Protest am Tagebau Garzweiler

Kampf um Lützerath: „Ich habe Angst, dass meine Freundinnen Gewalt erleben müssen“

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Der Zeitrahmen steht: Im Januar will die Polizei Lützerath räumen. Derweil wächst der Widerstand – und auch die Angst.

Erkelenz – Wann das Ende anfängt, steht schon fest. Um den 10. Januar herum will die Polizei mit der Räumung von Lützerath beginnen. Rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten besetzen den Ort, um das Dorf vor dem Abriss durch den Energiekonzern RWE zu bewahren. Schon jetzt stehen sich die Aktivisten und die Einsatzkräfte der Polizei in Lützerath gegenüber, es gab bereits erste Rangeleien und mehrere Festnahmen. Mit einem „Gesamteinsatz“ – Räumen und Roden in einem Aufwasch – wollte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) das Thema schnell vom Tisch bekommen. Doch so einfach, wie geplant, wird es wohl nicht.

So lebten die Bewohner von Lützerath: Zwischen Hippie-Kommune und Straßenkampf

Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben
Menschen mit Rucksack am Tagebau bei Lützerath
Viele reisen mit Rucksäcken an und wollen bleiben, um Lützerath zu verteidigen. Manche sind noch sehr jung, kaum volljährig. Aber es gibt hier auch Aktivisten jenseits der 60. © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Baumhäuser in Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Eine Frau hebt einen Graben in Lützerath aus
Zur Besetzer-Strategie gehört das Ausheben von Gräben. Täglich arbeiten die Aktivisten an Barrikaden.  © Peter Sieben
Ein gelbes X vor Lützerath
Das gelbe X ist das Symbol der Klimaaktivisten. Man findet es überall im besetzten Dorf.  © Peter Sieben
Ein großes gelbes X vor Lützerath
Das riesige Holzkreuz oder X-Symbol ist das Symbol der Kohlegegner und Klimaaktivisten. Ursprünglich nutzten es Demonstranten, die gegen die sogenannten Castortransporte protestierten, bei denen Atommüll in Endlager gebracht wurde.  © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Annenmaykantereit in Lützerath
Prominenter Besuch: Die Kölner Band AnnenMayKantereit spielte ein Konzert bei Lützerath.  © Peter Sieben
Annenmaykantereit in Lützerath
Die Band spielte unplugged, nur mit Gitarre und Melodica. Auf dem Gelände begegnet man auch abseits solcher Konzerte Musikern mit Akustikgitarren.  © Peter Sieben
Zwei Menschen mit einem Schild am Tagebaugelände bei Lützerath
Menschen aus umliegenden Städten und Dörfern reisten im Januar nach Lützerath.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Schild in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Lützerath liegt direkt an der Grenze zum Tagebau Garzweiler II. Rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten wollen den Ort gegen den Abriss verteidigen.  © Peter Sieben
Menschen auf Campingstühlen am Garzweiler-Gelände
Drüben auf dem Hügel: Im Januar kommen immer mehr Menschen in das besetzte Dorf am RWE-Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben
Zwei Menschen am Tagebau Garzweiler
Die Abbruchkante des Tagebaus ist inzwischen extrem instabil. © Peter Sieben
Eine Person sitzt auf einer Wiese vor dem Tagebau Garzweiler
Die Tagebaufläche an der Grenze zu Lützerath ist riesig. Das Gelände wurde einst landwirtschaftlich genutzt. © Peter Sieben
Menschen mit Fahnen am Tagebau Garzweiler
Beim AKtionstag im Januar kamen auch viele Menschen von außerhalb, die sich solidarisch mit den Besetzern zeigten.  © Peter Sieben
Karnevalsfigur von Armin Laschet in Lützerath
Eine alte Karnevalsfigur, die den Ex-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) darstellt. Inzwischen sind auch die Grünen nicht mehr wohlgelitten in Lützerath.  © Peter Sieben
Auto mit Graffiti in Lützerath
Ein buntes Schrottauto steht genau auf der Grenze zwischen dem Tagebau Garzweiler und Lützerath. © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Aktivisten errichten Barrikaden in Lützerath
Bauarbeiten in Lützerath. Das Errichten von Baumhäusern und Barrikaden haben sich die Aktivisten in Do-it-yourself-Manier beigebracht. Manche der Besetzer haben schon bei ähnlichen Aktionen wie im Hambacher Forst Erfahrungen gesammelt. © Peter Sieben
Schrottauto, das als Barrikade vor Lützerath dient
Der schrottreife Wagen stand lange Zeit auf der Straße zwischen Tagebau und Lützerath. Jetzt dient er als Barrikade.  © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Zwei Menschen vor dem Tagebau Garzweiler
Die Aktivisten hatten zu einem Dorfspaziergang am 8. Januar eingeladen. Viele Menschen kamen aus umliegenden Städten – und ganz Deutschland und aus Nachbarländern nach Lützerath. © Peter Sieben
Aktivisten heben Gräben in Lützerath aus
Die Besetzer und Helfer heben Gräben aus und errichten Barrikaden in Lützerath.  © Peter Sieben
Barrikaden vor Lützerath
Noch vor zwei Monaten war dieser Weg frei. Jetzt haben die Aktivisten Barrikaden errichtet, um die Räumung durch die Polizei zu verhindern oder zumindest zu erschweren.  © Peter Sieben
Menschen sitzen auf einem Wall am Tagebau Garzweiler
Ausharren am Tagebau Garzweiler: Dir Lützerath-Räumung steht unmittelbar bevor.  © Peter Sieben
Fläche am Tagebau Garzweiler
Das einstige Feld ist eine Schlammlandschaft.  © Peter Sieben
Protestierende in Lützerath
Protest gegen die Braunkohle: Zwischen Aktivisten und Polizei kommt es immer wieder auch zu Rangeleien.  © Peter Sieben
Polizeibusse in Lützerath an der Abbruchkante vom Tagebau Garzweiler
In Lützerath ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. © Peter Sieben
Polizei-Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath
Seit Anfang Januar gibt es immer wieder Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizisten. Mehrere Menschen wurde festgenommen und es gab Verletzte.  © Henning Kaiser/dpa

