VonSascha-Nikolai Paschedagschließen
Die Gastronomie ist krisengeschüttelt, das ist auch in Pelkum zu spüren. Wie geht es den Gastronomen vor Ort angesichts der Probleme?
Pelkum – Mal eben abends was essen gehen, sich mit Freunden in einer Gaststätte treffen – das war früher noch einfacher als heutzutage. Viele Restaurants haben in den vergangenen Jahren dicht machen müssen. Die Gründe dafür sind verschieden, liegen aber in Teilen auch in den aktuellen Krisen begründet. Eine Analyse.
Gastronomie in Pelkum: Wie durchhalten trotz der Krisen?
Im Restaurant „Lire“ an der Weetfelder Straße in Hamm läuft aus Boxen leise italienische Musik. Der Inhaber, Mario Papa, sitzt vor einem Stapel von Rechnungen und seufzt. „Alles gar nicht so einfach gerade“, sagt er und lacht kurz auf. Das Restaurant um ihn ist noch leer, es öffnet erst in einer Stunde. Er hofft, dass die Plätze heute wieder gut gefüllt sind, eine Garantie gibt es dafür aber nicht mehr.
In den vergangenen Jahren verschlechterte sich die Situation der Gastronomen zusehends. Dafür gab es viele Gründe: Der sich verschärfende Fachkräftemangel, die Corona-Pandemie, die gestiegenen Energiepreise als Folge des Krieges in der Ukraine und zuletzt die wieder gestiegene Mehrwertsteuer auf Speisen von sieben auf 19 Prozent. Das Resultat: Viele Wirte geben auf.
Gastronomen haben auch in Pelkum aufgegeben
Auch in Pelkum haben Gastronomen das Handtuch geworfen. Ein Gasthaus, das dennoch weitermacht, ist das Haus Keitmann an der Kamener Straße. Der Gasthof an der Kamener Straße läuft schon seit vielen Jahren. Seit jeher ist er in Familienbesitz. Neben der Gaststätte werden auch mehrere Monteurszimmer vorgehalten. Geführt wird es von Dirk Keitmann.
„Wir haben die Krisen bisher gut überstanden “, sagt Ursula Keitmann, die Mutter des Inhabers. „Ich denke, es kommt auf den Mix an, weswegen wir die vergangenen Jahre so gut geschafft haben.“ Dieser Mix, so Keitmann weiter, bestehe aus einer Basis an Stammgästen, die regelmäßig vorbeischaut. Diese empfehlen das Restaurant weiter, was auf den Service und die Qualität der Speisen zurückzuführen sei. Dadurch vergrößere sich das Kundenaufkommen von allein. Bis heute habe das Restaurant so immer ausreichend zu tun gehabt.
Bei Keitmann habe man den Krisen gut getrotzt
Die Preise, so Keitmann weiter, habe das Restaurant trotz der Krisen der vergangenen Jahre nicht erhöht. „Das einzige, was wir gemacht haben“, sagt Keitmann, „ist, dass wir einen weiteren Ruhetag eingeführt haben.“ Nun ist das Restaurant neben dem Dienstag auch am Montag geschlossen.
Es gibt aber auch Gaststätten im Bezirk, die in den vergangenen Jahren aufgegeben haben. Prominentes Beispiel ist dafür die Mausefalle. Die Gaststätte schloss im Jahr 2018 – nach rund 160 Jahren. Ähnlich erging es „Haus Berkemann“ im Hölzken oder dem Haus Lerche im gleichnamigen Stadtteil. Beide Gaststätten schlossen ihre Pforten vor einigen Jahren. Besonders bitter: Seit der Schließung in Lohauserholz ist der Stadtteil komplett ohne Restaurant.
Das Kundenaufkommen bleibt auch in Pelkum hoch
Am Alten Bahnhof Pelkum scheiterte eine Initiative des Eigentümers, der dort früher existierenden Gastronomie wieder Leben einzuhauchen. Das war 2019. Seitdem geschah dort nichts weiter. Oft wurde kein Nachfolger gefunden oder es gab zu wenig Personal, um den Betrieb fortführen zu können.
