Große Umfrage von WA und Lippewelle

City-Entwicklung verunsichert Gastwirte: „Die drei großen Probleme sind …“

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Die Entwicklung der Innenstädte ist ein heißes Thema - auch in Hamm. Was läuft gut? Und was bereitet den Beteiligten vor Ort Unbehagen? Eine Umfrage.

Hamm – Wie gern verbringen Sie eigentlich Zeit in der Hammer Innenstadt? Wie häufig verabreden Sie sich mit Freunden auf ein Mittagessen, einen Kaffee, vielleicht ein Bierchen am Abend? Die Attraktivität von Innenstädten ist in den vergangenen Jahren immer wieder Thema gewesen. Auch in Hamm wird diskutiert, ob auch hier „früher alles besser war“, wie der Volksmund oft behauptet, oder ob das Angebot – insbesondere kulinarisch – derzeit so vielfältig ist wie eigentlich nie.

Umfrage unter City-Akteuren: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Innenstadt in Hamm?

Viel los ist in der Hammer Innenstadt meist nicht.

Mit Frühlingsbeginn, wo naturgemäß wieder mehr Leben einzieht zwischen Hauptbahnhof und Musikschule, wollen Michael Knippenkötter und Jakob Tröster von wa.de gemeinsam mit Ute Hien und Rainer Wilkes von Radio Lippewelle den Blick auf die Hammer Fußgängerzone richten. Dafür haben Sie bei den City-Protagonisten und bei Bürgern nachgefragt. Bis einschließlich Sonntag, 30. März, schauen wir in unserer Berichterstattung täglich auf eine neue Frage.

Die Frage heute: Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Innenstadt in den vergangenen Jahren entwickelt?

Markus Haas (Allee-Center): „Glaube, dass sich Hamm recht negativ entwickelt hat“

Markus Haas ist seit Oktober 2022 Leiter des Allee-Centers. Der gebürtige Mülheimer war zuvor Manager der Thier-Galerie in Dortmund.

„Dieser Trading-down-Effekt, den erkennt man schon. Also ich glaube, dass sich Hamm in den letzten Jahren recht negativ entwickelt hat. Ich kenne Hamm schon ein wenig länger als nur die zweieinhalb Jahre, die ich jetzt hier im Allee-Center bin, und in der Vergangenheit gab es hier schon deutlich mehr wertigen Einzelhandel.“