Lützerath-Besetzerin: „Wollen es der Polizei so schwer wie möglich machen“

Denn der Bürgermeister von Erkelenz, Stephan Muckel, stellte sich quer und weigerte sich, bei der Polizei Aachen um Vollzugshilfe zu bitten. Ein bürokratischer Akt, der für den Räumungseinsatz nötig ist. Eine entsprechende Weisung der Bezirksregierung Köln ignorierte die Stadt schlicht. Nun will der Kreis Heinsberg die Weisung umsetzen. Aber: Er habe „Bauchschmerzen bei der Entscheidung“, sagte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU).

Die Polizei bereitet sich derweil schon vor, auch Polizisten aus Köln werden wohl als Verstärkung bei der Lützerath-Räumung sein. Denn der Widerstand in Lützerath wird von Tag zu Tag deutlicher.

„Wir werden es der Polizei so schwer wie möglich machen, überhaupt ins Camp hineinzukommen. Wir werden Barrikaden errichten und möglichst hohe Hindernisse bauen, was es für die Polizei noch einmal besonders schwer macht“, sagt Aktivistin Mara Sauer, die im Besetzer-Camp von Lützerath lebt und Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“ ist. Schon jetzt stehen Bauzäune um das Camp, es gibt Gräben und viele der Aktivisten wohnen in Baumhäusern – die liegen teilweise so hoch, dass sie kaum zu erreichen sind. Eine Strategie, die sich bei den Besetzern offenbar schon im Hambacher Forst bewährt hat.

