Tagebau Hambach

Am neuen Riesensee in NRW entstehen „besondere Orte“ - was steckt dahinter?

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Mit ihren „besonderen Orten“ am zukünftigen Hambachsee in NRW wollen die Verantwortlichen „Geschichte schreiben“. Aber was ist genau geplan?

Hambach – Das Rheinische Revier in NRW befindet sich im Wandel. Nachdem der Braunkohlebagger ab 2030 still steht, will RWE die graubraunen Kraterlandschaften am Tagebau Hambach zum zweitgrößten See Deutschlands umfunktionieren. Bereits 2040 soll man in dem neuen Riesensee schwimmen können. Doch das Mammutvorhaben wird nach den Planungen vom Energieriesen erst in einigen Jahrzehnten abgeschlossen sein. Doch schon sehr viel früher wird an der Umgestaltung des Umlands gearbeitet: Unter anderem ist mit dem Hambach Loop ein riesiger Radweg am Ufer des zukünftigen Sees geplant – mit sogenannten „besonderen Orten“ entlang der Strecke.

„Besondere Orte“ am neuen Riesensee in NRW als „Pioniere“ im Wandel des rheinischen Reviers

So soll der zweitgrößte See Deutschlands in NRW aussehen, zu den RWE den Tagebau Hambach formen will.

Die „besonderen Orte“ am geplanten Riesensee in NRW sollen eine „besondere Strahlkraft“ haben und den rund 42 Kilometer langen Radweg für Anwohner und Touristen attraktiver machen, sagte Christina Brincker von der Neuland Hambach GmbH im Sommer im Gespräch mit 24RHEIN. Die Highlights entlang des Hambach Loops sollen schon während der Füllphase des Sees als „Pioniere“ – also als erste, sichtbare Beispiele – des Strukturwandels im rheinischen Revier dienen.

Im Rahmen einer Vorstudie, in der auch die Anwohner miteingebunden wurden, wurden sechs Vorschläge für die „besonderen Orte“ erarbeitet. Die Menschen vor Ort konnten im Nachgang ihre Meinungen, Wünsche und Anregungen zu den Ideen mit den Verantwortlichen teilen. Diese werden aktuell ausgewertet, Ende November soll die genaue Ausgestaltung der Highlights am Hambach Loop feststehen.

„Besondere Orte“ am neuen Riesensee in NRW: Höllentreppe gibt Ausblick auf Tagebau

Rund um den geplanten Hambachsee soll mit dem Hambach Loop großer Radweg entstehen – mit „besonderen Orten“ entlang der Strecke.

Einer der Vorschläge ist die „Höllentreppe“, die vom Ort Titz-Höllen auf die Sophienhöhe hinaufführen soll. Von oben soll ein „neuer Blick [...] nach Norden in Richtung der sich wandelnden Landschaft rund um den Tagebau Garzweiler“ ermöglicht werden, schreibt die Neuland Hambach GmbH. Neben den Tagebauen Hambach und Inden wird auch die Grube in Garzweiler zu einem großen See umfunktioniert. Der Modulbau an der Spitze der „Höllentreppe“ könnte unter anderem für Arbeits- und Vereinstreffen sowie Kindergeburtstage verwendet werden. Passend dazu ist auch ein Abenteuerspielplatz am Fuße der Treppe möglich.

Mit begehbarem Dach: Aussichtspunkt Niederzier soll zu „besonderem Ort“ ausgebaut werden

Einen weiteren „besonderen Ort“ am neuen Riesensee in NRW gibt es bereits – zumindest in den Grundzügen. Der bestehende Aussichtspunkt Niederzier könnte laut dem Vorschlag der Neuland Hambach GmbH „ausgebaut und erweitert“ werden. „Der Vorschlag sieht vor, einen Modulbau mit Steg Richtung Tagebausee aufzustellen“. Von einem begehbaren Dach oder dem Innenraum des angedachten Gebäudes könnte die Entwicklung rund um den geplanten Hambachsee beobachtet werden – untermalt mit Möwengeschrei und Wellengeräuschen. „Besuchende könnten hier zur Ruhe kommen“, so die Verantwortlichen.

Neuland Hambach GmbH

Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen.

Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.