Das sagen die Hammer über ihre City: „Muss deutlich mehr passieren“

Björn: „Ich finde, es ist ja schon eine Menge passiert, zumindest was kulturelle Veranstaltungen angeht. Wenn ich mir jetzt die Innenstadt selbst anschaue, also die Fußgängerzone, ist die natürlich partiell schon ganz schön geräubert und leerstehend. Wenn man sich andere Städte anguckt, könnten sich auch wieder mehr Gastronomie, mehr Treffpunkte, welcher Art auch immer, ansammeln. Dazu müsste man zum Beispiel Leerstände multifunktional nutzen und vielleicht auch Pop-Up-Stores, Ausstellungen, kleine Konzerte oder sowas veranstalten. Vor allen Dingen auch inhabergeführte Angebote. Also nicht so viel Franchise, sondern irgendwie besondere kleinere Läden. Davon haben wir tatsächlich nicht ganz so viel, das kann man ja an einer Hand abzählen.“ 
Björn: „Ich finde, es ist ja schon eine Menge passiert, zumindest was kulturelle Veranstaltungen angeht. Wenn ich mir jetzt die Innenstadt selbst anschaue, also die Fußgängerzone, ist die natürlich partiell schon ganz schön geräubert und leerstehend. Wenn man sich andere Städte anguckt, könnten sich auch wieder mehr Gastronomie, mehr Treffpunkte, welcher Art auch immer, ansammeln. Dazu müsste man zum Beispiel Leerstände multifunktional nutzen und vielleicht auch Pop-Up-Stores, Ausstellungen, kleine Konzerte oder sowas veranstalten. Vor allen Dingen auch inhabergeführte Angebote. Also nicht so viel Franchise, sondern irgendwie besondere kleinere Läden. Davon haben wir tatsächlich nicht ganz so viel, das kann man ja an einer Hand abzählen.“  © Jakob Tröster
Sandra: „Die Innenstadt ist leider nicht ganz so schön. Aber ich finde, es wird ja was getan, das merkt man. Es verändert sich schon ein bisschen was, auch von den Geschäften her, aber da muss noch deutlich mehr passieren, damit es wieder attraktiv ist. Ich gehe eigentlich nur in die Innenstadt, wenn ich zum Arzt muss oder auf den Markt. Alles andere mache ich tatsächlich online oder ich gehe zu kleinen besonderen Händlern, die noch da sind, wie in den Buchladen in der Weststraße. Bei gastronomischen Angeboten wäre ich bei kleinen, inhabergeführten sofort dabei. Um wirklich zu bleiben oder mal einen Abend zu genießen, ist halt nicht so viel da. Ich mag auch schöne Cafés, dafür gehe ich jetzt gerade ein bisschen nach außerhalb, Richtung Klosterdrubbel.“
Sandra: „Die Innenstadt ist leider nicht ganz so schön. Aber ich finde, es wird ja was getan, das merkt man. Es verändert sich schon ein bisschen was, auch von den Geschäften her, aber da muss noch deutlich mehr passieren, damit es wieder attraktiv ist. Ich gehe eigentlich nur in die Innenstadt, wenn ich zum Arzt muss oder auf den Markt. Alles andere mache ich tatsächlich online oder ich gehe zu kleinen besonderen Händlern, die noch da sind, wie in den Buchladen in der Weststraße. Bei gastronomischen Angeboten wäre ich bei kleinen, inhabergeführten sofort dabei. Um wirklich zu bleiben oder mal einen Abend zu genießen, ist halt nicht so viel da. Ich mag auch schöne Cafés, dafür gehe ich jetzt gerade ein bisschen nach außerhalb, Richtung Klosterdrubbel.“ © Jakob Tröster
Jörn: „Ich finde, dass gastronomisch ein bisschen was passieren könnte, für Leute so um die 50, aber auch jünger. Diese Leute finden hier, glaube ich, gastronomisch nicht so viel. Ich würde mir was eher Kleines für den Abendbereich wünschen, wo man auch mal ausgehen kann, mal mit seiner Frau einen leckeren Cocktail trinken oder ein leckeres Glas Wein, ohne dass man gleich auch viel essen müsste. Was mit Kleinigkeiten.“
Jörn: „Ich finde, dass gastronomisch ein bisschen was passieren könnte, für Leute so um die 50, aber auch jünger. Diese Leute finden hier, glaube ich, gastronomisch nicht so viel. Ich würde mir was eher Kleines für den Abendbereich wünschen, wo man auch mal ausgehen kann, mal mit seiner Frau einen leckeren Cocktail trinken oder ein leckeres Glas Wein, ohne dass man gleich auch viel essen müsste. Was mit Kleinigkeiten.“ © Jakob Tröster
Christina: „Ich finde den Wochenmarkt, außer jetzt am Dienstag, wo er wirklich ein bisschen leer ist, eigentlich schön. Ich kann hier gut einkaufen. Ansonsten bin ich persönlich nicht jemand, der viel rausgeht. Aber wenn ich mit dem Fahrrad gerade abends hier durchfahre, sieht man schon überall viele Menschen draußen sitzen, gerade jetzt, wenn es wärmer wird. Ich glaube, dass Hamm dafür auch relativ attraktiv ist, den Eindruck habe ich.“ 
Christina: „Ich finde den Wochenmarkt, außer jetzt am Dienstag, wo er wirklich ein bisschen leer ist, eigentlich schön. Ich kann hier gut einkaufen. Ansonsten bin ich persönlich nicht jemand, der viel rausgeht. Aber wenn ich mit dem Fahrrad gerade abends hier durchfahre, sieht man schon überall viele Menschen draußen sitzen, gerade jetzt, wenn es wärmer wird. Ich glaube, dass Hamm dafür auch relativ attraktiv ist, den Eindruck habe ich.“  © Jakob Tröster
Vera: „Schöne kleine Geschäftchen, auch mit Mode, die gibt es hier kaum noch. Schön wäre vielleicht dann das eine oder andere Café noch dazu, aber ich weiß nicht, ob sich das lohnt für die Leute. Ich persönlich gehe mit meiner Tochter immer sehr gerne zum Secondhandmarkt. Soweit ich weiß, gibt es hier kein Secondhandgeschäft. Könnte auch in so kleinen Boutiquen drin sein – da hat man dann auch keine Hemmungen, reinzugehen.“
Vera: „Schöne kleine Geschäftchen, auch mit Mode, die gibt es hier kaum noch. Schön wäre vielleicht dann das eine oder andere Café noch dazu, aber ich weiß nicht, ob sich das lohnt für die Leute. Ich persönlich gehe mit meiner Tochter immer sehr gerne zum Secondhandmarkt. Soweit ich weiß, gibt es hier kein Secondhandgeschäft. Könnte auch in so kleinen Boutiquen drin sein – da hat man dann auch keine Hemmungen, reinzugehen.“ © Jakob Tröster
Horst: „Ich wüsste jetzt nicht, wo ich hier abends hingehen sollte. Was essen gehen, ja, kann man machen, ist aber ein Angebot, das ich nicht so häufig wahrnehmen möchte, da bin ich lieber zu Hause. Allerdings gehen wir häufiger in die Eis Oase.“ Vera: „Schöne kleine Geschäftchen, auch mit Mode, die gibt es hier kaum noch. Schön wäre vielleicht dann das eine oder andere Café noch dazu, aber ich weiß nicht, ob sich das lohnt für die Leute. Ich persönlich gehe mit meiner Tochter immer sehr gerne zum Secondhandmarkt. Soweit ich weiß, gibt es hier kein Secondhandgeschäft. Könnte auch in so kleinen Boutiquen drin sein – da hat man dann auch keine Hemmungen, reinzugehen.“ 
Horst: „Ich wüsste jetzt nicht, wo ich hier abends hingehen sollte. Was essen gehen, ja, kann man machen, ist aber ein Angebot, das ich nicht so häufig wahrnehmen möchte, da bin ich lieber zu Hause. Allerdings gehen wir häufiger in die „Eis Oase“. © Jakob Tröster

