Kolibri oder Taubenschwänzchen?

Spezieller Schmetterling macht sich in NRW breit – er sieht aus wie ein Kolibri

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Das Taubenschwänzchen ist immer öfter auch in NRW zu finden. Bei dem Schmetterling besteht allerdings Verwechslungsgefahr.

Köln – Huch, ist das ein Kolibri? Wenn man ein Taubenschwänzchen sieht, könnte man ihn glatt für ein Exemplar des zierlichen Tropenvogels halten. Der Schmetterling schwirrt mit heftigen Flügelschlägen von Blüte zu Blüte, und trinkt mit seinem langen Rüssel den Nektar im Flug. Die braun, schwarz und weiß gefärbten Haarbüschel an seinem Hinterende erinnern zudem an Federn. Mittlerweile ist der tagaktive Nachtfalter immer häufiger ein ungewöhnlicher Gast in deutschen Gärten – auch in NRW.

Das Taubenschwänzchen erinnert optisch an einen Kolibri. (Archivbilder/IDZRNRW-Montage)
Taubenschwänzchen
Wissenschaftlicher NameMacroglossum stellatarum
Flügelspannweite36 bis 50 Millimeter
Gewicht0,3 Gramm

Taubenschwänzchen stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet – und macht sich nun in NRW breit

Ursprünglich stammt das Taubenschwänzchen aus dem Mittelmeergebiet, wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mitteilte. Der Wanderfalter machte sich Jahr für Jahr zu Beginn des Hochsommers auf in Richtung Mitteleuropa, um hier eine Folgegeneration zu erzeugen. Im Gegensatz zu den heimischen Arten überwintert das Taubenschwänzchen als ausgewachsener Falter. Das kältere Klima machte es dem Tier deshalb schwer, in Deutschland zu überleben. Doch das hat sich geändert.

„Der Falter profitiert vom Klimawandel und übersteht seit einigen Jahren auch nördlich der Alpen die milden Winter erfolgreich“, sagte Karl-Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte beim NABU. Deshalb sind erste Exemplare des hektischen Tierchens heutzutage schon im frühen Frühling in Parks, in Gärten oder auf Wiesen zu finden. Im Juli und August kann man die Taubenschwänzchen dann in größerer Zahl beobachten – unter anderem vor Geranien, Petunien oder Rotklee. In Köln wurde im Sommer eine weitere Schmetterlingsart gesichtet, die in Zukunft öfter in NRW auftauchen könnte.

Taubenschwänzchen oder Kolibri?

Kolibris (Trochilidae) gibt es in Deutschland nicht. Das Verbreitungsgebiet des Kolibris liegt in Süd-, Mittel und Nordamerika. Die kleinste Kolibri-Art (Bienenelfe) misst rund 6 Zentimeter, der Riesenkolibri hingegen circa 22 Zentimeter. Wer also glaubt, einen Kolibri bei sich im Garten entdeckt zu haben, sieht ein Taubenschwänzchen. Beide ähneln sich, da auch das Taubenschwänzchen im Flug Nektar sucht

Neuer Schmetterling breitet sich in NRW aus – nicht das einzige neue Insekt

Der Klimawandel sorgt nicht nur dafür, dass sich das Taubenschwänzchen hier immer stärker ausbreitet. Auch viele andere Tierarten sind vermehrt in Nordrhein-Westfalen zu finden. So hält sich auch die asiatische Hornisse, unterstützt durch die veränderten Klimabedingungen, mittlerweile öfter in Mitteleuropa auf. Im Gegensatz zum Taubenschwänzchen kann die Verbreitung der asiatischen Hornisse gravierende Konsequenzen für das heimische Ökosystem haben.

20 Blüten pro Sekunde: Markanter Schwirrflug macht Taubenschwänzchen schnell

Der auffällige Schwirrflug hat für das Taubenschwänzen gleich mehrere wichtige Funktionen. Zum einen macht es den Schmetterling schnell: Wie der NABU erklärt, kann der behaarte Falter innerhalb von fünf Minuten bis zu hundert Blüten besuchen, mit rund 80 Flügelschlägen pro Sekunde. Das bedeutet, durchschnittlich hält sich das Tier nur drei Sekunden an einer Blüte auf. Das erfordert eine Menge Energie, wie Jelinek sagte: „Ein Pausieren auf einer Blüte ist da nicht drin“. Jeder zu lange Stopp führe zu einem Auskühlen der Flugmuskulatur.

Das Taubenschwänzchen in Aktion: Sieht aus wie ein Kolibri.

Zum anderen sei der Schwirrflug für das Taubenschwänzchen überlebenswichtig, denn: Durch das rasche Vor- und Zurückbewegen bleibe immer eine ausreichende Distanz zwischen dem Insekt und der Blüte – und das Tier ist vor gut getarnten Fressfeinden, wie die Krabbenspinne, geschützt. Neben der Schnelligkeit sind die Tiere auch besonders Ausdauerfähig. Weder Hochgebirge noch Entfernungen von bis zu 2.000 Kilometern stellen ein Hindernis für das Taubenschwänzchen dar.

Taubenschwänzchen immer häufiger auch in NRW zu finden – erste Sichtungen bereits im 19. Jahrhundert

Die ersten Meldungen über vereinzelte Sichtungen in Deutschland reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Laut Experten sei dies ein Beleg dafür, dass die Zugrouten der Falter bereits seit Langem bestehen. Aktuell nutzen die Falter das warme Sommerwetter, um ihre Eier abzulegen. Bevorzugt werden dafür Pflanzen des Kletten-Laubkrautes genutzt, die an warmen Böschungen wachsen. „Das grüne Ei wird dabei im Schwirrflug an die Triebspitze der Pflanze geheftet“, hieß es vom Naturschutzbund. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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