VonMaximilian Gangschließen
Laut den Plänen von RWE wird es Jahrzehnte dauern, bis der Tagebausee Hambach vollgelaufen ist. Menschen sollen ihn aber schon früher nutzen können.
Hambach – Es braucht schon eine Menge Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass es hier jemals wieder Leben geben wird. Doch innerhalb der nächsten Jahrzehnte soll der Tagebau Hambach eine 180-Grad-Wende hinlegen. RWE will das gigantische Loch nach dem Braunkohleausstieg in NRW ab 2030 mit 4,3 Billionen Litern Wasser aus dem Rhein fluten – und so aus dem nichts den zweitgrößten See Deutschlands entstehen lassen. Ein solches Mammutprojekt braucht Zeit, laut dem Energiegiganten dauert die Fertigstellung viele Jahrzehnte. Doch für die Menschen soll das Gewässer schon sehr viel früher nutzbar sein.
Riesensee in NRW soll 2070 vollgelaufen sein – doch schon sehr viel früher kann man darin schwimmen
Bis 2070 soll der neue Riesensee, zu dem der Tagebau Hambach geformt werden soll, vollgelaufen sein, erklärt Boris Linden, Geschäftsführer der Neuland Hambach GmbH, im Podcast Revier.Geschichten. Das Gesprächsformat wird vom Projektträger Jülich im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen produziert und behandelt Themen rund um den Strukturwandel im Rheinischen Revier. 2070 höre sich erstmal wahnsinnig lang an, so Linden. „Aber, weil die Mulde eine Trichterform hat, geht es die ersten Jahre sehr schnell“.
Neuland Hambach GmbH
Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.
Bereits im Jahr 2040 soll die Wasserfläche sich auf 1.200 Hektar erstrecken. Von der späteren, deutschlandweiten Rekordtiefe von 360 Metern wird der See dann zwar noch ein Stück entfernt sein. Aber stellenweise soll er dann bereits bis zu 200 Meter tief sein, sagt Linden. Schon dann, so der Chef der Neuland Hambach GmbH, werde der See tatsächlich nutzbar sein, beispielsweise für Wassersportarten – und damit auch zum Schwimmen. „Wir planen jetzt die sicheren Seezugänge, damit diese wasserbezogene Nutzung dann auch stattfinden kann“.
Tagebau Hambach in NRW soll zu Riesensee werden – mit Wasser aus dem Rhein
Die Dauer der Füllphase des geplanten Hambachsees hängt zu großen Teilen von der Entnahmemenge aus dem Rhein ab. Um den Wasserstand in dem Fluss nicht allzu stark zu beeinflussen, wird immer nur eine geringe Menge abgepumpt. Die dafür benötigte Leitung hat der NRW-Braunkohleausschuss kürzlich beschlossen. Das Vorgehen ist derweil nicht unumstritten: In Dormagen, wo die Verbindung zwischen Rhein und Tagebau entspringen wird, führten die Umstände, unter denen der zweitgrößte See Deutschlands entstehen soll, für Streit.
Was hat RWE mit dem Tagebau Hambach vor?
Im und um den Tagebau Hambach – der 2018 durch die Räumung vom Hambacher Forst für Aufsehen sorgte – soll eine attraktive Wald-Seen-Landschaft entstehen, mit Badegewässer, Segelrevier und Erholungsgebiet. Die Flächen um das Gewässer könnten nach Vorstellung von RWE für Solaranlagen genutzt werden, um damit grünen Strom zu erzeugen. Auf dem See soll es schwimmende Fotovoltaikanlagen geben. Neben dem Tagebau Hambach sollen auch die Tagebauten Garzweiler und Inden in Seen umgewandelt werden. Schiffbare Kanäle könnten die Tagebauseen Inden und Hambach sogar verbinden.
Ab 2030, wenn in NRW Schluss ist mit der Braunkohlegewinnung, sollen deshalb drei unterirdische Rohre das Flusswasser vom Rhein im Dormagener Stadtteil Rheinfeld in das rund 26 Kilometer entfernte Grevenbroich-Frimmersdorf leiten. Dort befindet sich der Tagebau Garzweiler. Von dort soll das Wasser auf die Tagebauten Inden und Hambach weitergeleitet werden.
Doch für Zweifel bleibt den Verantwortlichen vor Ort keine Zeit. Das Areal des Tagebaus erstreckt sich auf 8.500 Hektar – das ist in etwa so groß wie die Stadt Düren. Auch für den Raum rund um das Riesenloch müssen für einen gelungenen Strukturwandel im Rheinischen Revier Pläne für neue Landschaften und Angebote für Anwohner und Touristen erdacht und umgesetzt werden. Im Gegensatz zu dem Riesensee, zu dessen Schaffung RWE verpflichtet ist, seien es die Kommunen, die einen Plan für das Umland des zukünftig zweitgrößten Sees Deutschlands entwickeln und diesen im Anschluss umsetzen, so Linden. Auch der Weiterbetrieb müsste durch die Orte gewährleistet werden.
So ist mit dem „Hambach Loop“ beispielsweise ein riesiger Radweg am Ufer des sich füllenden Sees geplant. Entlang der Strecke sollen verschiedene sogenannte „besondere Orte“ entstehen, wie Christina Brincker von der Neuland Hambach GmbH im Sommer im Gespräch mit 24RHEIN sagte. Eines davon ist eine sogenannte „Höllentreppe“, die auf die benachbarte Sophienhöhe führt. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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