Lützerath vor der Räumung: Das ist bis jetzt passiert

Protestschil im Dorf Pesch aus dem Jahr 2006
In den 2000ern wurden mehrere Nachbardörfer von Lützerath abgerissen, wie etwa Pesch: Das Bild aus dem Jahr 2006 zeigt ein Protestschild am Ortseingang. Der Tagebaubetreiber hieß damals Rheinbraun – inzwischen ist das Unternehmen vollständig im Energiekonzern RWE aufgegangen.  © Oliver Berg/dpa
Abrissarbeiten in Lützerath
2006 begann die Umsiedlung: Viele der Einwohnerinnen und Einwohner zogen nach Immerath (neu). Im Lauf der Zeit wurden immer mehr Wohnhäuser in Lützerath abgerissen, so wie auf diesem Bild aus dem Jahr 2021 zu erkennen ist.  © David Young/dpa
Demonstration am Garzweiler Tagebau
Mehrfach gab es in den letzten Jahren Demos in Lützerath gegen den Kohleabbau und gegen den Abriss von Dörfern im Rheinischen Braunkohlerevier – so wie hier im Jahr 2020.  © David Young/dpa
Braunkohletagebau Garzweiler
An den Demos in Lützerath war immer wieder auch die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ beteiligt.  © Federico Gambarini/dpa
David Dresen aus Kuckum bei Lützerath
David Dresen aus Kuckum, einem Nachbarort von Lützerath, kämpft seit Jahren zusammen mit seiner Familie und der Initiative „Alle Dörfer bleiben“ für den Erhalt der Dörfer am Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bei einer Kundgebung in Lützerath.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. © David Young/dpa
Letzter Landwirt in Lützerath am Tagebau verkauft an RWE
Eckardt Heukamp war der letzte Landwirt von Lützerath. Er hatte sich lange juristisch dagegen gewehrt, seinen Hof verkaufen zu müssen. 2022 hat er Lützerath verlassen.  © Thomas Banneyer/dpa
Eckardt Heukamp auf seinem Hof.
Eckardt Heukamp auf seinem Hof. © IMAGO
Demonstration in Lützerath.
Demonstration in Lützerath. © Henning Kaiser/dpa
Tagebau Garzweiler vor Lützerath.
Tagebau Garzweiler vor Lützerath. © Action Pictures/IMAGO
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Protestcamp Lützerath, besetzte Gebäude.
Den Ort Lützerath haben inzwischen alle Bewohnerinnen und Bewohner verlassen müssen. Nun leben rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten dort, die die noch bestehenden Gebäude besetzt haben. © Jochen Tack/IMAGO
Lützerarh
Ein gelbes Kreuz ist das Symbol der Aktivisten in Lützerath  © Peter Sieben
Lützerather Wald.
Lützerather Wald. © Ralph Lueger/IMAGO
Baumhäuser in Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Schrottreifes bunt angemaltes Auto in Lützerath
Die Aktivistinnen und Aktivisten bereiten sich seit Monaten auf die bevorstehende Räumung von Lützerath vor: Überall gibt es Barrikaden – und an der Grenze zwischen Tagebau und Dorf steht dieses schrottreife Auto.  © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Eine Monopod-Konstruktion am Tagebau Garzweiler bei Lützerath
Der sogenannte Monopod an der Kante zum Tagebau Garzweiler II bei Lützerath. © Peter Sieben
Luisa Neubauer bei einer Demo gegen den Abriss von Lützerath.
Auch die Klimaaktivistin von Fridays For Future Luisa Neubauer war schon mehrfach in Lützerath. © Annette Riedl/dpa
Klimaaktivistin Luisa Neubauer sitzt am Tagebau Garzweiler
Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Lützerath am Tagebau Garzweiler. (Archivbild) © David Young/dpa
Ein brennender Heuballen auf der Straße bei Lützerath.
Brennender Heuballen in Lützerath. © Thomas Banneyer/dpa
Polizei-Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath
Die Besetzer zündeten Heuballen an und blockierten Zufahrtstraßen zu Lützerath.  © Henning Kaiser/dpa
Lützerath
Anfang Januar entfernte die Polizei Barrikaden der Besetzer in Lützerath.  © Rolf Vennenbernd/dpa
Aktivisten und Polizisten stehen sich in Lützerath gegenüber
Polizisten und Aktivisten stehen sich jetzt in Lützerath täglich gegenüber.  © Thomas Banneyer/dpa
Weltkugel mit gelbem Banner „Kohle stoppen“.
Für den 14. Januar haben Aktivistinnen und Aktivisten sowie Klimaverbände zu einer Demo in Lützerath aufgerufen – in der Hoffnung, die Räumung doch noch zu stoppen. © Roberto Pfeil/dpa

