- VonStefan Gehreschließen
Grundsätzlich werden die Pläne zur Entwicklung des CreativReviers Heinrich Robert begrüßt. Vor allem in zwei Punkten gibt es aber auch immer wieder Kritik - von Bürgern und Politikern.
Pelkum/Herringen – Ein „Ja“ mit Einschränkungen. Das ist zumindest in der Bezirksvertretung Pelkum das Ergebnis der Diskussion über den Flächennutzungsplan „Nachnutzung ehemaliger Bergwerksstandort Heinrich Robert (CreativRevier)“. Denn während bei den Kollegen in Herringen die Vorlage einstimmig und ohne Diskussion empfohlen wurde, gab es in Pelkum Bedenken – auch bei denjenigen, die sie am Ende empfahlen.
Das waren die Ampel-Koalition und die CDU. „Einzelkämpfer“ Ulrich Schölermann (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte mit „Nein“, die Vertreter von Pro Hamm und der Partei Die Linke enthielten sich der Stimme. Die AfD ist nicht mehr in der BV vertreten.
Anton Harling, Chef der CDU-Fraktion Pelkum, betonte zwar, dass man die Entwicklung des CreativReviers grundsätzlich begrüße. Mit Blick auf das Thema „Einzelhandel“ fragte er sich aber, was bei einer möglichen Verlegung des Lidl-Standorts ins Creativ-Revier aus Alt-Pelkum wird. Man müsse aufpassen, dass Ansiedlungen auf Heinrich Robert nicht zulasten anderer Zentren gehen.
Creativ-Revier Heinrich Robert: Deutliche Mehrbelastung für Kamener Straße
Auch die verkehrliche Entwicklung gab ihm Anlass zur Sorge, insbesondere was die Kamener Straße betrifft. „Wir müssen die Menschen mitnehmen und sie darüber informieren, was auf sie zukommt“, so Harling. Denn schon jetzt sei die Kamener Straße mit rund 18.000 Fahrzeugen am Tag stark belastet.
Durch ein voll ausgebautes CreativRevier Heinrich Robert kämen rund 8.000 Fahrzeuge am Tag hinzu, nicht zu vergessen die K35n als Verbindung zwischen der Kamener Straße und dem geplanten Multi Hub Westfalen auf dem Gelände des Rangierbahnhofs an der Rathenaustraße. Auch dadurch werden zusätzliche Fahrten erzeugt, darunter 400 bis 500 Lkw.
Insgesamt dürften es am Ende an die 30.000 Fahrzeuge sein, die täglich über die Kamener Straße fahren. Damit hätte man dann Verhältnisse wie auf der Werler Straße. Aufgabe sei es daher zu überlegen, welche Maßnahmen erforderlich seien, um die Belastungen zu minimieren. „Tempo 30 ist sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluss“, so Harling.
„Wie sollen Radler das Creativ-Revier sicher erreichen?“
Ulrich Schölermann teilte die Bedenken und führte sie weiter aus. „Wie sollen Radler das Creativ-Revier sicher erreichen?“ Die Radwege an der Kamener Straße seien schlecht, an der Fangstraße gebe es nur einen Fahrradstreifen. Zudem warnte Schölermann davor, dass die auf Heinrich Robert geplanten Ansiedlungen in vielen Fällen eine Konkurrenz zu bestehenden Einzelhändlern darstellten.
Bedenklich seien auch die hohen Bodenbelastungen in dem Bereich. Und: Die geplanten Maßnahmen zum Artenschutz gehen ihm nicht weit genug.
CreativReviert Heinrich Robert: Konkurrenz für bestehenden Einzelhandel
Der Einzelhandel war schließlich auch für Manuela Purwin-Bullert (Die Linke) das Stichwort. Sie fragte sich, was mit dem Fahrradhändler am Wiescherhöfener Marktplatz passiert, sollte sich auf Heinrich Robert ein großer Händlern ansiedeln. „Wird dort nur verkauft oder kann der kleine Händler von den Service-Angeboten profitieren?“
Schon im Herbst 2022 hatten Bürger und Träger öffentlicher Belange die Gelegenheit genutzt, sich im Zuge der öffentlichen Auslegung zu den Plänen zu äußern. In den meisten Fällen wurden Hinweise zur Kenntnis genommen, Anregungen aber nicht berücksichtigt. Dazu gehören unter anderem die Städte Bergkamen und Lünen, die Anwohnerschaft der Goerallee sowie zwei Grundstückseigentümer an der Kamener Straße.
Einer hatte darum gebeten, die in der Flächennutzungsplanänderung dargestellten Sondergebietsflächen für großflächigen Einzelhandel im Bereich Lebensmittel zu überdenken: „Es kann städtebaulich nicht gewollt sein, eine Entwicklung des alten Zechenareals zulasten eines anerkannten und bestehenden Nahversorgungszentrums durchzuführen.“
Die Verwaltung verwies in diesem Zusammenhang auf das Einzelhandelsgutachten und lehnte den Einwand ab: „Als Ergebnis der umfänglichen Prüfung werden Nutzungsmöglichkeiten für die am CreativRevier geplanten Einzelhandelsflächen benannt, die keine mehr als unwesentlichen Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche sowie die wohnungsnahe Versorgung in Hamm sowie in den umliegenden Städten und Gemeinden auslösen.“
CreativRevier Heinrich Robert: Bürgeranregungen nicht berücksichtigt
Kritik am geplanten Einzelhandel kam auch aus umliegenden Städten und Gemeinden. Sie wurden zudem im parallel verlaufenden Bebauungsplanverfahren vorgetragen. Mit Hinweis auf das Gutachten wurden aber auch sie abgelehnt.
Berücksichtigt wurden lediglich Anregungen der Bezirksregierung Arnsberg und des Umweltamtes der Stadt Hamm. Allerdings ging es hier nur um Formulierungen in der Beschlussvorlage. Auswirkungen auf die konkrete Umsetzung der Pläne haben sie nicht.