1080 Unterschriften

Es soll zappenduster bleiben: Stadt sperrt sich gegen Licht im „Erlebensraum“

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Anlieger fordern zumindest dezente Beleuchtung im „Erlebensraum Lippeaue“. Die Stadt sperrt sich dagegen. Licht in dem Gebiet hätte schwerwiegende Folgen.

Hamm – Am neuen „Erlebensraum Lippeaue“ in Hamm gab es seit der Eröffnung im Juni viel Kritik. Zu wenig Erleben, zu wenig Strahlkraft – und auch zu wenig Beleuchtung. Anlieger starteten eine Unterschriftensammlung, um doch noch Licht ins Dunkle zu bringen. 1.080 Menschen haben unterschrieben. Am Montag entscheidet der Beschwerde-Ausschuss, wie es weitergeht. Die Stadtverwaltung hat sich bereits eindeutig positioniert.

Im Erlebensraum soll es ganz bewusst dunkel sein

„Eine Beleuchtung der neuen Zuwegung war und ist nicht vorgesehen“, heißt es in einer Stellungnahme. Eine Beleuchtung sei auch in beiden Bürgerbeteiligungsverfahren im Vorfeld nicht angeregt worden. Außerdem sei der durch den Erlebensraum verlaufene „alte“ Jupp-Eickhoff-Weg ebenfalls nicht beleuchtet gewesen.

Ziel des Projektes sei eine naturnahe Umgestaltung der Aue. Hierzu zählte auch, dass, sobald die Dunkelheit eintritt, dieser Bereich dunkel wird.

„Tod von Zugvögeln“ wegen Beleuchtung

Licht im Erlebensraum hätte aus Sicht der Verwaltung drastische Folgen. Dämmerungs- und nachtaktive Insekten verendeten häufig an Lichtquellen oder würden so sehr in ihrer Fortpflanzungsaktivität gestört, dass keine Vermehrung mehr stattfinde. Singvögel würden zur Änderung ihrer Aktivitätsphasen und ihres Brutgeschäfts gezwungen.

„Zugvögel werden von ihren Flugrouten abgelenkt oder stoßen mit beleuchteten Bauwerken zusammen. Auch Himmelsstrahler tragen zum Tod von Zugvögeln bei.“

Diese und weitere Gründe sprächen gegen eine Beleuchtung. Der Erlebensraum sei in den Abend- und frühen Morgenstunden ohnehin relativ wenig frequentiert, kein Schulweg oder eine wichtige Radwegeverbindung, stellt die Verwaltung fest. Wegen nötiger Tiefbauarbeiten und Artenschutzgutachten koste eine solche Maßnahme überdies rund 128.000 Euro.

Anlieger verweist auf die Verkehrssicherheit

Wolfgang Sommer, Betreiber der Gastronomie am Ruderclub und Initiator der Unterschriftenaktion, wundert sich darüber, wie vehement sich die Stadt gegen die geforderte, dezente Beleuchtung sperrt. „Wir wollen keine taghelle Festtagsbeleuchtung, sondern nur ausreichend Licht, damit man gefahrlos daher fahren kann“, stellt er klar.

Fernlicht an: Wenn es am Nachmittag dunkel wird, ist es im Erlebensraum stockfinster.

Die Unterschriftenaktion habe gezeigt, dass es Rückhalt für die Initiative gibt. Im Erlebensraum seien außerdem sehr wohl viele Menschen unterwegs. Weil die Zufahrt zum Ruderclub hinter den Deich verlegt worden sei und dadurch nicht mehr eingesehen werden könne, ziehe der Vergleich mit der Situation vor dem Umbau nicht.

„Ich glaube, dass das schlicht vergessen wurde“

Sommer ist enttäuscht, dass die Stadt noch nicht einmal insektenfreundliche oder adaptive Beleuchtung in Betracht zieht, die es in anderen Städten bereits gebe. Daran, dass die Schaffung von Lichtquellen nun teuer werden würde, sei die Stadt selbst schuld. Wenn die Beleuchtung schon in den Planungen für das 40-Millionen-Projekt mitgedacht worden wäre, hätte man sich viel Geld sparen können, meint Sommer. „Ich glaube aber, dass das schlicht vergessen wurde.“

Rubriklistenbild: © Mroß

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