Frederick Müller (Altes Brauhaus Henin): „Die drei großen Probleme sind …“

Frederick Müller ist als Geschäftsführer des Alten Brauhauses Henin tätig. Er betreibt außerdem ein Marketing-Büro in der Innenstadt und ist Vorsitzender des 2023 gegründeten Gastronomievereins „HammGastro“.

„Es hat sich negativ entwickelt und wir haben das Problem, dass die Neuansiedlungen nicht zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beitragen. Um es kurz zu machen: die drei großen Probleme der Innenstadt sind: Sicherheit, Sauberkeit und die Attraktivität durch Geschäfte, die ein entsprechendes Segment anbieten. Wir haben in Hamm das Problem, dass Geschäfte nicht daran interessiert sind, sich hier niederzulassen, weil wir generell eine niedrige Kaufkraft haben im Vergleich zu anderen Städten – und natürlich auch eine sehr geringe Passantenfrequenz in der Fußgängerzone.“ 

Karsten Plaß (Pirates und Anker & Herz): „Wegzug vieler Geschäfte“

Karsten Plaß betreibt seit einigen Jahren das „Pirates“ auf der Südstraße sowie das „Anker & Herz“.

„Zum Vorteil hat sie sich bestimmt nicht verändert. Wir haben den Wegzug vieler Geschäfte, viele Einkaufsmöglichkeiten sind weggefallen. Das ist, glaube ich, die aktuelle Herausforderung, vor der aber auch sehr viele Städte stehen.“

Andreas Müller (Cineplex): „In den Innenstädten ein ähnliches Szenario“

Andreas Müller ist seit Oktober 2024 Theaterleiter im Cineplex-Kino. Zuvor hat er als Betriebswirt in Lippstadt gearbeitet.

