VonEva Burghardtschließen
Ein blauer Ball mit gelben Punkten ziert Gelsenkirchen. Doch dahinter steckt mehr als nur ein Kunstwerk. Es ist sogar mit Stacheldraht gesichert.
Gelsenkirchen – „Der Ball“ in Gelsenkirchen (NRW) hat es in sich. Oder vielmehr auf sich: Der Gaskugelbehälter wurde in den 1980er Jahren zum Kunstwerk umgestaltet. Er ist blau angestrichen und hat gelbe Punkte. Doch bis heute wird er mit Stacheldraht geschützt: Denn hier waren gefährliche Stoffe im Spiel.
Der ‚Ball‘ in Gelsenkirchen: Ein Kunstwerk mit Explosionsgefahr
Der Hochdruck-Kugelglasbehälter am Rhein-Emscher-Kanal in Gelsenkirchen wurde bis zu deren Schließung 1973 von der Kokerei der Zeche Bismarck genutzt. Seitdem ist er im Besitz der Stadtwerke Gelsenkirchen. In solchen kugelförmigen Speichern wird brennbares Butan- oder Propangas mit einem Druck von bis 15 Bar komprimiert.
Bis heute gibt es Warnungen und Absperrungen rund um das Kunstwerk. „Die unmittelbare Umgebung des Gasbehälters ist als Sicherheitszone mit Stacheldraht gesichert“ berichtet die Stadt Gelsenkirchen. Dabei sieht der Behälter aus der Ferne aus wie ein Kinderspielzeug, ein blauer Ball mit gelben Punkten. Die Stützpfeiler sind rot angestrichen.
Genau diesen Kontrast zwischen spielerischer Kindlichkeit und realer Gefahr wollte Rolf Glasmeier, der Künstler der den Ball 1985 bemalte, wohl betonen. „Wirkt die überdimensional große, bunt bemalte Kugel aus der Entfernung nicht nur gefahrlos, sondern scheint sie auch, wie es einem Ball eigen ist, eine gewisse Leichtigkeit zu besitzen, so verkehrt sich der Eindruck aus unmittelbarer Nähe“, heißt es bei den Kunstmuseen Ruhr auf der Website. Der bunte Ball ist eine von einigen kuriosen Sehenswürdigkeiten in Gelsenkirchen.
Für die Gelsenkirchener ist der Ball ein „sehr schönes Wahrzeichen“
Der Künstler Rolf Glasmeier kam zum Ende der 1940ern aus Emden ins Ruhrgebiet nach Gelsenkirchen. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Schriftsetzer in Gelsenkirchen und studierte dann visuelle Kommunikation an der Hochschule für visuelle Gestaltung in Ulm. Ende der 1960er war er Mitbegründer der Künstlergruppe „B1“, deren Namen sich am gleichnamigen Ruhrschnellweg orientierte.
„Der Ball“ in Gelsenkirchen
► „Der Ball“ ist ein bemalter Hochdruck-Kugelgasbehälter
► Er wurde 1985 von Künstler Rolf Glasmeier gestaltet
► Er liegt direkt zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher an der Uechtigstraße
► „Der Ball“ ist nicht das einzige ungewöhnliche Ausflugsziel in der Region: In Gelsenkirchen gibt es außerdem eine brennende Halde und ein Kunstwerk, das nachts zu einer leuchtenden Pyramide wird.
Schon damals wandelte Glasmeier Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten um, darunter etwa Lüftungskästen oder Einkaufstüten. „Objets trouvés“ werden die dann genannt, zu deutsch „gefundener Gegenstand“. Mit dem „Ball“ nahm sich Glasmeier dann allerdings keinen Alltagsgegenstand, sondern einen Gasbehälter aus der Industrie vor. Die Kunstmuseen Ruhr schreiben dazu auf ihrer Website, dass sich dieses Kunstwerk von den üblichen „Objets trouvés“ von Glasmeier abhebe. Die Spannung entstehen dabei durch die Tatsache, dass der Behälter weiterhin als Gasspeicher genutzt wird. „Die Diskrepanz zwischen der Gefahr, die nach wie vor von ihm ausgeht, und der harmlosen Anmutung eines bunt gestalteten Spielzeugs entsteht nicht zuletzt durch die veränderliche Wahrnehmung aus der Distanz und aus der Nähe.“
Rolf Glasmeier starb im Jahr 2003 in Gelsenkirchen. Ein Jahr zuvor wurde der Anstrich des Kugelgasbehälters am Emscher-Kanal nach seinem Entwurf erneuert, berichtet die Stadt Gelsenkirchen. Er „erstrahlt seitdem wieder in seiner ganzen Farbigkeit“. Bei den Menschen in und um Gelsenkirchen scheint das Kunstwerk immer noch gut anzukommen. Bei Google schreibt ein Nutzer, er sei ein „sehr schönes Wahrzeichen“, ein anderer findet, der Behälter sehe super an. „Der Kugelgasbehälter wirke durch den Anstich, als wenn er schwebt“, heißt es weiter. Nur die Farbe seit mittlerweile verblasst. (ebu)
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