VonMarvin K. Hoffmannschließen
In Nordrhein-Westfalen erleben wir einen signifikanten Anstieg der Grundsteuer. Dies betrifft sowohl Hausbesitzer als auch Mieter. Einige Städte und Gemeinden fallen besonders auf.
Hamm – Der Bund der Steuerzahler (BdSt) sorgt mit einer eindringlichen Warnung aktuell für Aufsehen: Eigentümer müssen sich auf höhere Grundsteuern einstellen. Das würde wiederum auch Mieter bei den Nebenkosten hart treffen. Der BdSt jedenfalls sieht die Politik in der Pflicht – und nennt Beispiele, die gerade Bürger in Nordrhein-Westfalen aufhorchen lassen sollten.
„Hochsteuerland NRW“: Erhöhung der Grundsteuer trifft Eigentümer und Mieter hart
„Wir haben festgestellt, dass in diesem Jahr bereits fast jede zweite Gemeinde in Nordrhein-Westfalen ihren Hebesatz für die Grundsteuer B erhöht hat“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Eberhard Kanski in Düsseldorf. Die zum Jahresbeginn greifende Grundsteuer-Reform lasse weitere Verteuerungen und Schieflagen befürchten. Doch nicht nur Eigentümer sollten sich dann auf einen Steuer-Hammer in NRW einstellen, sondern auch Mieter.
Was besonders aufhorchen lässt: Laut BdSt habe das Ausmaß der Erhöhungen eine seit Jahrzehnten ungekannte Dimension erreicht. Das jedenfalls habe eine Auswertung der Hebesätze in den 396 Kommunen des Landes gegeben. Die Forderung des BdSt: Sowohl als „Wohnsteuer“ als auch als Standortfaktor für die Unternehmen erfordere diese Größenordnung dringend staatliches Gegenlenken.
Die teuersten und die günstigsten Gemeinden
Die höchsten Hebesätze für die Grundsteuer B haben laut Auswertung des Steuerzahlerbundes derzeit Niederkassel (1100) und Alfter (995) - beide im Rhein-Sieg-Kreis sowie Xanten im Kreis Wesel (995). Am günstigen Ende der Skala liegen dagegen Verl (170) und Schloss Holte-Stukenbrock (280) im Kreis Gütersloh sowie das für niedrige Steuersätze berühmte Monheim am Rhein (282).
Lediglich eine einzige Gemeinde - Büren im Kreis Paderborn - hat die Grundsteuer gesenkt - allerdings nur um einen Prozentpunkt (auf 514). Die prozentual größte Steuererhöhung ist im rheinischen Eschweiler mit einem Plus von 72 Prozent festzustellen.
Kommunen in NRW erheben hohe Grundsteuer
Die Kommunen in NRW sind dabei offenbar häufig bundesweiter Spitzenreiter. „Die Zunahme lässt alle Dämme brechen“, sagt Kanski vom BdSt. „Wir sind wieder bei einer neuen Episode aus der Geschichte: Hochsteuerland Nordrhein-Westfalen.“ Hier würden im Durchschnitt die bundesweit höchsten Grundsteuer-B-Sätze erhoben.
„Wir haben festgestellt, dass zum ersten Mal in der Landesgeschichte Nordrhein-Westfalens eine Kommune einen Hebesatz von über 1.000 Punkten hat“, so der Kommunal-Finanzexperte weiter. „1.000 war immer so eine Schallgrenze und die ist in Niederkassel überschritten worden.“ Der Hebesatz ist ein entscheidender Faktor bei der Ermittlung der Steuer. Er ist Teil einer Formel, mit der die Grundsteuer berechnet wird:
- Grundsteuerwert x Steuermesszahl = Grundsteuermessbetrag
- Grundsteuermessbetrag × Hebesatz der Gemeinde = Grundsteuer
Neben Niederkassel im Rhein-Sieg-Kreis gebe es aber auch in vielen anderen Regionen sehr hohe Hebesätze: etwa in den Kreisen Düren, Recklinghausen und Unna sowie etlichen Ruhrgebietsstädten wie Gladbeck, Mülheim, Duisburg oder Herne. Niedrige Hebesätze sind dagegen in den Kreisen Gütersloh, Mettmann und Borken zu finden sowie in Düsseldorf.
Eigentümer können erhöhte Grundsteuer an Mieter weitergeben
Die Grundsteuer B wird auf bebaute und bebaubare Grundstücke erhoben und von Eigentümern bezahlt – über die Nebenkosten sind aber auch Mieter letztlich davon betroffen. Vermieter können diese Kosten an die Mieter weitergeben, weil es sich dabei um einen sogenannten durchlaufenden Posten handelt. Heißt konkret: Die höhere Grundsteuer kann über die Nebenkostenrechnung auf jeden einzelnen Mieter in einem Haus umgelegt werden.
Ab dem 1. Januar 2025 müssen Grundstückseigentümer in Deutschland die Steuer nach einer neuen Berechnungsmethode bezahlen. Allein in NRW müssen dafür rund 6,5 Millionen Grundstücke neu bewertet werden. (maho/dpa)
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