Heute gibt es nur noch wenige Restaurants, die weiterhin dabei sind. Zu diesen Betrieben, die seit langer Zeit existieren und weitermachen, gehören etwa die Wielandstuben oder das Gasthaus Keitmann. Auch das Restaurant im Selbachparkhotel hat trotz der Corona-Pandemie durchgehalten und macht bis heute weiter. Beobachtungen zufolge sind sowohl die Wielandstuben als auch das Restaurant im Hotel des Selbachparks gut besucht, offiziell wollten sich die Betreiber jedoch nicht dazu äußern.
Es gibt bei der Gastro-Entwicklung aber auch kritische Stimmen
Manche Gastronomen haben mit der Situation mehr zu kämpfen. Zu ihnen gehört Papa, der das italienische Restaurant „Lire“ an der Weetfelder Straße führt.
„Vor Corona, das war quasi die goldene Zeit“, sagt Papa vom Restaurant „Lire“. Vor der Eröffnung vor acht Jahren waren in den Räumlichkeiten erst ein Gemischtwarenhandel und dann ein Tanzstudio beheimatet. Er hat die Preise vor einem halben Jahr erhöhen müssen, bereits seit einiger Zeit hat er mit Kundenschwund zu kämpfen. Die gestiegene Mehrwertsteuer hat er nicht weitergegeben. „Man muss da ein Gleichgewicht finden“, sagt Papa. „Sonst kommen noch weniger Kunden.“ Warum immer weniger Menschen kommen? Papa hat da eine Theorie: „Die Leute haben weniger Geld und sind verunsichert. Sie halten also ihr Geld zusammen“, sagt er.
Es gibt immer wieder neue Versuche — auch in Pelkum
In manchen Gaststätten ging es mit einem Nachfolger weiter. Das ehemalige Haus Refus, heute Haus Krakau, zählt etwa dazu. Dort gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Pächterwechsel mit unterschiedlichen Konzepten, vor einigen Jahren ging erst das Haus Krakau mit polnischen Speisen an den Start. Gleiches gilt für das Haus Paschen, in dem sich immer wieder Gastronomen versuchten. Zuletzt Renate Moede, die mit „Deutscher Küche“ die Kunden begeistern wollte.
Nach rund einem Jahr gab sie aus gesundheitlichen Gründen auf, seit dem 1. März versucht Sanimir Cufurovic, die Gäste mit mediterranen Gerichten anzulocken. „Wir lieben unseren Beruf. Ein Vorteil ist natürlich, dass wir ein Familienbetrieb sind und wir alle Berufserfahrung haben“, sagt Cufurovic. Später einmal soll des Haus Paschen von seinen Kindern weitergeführt werden. Auch deshalb habe man sich dazu entschieden, das Restaurant zu öffnen. Man wolle hier vor allem mit frischen Produkten überzeugen. Verpächter Stefan Gehle glaubt an die Familie und den Standort. Daher habe er auch noch einmal in den Gasthof investiert. Im alten „Dreiländereck“ an der Kamener Straße ist seit 2015 die Western-Saloon-Kneipe Nanaimo untergebracht.
In der Taverne Dionysos machen sich die Krisen auch bemerkbar
Gleiches gilt für die Taverne Dionysos an der Großen Werlstraße. Nachdem Gründer Theodorus Alexiou das Restaurant 1985 eröffnete und 2022 aus gesundheitlichen Gründen schloss, übernahm Christos Pavlos im April 2023 die Gaststätte. Er führt das Lokal derzeit mit drei Angestellten.
„Die Kunden kommen noch, aber es werden weniger“, sagt er. Die Stammgäste, die er sonst einmal die Woche begrüßen konnte, kommen jetzt nur noch alle zwei Wochen, höchstens.
Die Preise wurden aber auch hier nicht erhöht
Die Preise hat er im Zuge der Mehrwertsteuer ebenfalls nicht verändert. „Wir haben die Preise mancher Speisen Ende des Jahres etwas erhöht“, sagt Pavlos. „Was früher 4,50 Euro kostete, ist jetzt etwa 5,50 Euro teuer“, gibt er als Beispiel an. Er macht sich Sorgen, wie lang das alles noch gut gehen kann. „Es ist schwierig, aber es geht noch“, sagt er. Deswegen machen sie weiter und arbeiten nach dem Motto: Mal schauen, was passiert.
Die Gastronomie erlebt Veränderungen, nicht nur in Pelkum. Auch in Hamm merken die Betreiber ein anderes Ausgehverhalten.
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