Ernte ab September

Zu viel Regen: Krautfäule bedroht Kartoffelernte in Welver, längere Pommes

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Regen ist für Landwirte nicht immer ein Segen. Kartoffeln sind wasserscheu, Starkregen lässt die Knollen im Boden verfaulen. Warum die Pommes dafür wieder länger sein werden.

Welver – „Für das Wachstum ist Niederschlag eigentlich ganz gut“, sagt Landwirt Thomas Osterhoff. „Bei nasser Witterung wird aber die Kraut- und Knollenfäule bei der Kartoffel gefördert.“ Während die Kartoffelbestände im letzten Jahr mit anhaltender Trockenheit zu kämpfen hatten, bereiten in diesem Jahr die andauernden Niederschläge Probleme.

NamePhytophthora infestans (Kraut- und Knollenfäule)
AbteilungEipilze
WirtsartenKartoffeln, Tomaten und Petunien
BekämpfungFungizide

Osterhoff, der auf seiner 103 Hektar großen Fläche in Ehningsen neben Kartoffel auch Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Raps anbaut, rechnet mit einer eher schwierigen Ernte im September, wenn der Dauerregen jetzt keine Pause einlegt. „Man kann nur hoffen, dass es jetzt trockener wird“, sagt er. Dann könnte es noch eine gute durchschnittliche Ernte geben.

Fünf unterschiedliche Speisekartoffeln baut Osterhoff an. Er schätzt, dass ihm die Sortenvielfalt bei den schwierigen Witterungsverhältnissen Vorteile bringt. Während einige Sorten die Nässe gut verkraftet haben, bereitet sie anderen wiederum Probleme.

Kartoffelanbau: Ohne Pflanzenschutz geht es kaum

Eine Stichprobe habe bereits gezeigt: „Es gibt definitiv Sorten, die präsentieren sich ganz gut. Andere Wiederum weniger gut“, sagt der Ehningser Landwirt. „Belana“ sei es eher schlecht ergangen: Die festkochende Sorte sei schlecht ausgelaufen und habe keinen guten Blattapparat entwickelt. „Man beobachtet weniger Knollen pro Pflanze“, sagt Osterhoff.

Im letzten Jahr war es die Trockenheit, jetzt ist es der anhaltende Regen: die Kartoffelernte von Thomas Osterhoff und seinen Kollegen ist in diesem Jahr durch die Knollen- und Krautfäule bedroht.

Schon bei der Aussaat im April hatten die Landwirte mit Nässe zu kämpfen. „Der hohe Niederschlag direkt nach der Aussaat hatte die Ackerböden auf die Straßen geschwemmt“, erinnert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes (WLV) Soest, Josef Lehmenkühler, an die schwierigen Startbedingungen auf den Feldern.

Aktuell mache die hohe Luftfeuchtigkeit den Blättern der Kartoffelpflanze zu schaffen – sie schafft idealen Nährboden für den Pilzbefall durch die sogenannte Krautfäule. „Wir Landwirte reagieren darauf mit chemischen Pflanzenschutzmittel, auf die wir bei solchen Witterungen erst recht nicht komplett verzichten können“, sagt Lehmenkühler. „Wenn die Blätter abgestorben sind, ist das Wachstum für die Knollen im Boden beendet.“ Wo nicht chemisch behandelt wurde, seien die Blätter auf den Feldern meist gelb.

Kartoffelanbau: Mehr Platz für die einzelne Knolle

Auch auf seiner eigenen Ackerfläche in Geseke, auf der der WLV-Vorsitzende vor allem Veredelungskartoffeln anbaut, habe er schon gebuddelt und Proben entnommen. „Es ist mit einer eher unterdurchschnittlichen Ernte im September zu rechnen“, sagt er und geht davon aus, dass die Würfel durch den vielen Regen bereits gefallen sind. „Eine Top-Ernte wird es bei den Kartoffeln nicht geben.“

Eine Top-Ernte wird es bei den Kartoffeln eher nicht geben.

Josef Lehmenkühler Vorsitzender WLV

Eine gute Nachricht hat Lehmenkühler jedoch für alle, die Kartoffeln am liebsten goldgelb frittiert und gut gewürzt mögen: Die Fritten in der Schale dürften in diesem Jahr wieder länger ausfallen. Da der Regen die Anzahl der Knollen reduziert hat, bleibt mehr Platz für die einzelne. Die Kartoffel wird dicker. 2022 war das Gegenteil der Fall: Aufgrund der Dürre gerieten die Kartoffelpflanzen vermehrt unter Stress und stellten das Wachstum ein, sodass die Knollen klein blieben. Kleine Kartoffeln gleich kurze Pommes.

Biobetriebe haben es schwerer

Die Krautfäule macht sich aufgrund der feuchten Witterung breit. Da diese in Biobetrieben schwer zu bekämpfen ist, bleibt zu hoffen, dass die Fäule nicht auf die Knollen übergeht. Auch haben die Kartoffeln durch das feucht-kalte Frühjahr weniger Knollen angesetzt und somit rechnet Familie Balks-Dreckmann mit unterdurchschnittlichen Erträgen.

Neben den Kartoffeln baut der Betrieb schwerpunktmäßig Möhren, Zwiebeln, Gemüseerbsen und Getreide an. Die Möhrenernte steht auf dem Hof in Dinker in den Startlöchern. Die ersten Möhren hätten diese Woche bereits geerntet werden können, berichtet Landwirt Friedrich Balks-Dreckmann. Auch hier hoffe die Familie schnellstmöglichst auf trockenes Wetter, da die ersten Möhren bereits platzen und somit nicht mehr vermarktet werden können.

Getreideernte: „Man versucht zu retten, was noch zu retten ist.“

Gleichzeitig müsse auch noch die Getreideernte eingebracht werden. Die habe sich aufgrund der Witterung schon um drei Wochen verzögert und es sei noch nicht abzusehen, wann sie abgeschlossen werden kann, so Balks-Dreckmann. Der Regen habe auch dem Weizen schwer zugesetzt.

„Man versucht zu retten, was noch zu retten ist.“ Die Körner fangen auf dem Halm an zu keimen. Somit ist die Backqualität verloren gegangen und der Weizen ist nur noch als Futterweizen zu gebrauchen. „Hoffentlich“, so der Landwirt. Das Getreide werde nach dem Dreschen getrocknet und eingelagert. Die Vermarktung findet dann über das ganze Jahr statt.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/dpa

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