VonMarkus Hannekenschließen
Ein Abschied voller großer Gefühle: Nach 22 Jahren wird die Diskothek „Cheyenne Saloon“ in Hamm am Samstag um 20 Uhr zum letzten Mal öffnen. Die Meile verliert damit einen weiteren Brandungsfels.
Hamm - Die entsprechende Ankündigung im Dezember setzte bei zahllosen (aktuellen und vormaligen) Hammern eine Flut an öffentlichen Reaktionen frei: Neben schwelgenden Erinnerungen wird vor allem das Betreiberpaar Uschi und Heinz Lepper mit Dank, Verständnis, Respekt und vielen guten Wünschen bedacht.
Hunderte Beiträge wurden auf den Facebookseiten des Cheyenne und des WA getextet, weitere finden sich bei Instagram und auf der WA-Homepage. Dunja Gwisda fasst viele von ihnen wie folgt zusammen: „Wenn die Wände reden könnten, würden da bestimmt ein paar Bestseller rauskommen. So viele coole Abende...“ Und Karina Pawlik schreibt: „Meine ersten Worte auf der Meile waren ‘Ich geh nicht ins Cheyenne’, dann wurde es das Stammlokal oder anders gesagt das Wohnzimmer. (...)“
Andere fanden im Saloon sogar die große Liebe. „Dort habe ich vor sechs Jahren meine Frau kennengelernt“, schreibt die Userin s._weeting. Und Sunshine Sunny ergänzt: „(…) Habe da vor 20 Jahren meinen jetzigen Mann kennengelernt, schöne Erinnerungen haben wir an das Cheyenne. (…)“ Bei Mell Wissmann mischt sich in die Freude persönliche Trauer: „Das letzte Mal war ich Cheyenne mit meinem Ehemann, kurz bevor er verstorben ist. Und diese Erinnerung werde ich so behalten. (…)“
„Es wird eine riesen Lücke auf der Meile reißen“
Respektvolles Verständnis wird Heinz Lepper auch von anderen Meilenwirten entgegengebracht. „Wir sind unfassbar traurig über deine Entscheidung, und doch können wir diese verstehen“, schreibt zum Beispiel Karsten Plaß vom Pirates schräg gegenüber. „Es wird eine riesen Lücke hier auf der Meile reißen. Nichtsdestotrotz, die vielen lustigen und teils auch traurigen Momente mit euch und bei euch werden uns gedanklich in Zukunft weiterhin begleiten. (…)“
„Das war immer ein schöner Laden, in den man gerne ging – haben immer zwischen dem Pirates und dem Cheyenne geswitcht“, erinnert sich Wee Donnelly: „Aber irgendwann wurde es mir auf der Meile zu ‚wild‘“. Nachdenklich äußern sich auch andere User wie „Der_Sohn_des_Buckligen“: „War damals eine schöne Zeit auf der Meile, und ich bin dankbar, das noch erlebt zu haben. Es war eine recht unbeschwerte Zeit und kein Vergleich mehr zu heute. Mit den Jahren schlossen zudem immer mehr gute Lokale, und viele bekannte Gesichter sah man nicht mehr. Falls nun auch das Pirates irgendwann schließen sollte, ist die Meile faktisch tot und nur noch für den sog. Pöbel attraktiv. (...)“
Auch Jella Jones macht sich Gedanken über die Zukunft: „Da habe ich meinen JGA (Junggesellinenabschied) gefeiert … Schade, auch wenn ich die letzten Jahre nicht mehr in der Häufigkeit da war, war es trotzdem immer lustig. Das wird echt eine Lücke hinterlassen. Ich hoffe, es gibt einen würdigen Nachfolger, wobei das schwer sein wird.“
„Eltern einen unvergesslichen Abend schenken“
Voller Empathie klingt dieser Beitrag von Heinz Leppers Sohn Sven auf der Cheyenne-Facebookseite: „Mein Vater hatte einen Lebenstraum und fragte sich selbst, ob dieser nur ein Traum bleiben soll oder ob er mit all seinem Mut alle Ängste und Zweifel beiseite schiebt. Genau das tat er. (...) Leider ist dieser Traum nun vorbei. Am 6.1. werden wir zum letzten mal den Schlüssel drehen, um euch die Türen zum Cheyenne zu öffnen. Lasst uns diesen Abend eine Party feiern, wie es in Hamm noch keiner gesehen hat und meinen Eltern damit einen letzten unvergesslichen Abend schenken. (…)“
So wird es am Samstagabend zweifellos kommen. Rund 500 Zusagen hat Heinz Lepper gezählt. Auch wenn er dem Braten noch nicht so ganz traut. „Das glaube ich erst, wenn ich es wirklich sehe“, schmunzelt er. Er selbst sei (noch) einigermaßen gefasst, bekennt der 68-Jährige. Seiner Frau Uschi gehe das allerdings sehr nah: „Sie könnte im Moment gut Werbung für Tempo-Taschentücher machen.“ Er selbst werde wohl spätestens mit dem Mikrofon in der Hand von den Emotionen überwältigt, glaubt Lepper.
Lepper: „Mir kann keiner den Laden zumachen“
Wie lange die Abschiedsparty dauern wird? Fraglos bis in den frühen Morgen. „Mir kann ja keiner den Laden zumachen“, schmunzelt der Wirt. Und dann? „Holen wir die wenigen eigenen Sachen raus und geben den Schlüssel ab.“ Was danach kommt, ist ihm zwar nicht egal – aber weder weiß er es, noch hat er Einfluss darauf. Lepper: „Wir wollen einfach nur nochmal einen schönen Abend haben.“ (Auch die Lippewelle hat Zitate von Heinz Lepper gesammelt: zum Hören hier klicken.)
Direkt neben dem Cheyenne eröffnete erst im September 2023 der „Club Empire“ - und zwar in den früheren Räumlichkeiten der „Bar Rio“. Wenige Meter weiter ist das Kultlokal „Jonathan“ schon seit mehreren Jahren Geschichte; für die Örtlichkeit gibt es inzwischen neue Pläne.
Rubriklistenbild: © Markus Hanneken