„Besonderer Ort“ am Riesensee in NRW: Manheimer Kirche als Zeugnis der Geschichte

Die Manheimer Kirche am Ufer der Manheimer Bucht hat für viele Menschen in der Region einen hohen ideellen Wert. Als eines der letzten Gebäude blieb das entwidmete Gebäude, das also nicht mehr als Gotteshaus gilt, stehen. Der Rest von Manheim-Alt gleicht nach der Umsiedlung der Anwohner für RWEs Kohleabbau einem Geisterdorf. Nun wird diskutiert, wie das denkmalgeschützte Gebäude zukünftig genutzt werden könnte: Die Kirche könnte demnach an die Historie des Ortes erinnern oder zu einem Kunstwerk umgestaltet werden, so die Verantwortlichen. Alternativ könnte die Kirche auch als Kletterhalle dienen.

Die Manheimer Kirche in Kerpen-Manheim hat für viele Anwohner der Region einen hohen ideellen Wert.

Tagebau Hambach soll mit Rheinwasser geflutet werden – Einleitbauwerk als „besonderer Ort“

Erst kürzlich hat der Braunkohleausschuss die Transportleitung, durch die Wasser aus dem Rhein in den Tagebau Hambach geleitet werden soll, beschlossen. Besonders in Dormagen, wo die Leitung entspringen soll, ist das Vorhaben umstritten. Ab 2027 sollen die technischen Wasserbauwerke gebaut werden. An der sogenannten :porta sophia in Elsdorf, dem zukünftigen Eingangstor zur Sophienhöhe, soll das Wasser in das riesige Loch fließen. Dort könnte ein Bildungsort zum Thema Wasser entstehen, mit Seminarräumen für Veranstaltungen. Von einer Panorama-Terasse könnte der Wasserzufluss beobachtet werden.

„Besonderer Ort“ am neuen NRW-Riesensee: „Oase für alle“ am Rand des Hambacher Forst geplant

Der Hambacher Forst ist in den vergangenen Jahren wohl zu dem Symbol des Widerstands von Umweltschützern gegen den Braunkohleabbau im rheinischen Revier geworden. Einst rund 4.100 Hektar groß, ließ der Kohlebagger von RWE 500 Hektar des Waldes übrig. Nun soll am Rand vom Bürgewald – wie der Forst ursprünglich hieß – in Morschenich-Alt „neue Geschichte geschrieben werden“, schreibt die Neuland Hambach GmbH. „Hier könnten Bürgerinnen und Bürger die Landschaft auf eigene Weise gestalten“. So könnte dort eine Oase für alle, mit Gemeinschaftsgarten, Obstwiese oder einem „langen Tisch der Region“ entstehen.

Große Teile des Hambacher Forst fielen dem Braunkohlebagger zum Opfer.

Zeitreise am neuen Riesensee in NRW: „Besonderer Ort“ soll Besucher ins alte Rom befördern

In Jülich würden den Vorschlägen der Verantwortlichen zur Folge „Sprünge in der Zeit“ möglich. An der Römerstraße im Stadtteil Stetternich soll die Geschichtsträchtigkeit des Ortes erlebbar gemacht werden. Es wird diskutiert, dort mittels Modulbauten ein eintrittspflichtiges Zeitreise-Angebot einzurichten. „Mittels Virtual Reality könnten Besuchende über die historische Via Belgica und die Sophienhöhe fliegen. Der Bürgewald würde wiederbelebt, marschierende römische Soldaten, Reitende und Kutschen könnten beobachtet werden“, heißt es von Neuland Hambach.

„Rückeroberung von Heimat“: Was die „besonderen Orte“ für das rheinische Revier bedeuten

Insgesamt wollen die Verantwortlichen mit dem Konzept der „besonderen Orte“ den landwirtschaftlichen Wandel in der Region und die „Rückeroberung von Heimat“ sichtbar und erlebbar machen, schreibt die Neuland Hambach GmbH. Um die Anwohner mit einzubinden, konnten Interessierte die einzelnen Vorschläge bis zum 7. November bewerten und eigene Ideen einbringen. Aktuell werden die Ergebnisse ausgewertet, damit diese im Anschluss in die abschließende Bearbeitung miteinfließen können. Am 29. November 2023 soll die Ausgestaltung der „besonderen Orte“ am Tagebau Hambach feststehen und öffentlich vorgestellt werden. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © RWE

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