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Zusätzlich sollen Wasserstoff und Speichertechnologien gefördert werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Im Wahlkreis hat sich hier schon einiges getan. Das Wasserstoffprojekt mit Trianel in Hamm, die bereits installierten Stromspeicher im Gersteinwerk Werne oder der geplante Speicher bei Trianel in Lünen helfen sehr bei den geplanten Veränderungen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir beim Wasserstoffkernnetz (Hamm muss angeschlossen werden) schnell vorankommen, die Unternehmen in meinem Wahlkreis zukunftsfähig werden und die Arbeitsplätze sicher sind und neue entstehen werden. In den letzten Jahren haben wir z.B. den Ausbau von Photovoltaik einfacher, schneller und günstiger gemacht. Dieser Weg muss fortgesetzt werden!

Arnd Hilwig (CDU): „Ideologiefrei und technologieoffen“

Arnd Hilwig (51), Jurist, seit 2015 CDU-Kreisvorsitzender in Hamm.

Ein klares Ja! - Wir wollen für bezahlbare Energie sorgen. Das wollen wir ideologiefrei und technologieoffen erreichen. Wir wollen mehr einschalten als ausschalten und daher wollen wir alle Kapazitäten ans Netz bringen: angefangen bei einem zielgerichteten weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien – und zwar alle: Windenergie an Land und auf See, Solarenergie, Geothermie, Wasserkraft, Bioenergie und den nachwachsenden Rohstoff Holz. Wir wollen zudem die Versorgungssicherheit durch eine pragmatische Kraftwerksstrategie.

Um das zu erreichen, haben wir eine klare Priorität: Ausbau der Netze und der Speicher. Derzeit zahlen wir in Deutschland die höchsten Strompreise in ganz Europa: auch daran müssen wir arbeiten. In einem ersten Schritt werden wir die Stromsteuer und die Netzentgelte senken, damit der Strom schnell und spürbar günstiger wird für alle. Insbesondere unsere Wirtschaft leidet unter den hohen Strompreisen, ist nicht wettbewerbsfähig. In einem zweiten Schritt werden wir das Heizungsgesetz der Ampel zurücknehmen: Mit dem bürokratischen Reinregieren in den Heizungskeller muss Schluss sein. Die Menschen brauchen Entscheidungsfreiheit.

Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2025

Frage vom Montag: Wie lässt sich die Wirtschaft in Deutschland von Berlin aus wieder ankurbeln?

Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten des Wahlkreises 144, der sowohl Hamm als auch den nördlichen Teil des Kreises Unna mit den Städten Lünen, Selm und Werne umfasst, haben wir portraitiert:

Ein Porträt über Michael Thews (SPD) finden Sie hier.

Ein Porträt über Arnd Hilwig (CDU) finden Sie hier.

Nello Soumaoro (Grüne): „Deutschland muss Vorreiterrolle übernehmen“

Nelli Soumaoro (35), Gründer des Unternehmens „Komm Mit Afrika“, seit 2023 Sprecher der Grünen in Hamm.

Ja, und zwar jetzt! Wir wissen, dass jede Sekunde zählt. Der Klimawandel kennt keine Pause, und wir können es uns nicht leisten, langsamer zu werden. Wir müssen mit voller Kraft und Entschlossenheit auf die Klimaneutralität 2045 hinarbeiten und die Zwischenziele schon heute fest im Blick behalten. Besonders im Verkehrsbereich – einem der größten Bremser – müssen wir deutlich schneller werden. Der Ausbau der Bahn muss massiv beschleunigt werden, und die E-Mobilität braucht die nötige Dynamik, um den fossilen Verkehr zu ersetzen.

Deutschland kann und muss eine Vorreiterrolle in Europa übernehmen. Nur wenn wir jetzt alles geben, schaffen wir die Grundlage für Wohlstand und Lebensqualität in einer klimafreundlichen Zukunft. Die Energiewende ist die Chance, die Wirtschaft der Zukunft zu gestalten – nicht auf Morgen, sondern auf Heute.

Georg Schroeter (AfD): „Technologischer Unsinn“

Georg Schroeter (74), selbstständiger Ingenieur, Mitgründer des AfD-Kreisverbands in Hamm.

Die praktizierte Energiewende ist technologischer Unsinn. Keine Subventionen mehr für Wind- und PV-Strom. CO₂-Abgabe sofort streichen. Kein Strom mehr ins Ausland verschenken. Grundlastfähige verbrauchernahe Kraftwerke erhalten. Die Kernkraftwerke wieder nutzen, um den künstlich verteuerten Strompreis zu reduzieren. 

Lucas Slunjski (FDP): „Sind auf einem guten Weg“

Lucas Slunjski (30), Finanzbeamter, aktives Mitglied der FDP seit 2017.

Beim Thema Energiewende sind wir auf einem guten Weg. Aber natürlich geht es immer besser. Hier sollten sich die anderen Bundesländer ein Beispiel an NRW nehmen, wo so viele Windräder genehmigt werden wie nirgendwo anders. Es kann nicht sein, dass Vertreter anderer Parteien Windräder als „Windmühlen der Schande“ abreißen wollen oder sich ein Friedrich Merz hinstellt und sagt, dass Windräder im Sauerland doch ein bisschen hässlich aussehen würden.

Sefika Minte (Die Linke): „Wir brauchen ein langfristiges Investitionsprogramm“

Sefika Minte (44), Diplom-Sozialpädagogin, seit 2022 stellvertretende Landessprecherin der Partei Die Linke.

Ja, weil die Energiewende hin zu einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bei deutlich sparsamerem und effizienterem Umgang mit Energie ist im Kampf gegen den Klimawandel alternativlos. Denn die Nutzung von Öl, Gas und Kohle geht mit einem enormen Ausstoß an Klimagasen einher. Fossile Brennstoffe sind zudem knapp und ungleich über den Globus verteilt. Die Konflikte um den Zugang zu diesen Energiequellen werden sich in Zukunft zuspitzen, wenn nicht konsequent in Richtung Erneuerbare Energien umgesteuert wird. Wir müssen klimafreundlicher werden. Das letzte Kohlekraftwerk soll in Deutschland spätestens im Jahr 2030 vom Netz gehen.

Rubriklistenbild: © Joko/Imago & Bihlmayerfotografie/Imago

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