Lützerath-Räumung: Große Demo am 14. Januar geplant

Sicherheit gehe aber vor, betont Mara Sauer. „Bei uns im Camp kann man klettern lernen, damit in der Höhe nichts passiert.“ Bei aller Entschlossenheit: Je näher der Tag der Räumung rückt, desto größer wird das mulmige Gefühl im Camp. Die Erwartung: Ganz Deutschland blickt bald auf den winzigen Weiler am Tagebau Garzweiler II. Was wird passieren? Wer wird sich dem Protest anschließen? „Auf jeden Fall hat man auch Angst. Ich habe vor allem Angst davor, dass FreundInnen von mir Gewalt erleben müssen“, sagt Mara Sauer und nutzt beim Wort Freundinnen in der Mitte die Gender-Pause.

Die Räumung von Lützerath rückt näher. Im Camp der Aktivistinnen und Aktivisten wächst die Entschlossenheit, aber auch ein mulmiges Gefühl macht sich breit.

„Am wichtigsten ist es, sicherzustellen, dass es allen Menschen hier gut geht und keiner auf sich allein gestellt ist“, so die Aktivistin. Unterstützung erhoffen sie sich auch von anderen Initiativen, wie etwa von „Alle Dörfer bleiben“. Auch dort will man vor Ort protestieren, für den 14. Januar ist eine große Demo am Tagebau geplant. „Wer uns in Lützerath unterstützen möchte, sollte vor dem 14. Januar hier sein. Wir wissen nicht, ob man danach noch in den Ort hinein kann“, so Sauer. Denn dann könnte die Polizei Lützerath abriegeln, vielleicht auch schon ein paar Tage früher.

Ausweichcamp neben Lützerath für alle, die legal protestieren wollen

Ab Januar werde es zudem ein Ausweichcamp auf einem Sportplatz im benachbarten Keyenberg geben – für all jene, die gegen den Braunkohletagebau in NRW demonstrieren, aber auf der legalen Seite des Protests bleiben wollen. Denn: Grundsätzlich sei ziviler Ungehorsam ja nicht legal, sondern immer eine Gesetzesübertretung, so Andreas Müller von der Polizei Aachen. „Erst bei der Strafzumessung vor Gericht kann das eine Rolle spielen, wenn der Richter sieht: Okay, die Person hat die Straftaten nicht begangen, um jemandem konkret zu schaden. Für uns als Polizei ist es aber erst mal eine Straftat, die wir verfolgen müssen. Da haben wir keinen Handlungsspielraum“, so Müller.

Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus

Leerstehende Häuser in Dörfern bei Lützerath
Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer.  © Peter Sieben
Straße in Keyenberg
Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben
Leerstand in Keyenberg
Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben
Keyenberg bei Lützerath
In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen.  © Peter Sieben
Fenster eines Hauses in Keyenberg
Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg.  © Peter Sieben
Hausfassade in Keyenberg
Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben
Verlassene Häuser in Keyenberg
In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben
Leerstand in Kuckum
Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig.  © Peter Sieben
Überwuchertes Ladenschild
Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt.  © Peter Sieben
Verlassener Hof in Unterwestrich
Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben
Leere Straßein Keyenberg
Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen.  © Peter Sieben
Weihnachtsschmuck in Keyenberg
Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben
Schild gegen Diebe in einem Vorgarten
In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten.  © Peter Sieben
Gelbes Kreuz auf einer Mauer
Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler.  © Peter Sieben
Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath
Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt.  © Peter Sieben
Camp in Lützerath
Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler.  © Peter Sieben
Camp Lützerath
Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben
Baumhaus im Camp von Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Baumhaus in Lützerath
Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben
Hof in Lützerath
Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath
Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath.  © Peter Sieben
Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler
Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben

