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„Schwarze Hornisse“ galt als ausgestorben – jetzt macht sie sich in NRW breit

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Der Klimawandel bringt immer mehr exotische Tiere nach NRW. Auch die sogenannte „schwarze Hornisse“ – die hierzulande über Jahrzehnte als ausgestorben galt.

Köln – Die meisten Menschen werden die sogenannte „schwarze Hornisse“ schon einmal beobachtet haben: Mit ihrer blauschwarzen Färbung und einer Größe von fast drei Zentimetern ist das Tier durchaus eine imposante Erscheinung. Das spezielle Aussehen der „schwarzen Hornisse“ sorgte schon häufiger für Verwirrung, denn: Das Insekt ist eigentlich gar keine Hornisse, sondern eine blaue Holzbiene, die größte heimische Bienenart. Ursprünglich war die Biene im Süden und Südwesten Deutschlands beheimatet, doch inzwischen häufen sich Sichtungen auch in NRW. Beruhigend: Das Insekt ist für den Menschen harmlos.

Blaue HolzbieneWestliche HonigbieneHornisse
Wissenschaftlicher NameXylocopa violaceaApis melliferaVespa crabro
GrößeBis zu 28 MillimeterBis zu 18 MillimeterBis zu 30 Millimeter
FärbungBlauschwarz, dunkle Flügel mit auffällig blauen SchillerGelb-Schwarz bis Braun-SchwarzRötlich-Braun bis Rötlich-Gelb

„Schwarze Hornisse“ breitet sich in NRW aus: Für die meisten Menschen ist sie ungefährlich

Aufgrund ihrer Größe wird die blaue Holzbiene häufig als „schwarze Hornisse“ bezeichnet. (Archivbild)

Für die meisten Menschen ist die „schwarze Hornisse“ ungefährlich. Die weiblichen Exemplare besitzen zwar einen Stachel, sind aber „sehr friedfertig“, wie es vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) heißt. Die männlichen Tiere sind stachellos. Ein Stich unterscheidet sich kaum von dem einer anderen Biene oder Wespe. Menschen, die keine besonderen Allergien haben, droht also wenig Gefahr.

Gänzlich neu ist die „schwarze Hornisse“ in NRW nicht – vielmehr erlebt sie gerade eine Art Comeback. Bis in die 1940er-Jahre war das Tier häufiger in Nordrhein-Westfalen zu finden, wie es beim Nabu heißt. Im Verlauf vieler nasskalter Sommer sei sie vermutlich in den fünfziger oder sechziger Jahren hierzulande aber ausgestorben. Wie die Naturschützer schreiben, war die Bienenart in der Folge für Jahrzehnte nur aus dem Südwesten Deutschlands bekannt.

Klimawandel begünstigt Ausbreitung der „schwarzen Hornisse“ in NRW – deutliche Zunahme erwartet

Viele exotische Tiere profitieren bei ihrer Ausbreitung in NRW vom Klimawandel, darunter die asiatische Hornisse, das Taubenschwänzchen und auch die „schwarze Hornisse“. Besonders seit 2003 werden immer mehr Exemplare des Brummers in weiten Teilen Deutschlands nachgewiesen.

Mittlerweile reicht ihr bis auf Höhenlagen und größere Waldgebiete weitgehend geschlossenes Verbreitungsareal bis zu einer Linie auf Höhe von Osnabrück, Hannover und Berlin. Wie aus den Daten des Nabu hervorgeht, gab es in NRW die meisten gemeldeten Sichtungen im südlichen Teil des Bundeslandes. Das Rote-Liste-Zentrum stuft den aktuellen Bestand als „mäßig häufig“ ein. Langfristig erwarten die Experten mit der steigenden Klimaerwärmung jedoch mit einer deutlichen Zunahme.

Die „schwarze Hornisse“ alias blaue Holzbiene ist häufig an Bäumen zu finden.

Schon jetzt gehört die blaue Holzbiene zu den am häufigsten gemeldeten Insekten bei der Insektensommer-Aktion des Naturschutzbundes Deutschland. Die Bienenart gehört zu den wichtigsten bestäubenden Insekten im Garten. Dabei mögen die Tiere besonders pollenreiche Blüten wie Plattenerbsen oder Gartengeißblatt.

Besondere Futtersuche der „schwarzen Hornisse“

► Die „schwarze Hornisse“ beziehungsweise blaue Holzbiene gehört zu den wichtigsten bestäubenden Insekten in deutschen Gärten. Doch wenn sie trotz ihrer langen Zunge nicht an den Nektar einer besonders tiefen Blüte gelangt, nagt sie einfach ein Loch in die Blütenwand.

► „Dabei kann es sein, dass sie nicht unbedingt mit den Pollen in Berührung kommt – sie nimmt sich also den Nektar, ohne die übliche Gegenleistung zu erbringen, nämlich die Bestäubung der Blüte“, hieß es vom Naturschutzbund Deutschland.

„Schwarze Hornisse“ macht sich in NRW breit: Exemplare häufig an Hauswänden oder Bäumen zu finden

Das liegt nach Einschätzung des Naturschutzbundes aber auch an dem besonderen Aussehen der „schwarzen Hornisse“. Ihr umgangssprachlicher Name ist dabei irreführend: Die blaue Holzbiene brummt laut und ähnelt mit ihrer Größe von bis zu 28 Millimetern eher einer großen Hummel. Zusammen mit den schwärzlich-violetten Flügen und der schwarzen und gelben Behaarung kann man die größte heimische Wildbiene kaum übersehen.

Im Gegensatz zur Honigbiene, die Staaten bildet, lebt die Holzbiene allein. Im Frühjahr sind vor allem die Weibchen auffällig oft an Hauswänden oder Bäumen zu finden, wo sie gezielt nach Nistplätzen suchen. „Diese finden sie in abgestorbenen, sonnenbeschienenen Baumstämmen, die noch nicht zu morsch sind, manchmal aber auch in Zaunpfählen oder Holzbalken“, so der Nabu. Im Anschluss bohrt die „schwarze Hornisse“ sich mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen in das Holz hinein. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Susanne Fritzsche/Imagebroker/Imago

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