Extrempunkte in NRW

Es geht hunderte Meter abwärts: Das ist der tiefste Punkt in NRW

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In NRW gibt es von Natur aus große Höhenunterschiede zwischen den Landschaften. Doch der tiefste Punkt des Landes ist nicht natürlich entstanden.

Niederzier – Am Tagebau Hambach erstrecken sich graubraune Kraterlandschaften, so weit das Auge reicht. Selbst die riesigen Bagger, mit denen der Energiegigant RWE jahrzehntelang Braunkohle aus den Böden gebaggert hat, sehen vom Rand des umgangssprachlich als „größtes Loch Europas“ bezeichneten Tagebaus winzig klein aus. Das Gelände im rheinischen Revier ist auch zu einem beliebten Ziel für Besucher geworden. Was vielleicht jedoch nur wenige wissen: Der Tagebau Hambach ist tatsächlich der tiefste Punkt in ganz Nordrhein-Westfalen.

Tagebau Hambach im rheinischen Braunkohlerevier ist der tiefste Punkt in NRW

Der Tagebau Hambach ist der tiefste Punkt in NRW. (Archivbild)

Kein Punkt in Nordrhein-Westfalen ist tiefer als der Tagebau Hambach – genauer gesagt der Teil des Lochs, der sich in Niederzier (Kreis Düren) befindet, wie es von der Bezirksregierung Köln heißt. Der jahrzehntelange Braunkohleabbau hat unübersehbare Spuren hinterlassen: Heutzutage reicht das Loch bis zu 299 Meter tief unter Normalhöhennull (NHN). Da kann auch die tiefste natürliche Senke in NRW, der Kranenburger Ortsteil Zyfflich an der Grenze zur Niederlande, mit einer Tiefe von neun Meter über NHN nicht annähernd mithalten.

Normalhöhennull (NHN)

Das Normalhöhennull ist in Deutschland das festgelegte Nullniveau der amtlichen Bezugshöhe im Deutschen Haupthöhennetz. Es ist seit 1993 der Nachfolger des 1879 eingeführten Normalnull (NN). Als Nullpunkt wird dabei für Deutschland der Amsterdamer Pegel verwendet. Messwerte werden mit der Bezeichnung „m ü. NHN“ (Meter über Normalhöhennull) versehen.

Quelle: Bundesverband Geothermie

Was die Ausmaße noch klarer macht: Nach dem Ende des Braunkohleabbaus in NRW will RWE den Tagebau Hambach zum zweitgrößten See Deutschlands machen. Der Tagebausee wird dann eines Tages den Rekordhalter für den tiefsten See Deutschlands – den Bodensee – schlagartig ablösen. Das Gewässer im Süden der Bundesrepublik reicht bis zu 251 Meter in die Tiefe, der Hambachsee soll nach seiner Fertigstellung – RWE plant mit 2070 – bis zu 360 Meter tief werden. Selbst der Pariser Eiffelturm würde nach der Flutung vollständig in dem Tagebausee verschwinden.

Bis zum höchsten Punkt von NRW sind es über 140 Kilometer

Im Tagebau Hambach befindet sich der tiefste Punkt in NRW. (Archivbild)

Die Flutung des Tagebau Hambach ist Teil des Strukturwandels im rheinischen Revier. Nicht nur der Tagebau wird sich stark verändern, zahlreiche Menschen arbeiten daran, auch das Umland für nachfolgende Generationen wieder aufzuwerten. So soll in der Anrainerkommune Elsdorf beispielsweise ein Wohnquartier direkt am Ufer des sich füllenden Sees entstehen. Und rund um das Gewässer ist ein riesiger Radweg geplant – mit „besonderen Orten“ entlang der Strecke. Und wer von ganz unten nach ganz oben möchte: Der höchste Punkt von NRW befindet sich im Hochsauerland, etwa 142 Kilometer Luftlinie vom tiefsten Punkt entfernt. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Axel Kaste/Imago

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