Polizei nimmt Ankündigungen ernst

Ankündigungen wie die des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ nehme man ernst, sagt der Polizeibeamte. Bei den Aktivisten hieß es zuletzt: „Wir werden um Lützerath kämpfen, wie wir den Hambacher Wald verteidigt haben. Wer Lützerath angreift, wird einen hohen Preis zahlen.“ Beim zivilen Ungehorsam gehe es in erster Linie darum, politische Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, so Müller. „Aber in der Vergangenheit hat man damit jedoch auch versucht, Straftaten zu legitimieren. Auch Gewaltstraftaten.“ 

Anders klingt das im Camp von Lützerath. „Wenn es in der Vergangenheit zu Verletzungen gekommen ist, lag das immer an der Polizei, die die Gefährdung von Menschenleben in Kauf nimmt“, behauptet Mara Sauer. Der Ton wird allmählich rauer, und man spricht alle paar Tage von neuen Eskalationsstufen: Etwa, als die Polizei am Nikolaustag im Camp auftaucht, in voller Montur mit Helm und Schutzschilden, um die Lage zu sondieren. Oder nachdem RWE Lützerath vom Stromnetz getrennt hat und das Camp bei eisigen Temperaturen nun ohne Heizöfen dasteht. Kurz darauf brannte es mehrmals im Tagebau Garzweiler, Unbekannte zündeten einen Trafo und einen Stromkasten an. Die Sachschäden waren hoch, heißt es vonseiten des Energiekonzerns. Eine Retourkutsche von Aktivisten? Das könne man nicht ausschließen, konkrete Hinweise gebe es aber nicht, heißt es bei der Polizei. Und im Camp weiß man von nichts.

Tagebau Garzweiler: Warum ganze Dörfer abgerissen werden

► 1983 entstand der Braunkohlentagebau Garzweiler als Zusammenschluss der schon existierenden Abbaufelder Frimmersdorf-Süd und Frimmersdorf-West. Der Energiekonzern RWE baut hier pro Jahr 35–40 Millionen Tonne Braunkohle ab.

► Die Braunkohle, die für die Energiegewinnung in Kohlekraftwerken verwendet wird, liegt manchmal auch unter Ortschaften. Wenn es zur Sicherung der Energieversorgung notwendig ist, müssen die Ortschaften weichen. Die Einwohner werden dann umgesiedelt, die Dörfer abgerissen.

► Die fünf Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath am Tagebau Garzweiler sollten auch zerstört werden. Doch im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen NRW-Landesregierung wurde beschlossen, dass die Orte stehen bleiben.

► Lützerath hingegen soll 2023 geräumt werden, so sieht es die Einigung zwischen den grün geführten Wirtschaftsministerien von Bund und Land auf der einen und RWE auf der anderen Seite vor.

Lützerath-Demonstranten sind „bürgerlicher geprägt“

Immerhin lautete die Einschätzung der Aachener Polizei noch vor wenigen Tagen: Mit Eskalationen wie im Hambacher Forst, wo Aktivisten und Polizisten immer wieder aneinandergeraten waren, müsse man in Lützerath eher nicht rechnen: „Im Vergleich zur Situation im Hambacher Forst sehen wir einen Unterschied in der Zusammensetzung der Protestgruppen. In Lützerath sind die Gruppen viel bürgerlicher geprägt“, sagt Andreas Müller.

Zuletzt hatten Klimaaktivisten in mehreren deutschen Städten für den Erhalt von Lützerath demonstriert. In Köln etwa kamen nach Angaben der Polizei rund 50 Teilnehmer zu einer Kundgebung zusammen. Weitere Aktionen und Infostände gab es unter anderem in Berlin, Dresden, Göttingen, Heidelberg, Oberhausen und Stuttgart. (pen) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Peter Sieben

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