Räumungsverkauf läuft

Fachgeschäft schließt nach über 13 Jahren – „Innenstadt ist nicht mehr die, die sie mal war“

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Nach über 13 Jahren muss nun ein Fachgeschäft schließen – eine Entscheidung, die viel mit der aktuellen Entwicklung der Innenstadt zu tun hat.

Köln – Viele Einzelhändler stehen vor ähnlichen Herausforderungen – sinkende Kundenfrequenz, gestiegene Kosten, verändertes Kaufverhalten. Erst kürzlich musste ein inhabergeführtes Geschäft schließen – unter anderem wegen des Standorts. Auch in Bergneustadt hat ein Traditionsbetrieb aufgegeben: Der „Schreibwarenladen“ schloss nach über 75 Jahren. In der Hammer Innenstadt diskutieren viele bereits, ob „früher nicht doch alles besser war“. Und selbst Großstädte wie Köln bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont: Hier musste ein Fachgeschäft nach über 13 Jahren aufgeben.

Fachgeschäft schließt nach über 13 Jahren – „Innenstadt ist nicht mehr die, die sie mal war“

Über 13 Jahre hat es das „Tischhelden“ in Köln gegeben. Hier konnten sich Kunden individuelle Tische konfigurieren lassen, Stühle, Teppiche und Leuchten aussuchen und sich zu ihrer Wohnsituation von Inhaberin und Interior Stylistin Anja Huntemüller persönlich beraten lassen. Doch nun kündigte sie den Räumungsverkauf an – „Alles muss raus“, steht auf den Schildern am Ladenlokal im Hohenstaufenring. Für Huntemüller ist klar: Die sinkende Attraktivität der Kölner Innenstadt hat zur Entscheidung beigetragen. „Die Innenstadt ist nicht mehr die, die sie mal war“, sagt sie im Gespräch mit wa.de.

Wo sich früher eine echte Möbelmeile befand, mussten inzwischen zahlreiche Geschäfte aufgeben. „Ganz viele sind weg, es gab viele Schließungen“, erzählt Huntemüller. Mit dem Rückgang der Vielfalt sank auch die Anziehungskraft des Standorts. Dann folgte Krise auf Krise: Während der Corona-Pandemie brach der Umsatz drastisch ein, monatelang musste das Geschäft geschlossen bleiben. Kaum erholt, trafen sie die Folgen des Ukrainekriegs – Rohstoffmangel, steigende Preise, lange Lieferzeiten. „Die Corona-Einbußen konnte man so nicht kompensieren.“ Viele Einzelhändler, die sie kennt, seien mittlerweile verzweifelt – schließlich hängen da ganze Existenzen dran.

Von Flaniermeile zu Leerstand – „Habe ich schmerzlich gemerkt“

Durch die wirtschaftliche Lage gebe es in Köln mittlerweile so einige Leerstände. Wo früher noch eine belebte Flaniermeile war, lohne sich der Besuch der Innenstadt heute für viele kaum noch. Auch das Parken sei immer schwieriger geworden – und insgesamt werde es immer schmutziger. Zusammenfassend: Die Attraktivität der Innenstadt nimmt spürbar ab. „Das habe ich in den letzten Jahren schmerzlich gemerkt“, sagt sie. Ein Problem, mit dem Köln nicht allein dasteht. Wie eine Umfrage in Hamm zeigte, fordern auch dort Gastronomen mehr Sicherheit, bessere Sauberkeit und ein gezieltes System gegen Leerstände.

Doch Huntemüller sieht in der Krise auch etwas Positives: „Der Einzelhandel transformiert sich“, sagt sie. In denschwierigen Zeiten sei der Zusammenhalt unter den Händlern spürbar gewesen. Es habe Kooperationen und Unterstützung gegeben. Auch sie selbst geht jetzt einen neuen Weg – künftig wird sie mit einer Lichtfirma und weiteren Gewerken zusammenarbeiten.

Räumungsverkauf läuft – bis zu 60 Prozent Rabatt

Zunächst aber läuft noch der Räumungsverkauf bei „Tischhelden“ in Köln. Bis zum 30. Juni verkauft sie Tische, Stühle und Einrichtungsgegenstände. „Zwischen 30 und 60 Prozent Rabatt gibt es – das lohnt sich“, so Huntemüller, gerade mit Blick auf die in den letzten Jahren stark gestiegenen Rohstoffpreise.

Abwärtstrend in der Kölner Innenstadt

In der jüngsten Umfrage der Köln-Business Wirtschaftsförderung und der Industrie- und Handelskammer zu Köln wird die Stadt deutlich schlechter bewertet als in den Vorjahren. Die Ergebnisse bestätigen den Eindruck der Einzelhändlerin: Die Attraktivität der Kölner Innenstadt wurde kritischer bewertet, während vor allem die Sauberkeit und die Erreichbarkeit mit dem Auto die größten Baustellen bleiben.

„Nach konkreten Verbesserungen gefragt, wünschen sich viele für die Fußgängerzonen vor allem bessere Sanitäreinrichtungen, mehr Grün sowie Maßnahmen gegen Leerstände“, lautet das Fazit der Köln-Business Wirtschaftsförderung.

Neben Sauberkeit und Leerständen machen den Innenstädten in NRW auch andere Herausforderungen zu schaffen. So hat laut dem Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland auch das aggressive Betteln deutlich zugenommen – ein weiterer Faktor, der vielen Besuchern den Innenstadtbesuch vermiest.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Rupert Oberhäuser

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