- VonLeon Malte Cilsikschließen
Nach einem Jahr Deutschlandticket zieht die MVG eine rundum positive Bilanz. Ganz Westfalen betrachtet, fällt diese jedoch schon gemischter aus.
Lüdenscheid – Als Tarifrevolution und dringend nötiger Schritt zur Vereinheitlichung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gefeiert, jährt sich die Einführung des Deutschlandtickets am 1. Mai 2024 zu ersten Mal. Zeit für eine Bilanz: Bundesweit Bus und Bahn fahren für 49 Euro im Monat – ein verlockendes Angebot im Märkischen Kreis?
Jochen Sulies, Pressesprecher der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG), kann das auf Nachfrage der Redaktion nur bejahen: „Unterm Strich ziehen wir nach einem Jahr Deutschlandticket eine sehr positive Bilanz.“ Dies gelte angesichts steigender Abozahlen sowohl für die MVG selbst, als auch für die Fahrgäste, für welche die Tariflandschaft dadurch enorm vereinfacht worden sei.
Ein Jahr Deutschlandticket: Der Erfolg in konkreten Zahlen
Der Erfolg des Deutschlandtickets lässt sich in konkreten Zahlen messen: Zwischen April 2023 – dem letzten Monat vor der Einführung – und Februar 2024 hat die MVG nach eigenen Angaben knapp 20 500 Neukunden gewonnen (noch seien nicht alle Tage abgerechnet und die Zahl entsprechend wohl noch etwas höher).
„Das ist fast eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres“, kommentiert Sulies diese Entwicklung. Auffällig sei das nach wie vor konstante Wachstum der Abozahlen seit der Einführung des Deutschlandtickets – selbst von Januar auf Februar 2024 seien noch einmal rund 300 dazugekommen.
„Damit gehen aktuell etwa 93 Prozent aller bei der MVG abgeschlossenen Abos auf das Deutschlandticket zurück“, sagt Sulies und schlussfolgert daraus aber auch: „Das Interesse an der darunterliegende Tariflandschaft bleibt nach wie vor bestehen.“ Von knapp 31.000 Bestandskunden im Februar würden gut 28. 600 das Deutschlandticket nutzen. „Für rund 2400 bleiben aber andere Tickets wie das Azubi- oder 60plus-Abo die bessere Option“, sagt Sulies.
Angesichts des großen Erfolges im Märkischen Kreis, befürworte die MVG eine Fortsetzung des Konzepts mit zuverlässig abgesicherten Ausgleichszahlungen über 2025 hinaus. Diese Forderung hatte angesichts von rund 30 Prozent weniger Fahrgeldeinnahmen kürzlich der Westfalentarif geäußert.
„Nur wenn Bund und Länder die Einnahmenverluste der Verkehrsunternehmen aus dem Verkauf des Deutschlandtickets weiterfinanzieren (...), kann die Zukunft des Deutschlandtickets als gesichert gelten“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Die Bilanz für den gesamten westfälischen Tarifraum fällt dabei gemischter aus als die im Märkischen Kreis: „Mobil zu sein, ohne sich Gedanken über Tarifgrenzen oder die richtige Ticketauswahl machen zu müssen, wird auch von den westfälischen Nutzerinnen und Nutzern geschätzt.“
Allerdings seien anders als bei der MVG nur knapp 9 Prozent der Ticket-Inhaber in Westfalen echte Neukunden. „Lediglich ein kleiner Anteil steigt also wirklich neu in den ÖPNV ein und entscheidet sich gegen das Auto“, heißt es dazu vonseiten des Westfalentarifs. „Die Schwächen im ÖPNV-Angebot lassen einen häufigeren Ticketerwerb unattraktiv erscheinen.“
Weiterer Aufschwung durch die Bahnöffnung?
In diesem Zusammenhang beruft sich der Gemeinschaftstarif auf bundesweite Zahlen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), wonach die Deutschlandticket-Besitzquote steige, je höher die ÖPNV-Zufriedenheit vor Ort ist. In Lüdenscheid drängt sich dabei die Frage nach einem möglichen Effekt der jüngst wiedereröffneten Bahnstrecke auf.
Doch Sulies dämpft die Hoffnung: „Realistisch betrachtet ist die Frequentierung der Strecke wohl zu gering, als dass die Bahnöffnung einen spürbaren Einfluss auf die Ticketverkäufe haben wird. Zumal viele Kunden auch während der vergangenen Jahre den Schienenersatzverkehr genutzt haben.“ Dennoch sei es natürlich wünschenswert, dass der ÖPNV in der Region weitere Neu-Nutzer gewinnen kann.
Schon ab 2025 sollen im Linienverkehr die ersten E-Busse durch den Märkischen Kreis rollen. Für die Anschaffung bekommt die MVG Fördermittel in Millionenhöhe. Erste Testfahrten gab es bereits.