„Das glaube ich, ist allgemein in den Innenstädten mittlerweile ein sehr ähnliches Szenario: Viele Läden stehen leer, Hauseigentümer wohnen irgendwie weit weg. Na ja, es ist schwierig für Politik, Bürger und für das gesamte Miteinander, eine Stadt wieder auf ein attraktives Niveau zu bekommen, um dann eben wieder den entsprechenden Zulauf und die Resonanz zu haben, die eine Stadt in der Größe wie Hamm auch braucht.“ 

Sezen Bozdogan (Extrablatt, Sissi & Franz, R-Café): „Viel häufiger als früher Polizei rufen“

Sezen Bozdogan ist nach eigener Aussage „Head of Betriebsleiter“ und blickt damit über die drei Lokale „Extrablatt“, „Sissi & Franz“ sowie das „R-Café“.

„Nicht gut. Die Situation ist nach Corona viel schlechter als vorher. Es gibt vielmehr Übergriffigkeiten, es findet ein aggressives Betteln vor unseren Lokalen statt, sodass wir viel häufiger als früher die Polizei rufen müssen. Natürlich gibt es insgesamt eine höhere Präsenz von Ordnungskräften, die wirkt sicherlich auch abschreckend. Aber in den Abendstunden ist die Situation oft schwierig mit dem angesprochenen Klientel.“

Was halten Sie von der City?

Wir freuen uns auch über Ihre Meinung: Was denken Sie in Bezug auf die Attraktivität der Hammer Innenstadt? Schreiben Sie uns gerne an lokales-hamm@wa.de.

Johanna Lichtblau (Café im Klosterdrubbel): „Leider ins schlechtere entwickelt“

Johanna Lichtblau arbeitet im „Café im Klosterdrubbel“, dem traditionellen Kaffeehaus am Ende der Fußgängerzone in der Oststraße. Sie ist die Tochter von Inhaberin Yvonne Lichtblau und bereits seit 2020 mit im Geschäft. 

„Ich würde sagen: Leider ins schlechtere, dadurch dass einfach sehr viele Läden geschlossen haben. Zum Beispiel Spielzeugläden gibt es gar nicht mehr in Hamm, dafür muss man nach außerhalb fahren – auch zum Geschenke besorgen. Dann die Situation mit den Bettlern und Obdachlosen, die dazu führt, dass man sich nicht ganz so sicher fühlt, gerade wenn man als Frau alleine unterwegs ist.“

Frank Jäschke (Enge Weste): „Mehr Drogenkonsum, mehr Leerstand“

Frank Jäschke betreibt seit 2021 die Kultkneipe „Enge Weste“ an der Sternstraße. Hauptberuflich leitet er ein Speditionsunternehmen und engagiert sich auf sozialer Ebene. So organisierte er Hilfskonvois in die Ukraine oder in das von der Flut gebeutelte Ahrtal.

„Kurz gesagt: schlecht. Mehr Drogenkonsum, mehr Leerstand. Es gehen immer weniger Leute in die Stadt. Das ist aber kein auf Hamm begrenztes Problem. Bei uns in der ‚Engen Weste‘ fällt das auch nicht so stark ins Gewicht, wir haben unsere Stammklientel.“

Klaus Osiewacz (Westend): „Das ist komisch“

Klaus Osiewacz ist Betreiber des Westends in der Weststraße. Seit Anfang 2024 führt der Gastronom außerdem das Brauhaus Henin.

„Man kann das von zwei Seiten sehen: Die Gastronomie hat sich gut entwickelt, es ist für jeden was dabei: vom indischen Restaurant über ein mexikanisches bis zu deutschen. Es ist alles da, die Gastro ist gut aufgestellt. Auf der anderen Seite hat natürlich der Einzelhandel zu leiden, wie in ganz Deutschland, da sind wir leider keine Ausnahme. Aber: wir haben 185 000 Einwohner in Hamm, alle wollen eigentlich in den Läden einkaufen, und keiner geht hin. Das ist komisch.“

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek

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