Polizei vor Ort

Nazivorwürfe im Wahlkampf: Proteste an AfD-Stand – Basis-Partei sagt Filmvorführung ab

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Die Polizei überwachte am Samstag mit großem Aufgebot den AfD-Pavillon, neben dem sich die Antifa positioniert hatte.
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Nach Nazivorwürfen hat die Basis-Partei die Vorführung eines Corona-Films in Lüdenscheid abgesagt. Am Wahlstand der AfD kam es indes zu Antifa-Protesten.

Lüdenscheid – Der Wahlkampf ist längst in eine entscheidende Phase eingetreten. Aber der Wahlkampf im Jahr 2025 ist nicht nur aufgrund der Jahreszeit ein anderer: Die Positionen sind unversöhnlicher, er wird härter geführt. Auch in Lüdenscheid. Am Samstag besuchte auch die Sonne ausnahmsweise die Wahlstände der Parteien rund um den Brunnen am Sternplatz. Die Stadt war gut besucht, Markttag eben. Ein guter Tag für Wahlkämpfer. Aber nicht für alle.

Nazivorwürfe im Wahlkampf: Proteste an AfD-Stand – Basis-Partei sagt Filmvorführung ab

Neben SPD, CDU, FDP, Grünen und Linken hatte auch die Partei Volt ihren Stand aufgebaut, aber eben auch erstmals die AfD einen Pavillon. Und neben dem AfD-Pavillon fehlte auch die „Antifaschistische Aktion“ nicht, die gegen die AfD mobil machte. Mit großen Fahnen, aber eben auch mit ins Gesicht gezogenen Schals, um anonym zu bleiben.

Weil diese Konstellation zumeist nichts Gutes verheißt, kam dann auch noch die Polizei mit sechs Mannschaftswagen hinzu und überwachte, dass es gesittet abging. Der AfD sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, den Stand an falscher Stelle aufgebaut zu haben. Letztlich blieb er aber dort und die Polizei behielt alles unter Kontrolle. Der Wahlkampf nahm seinen Lauf.

Am Abend zuvor war das nicht gelungen. „Nur ein Piks“ heißt der Film, der am Freitagabend in einer Lüdenscheider Gaststätte gezeigt werden sollte. Eigentlich war die Filmvorführung in Bergneustadt geplant gewesen. Dort indes hatten die Veranstalter vergangene Woche eine Absage erhalten. So kam die Anfrage an die Verantwortlichen der Basis-Partei in Lüdenscheid. Deren Kreisvorsitzende Francoise Hempel fragte an drei Stellen an und erhielt positive Rückmeldungen, entschied sich für eine Gaststätte, deren Namen sie nach den Ereignissen des Freitags nicht öffentlich machen möchte. Ganz einfach, um die Gaststätte zu schützen.

„Naziveranstaltung“: Vorführung von Dokumentarfilm zu Corona-Folgen abgesagt

„Nur ein Piks“ ist ein Dokumentarfilm von Mario Nieswandt. Nieswandt besuchte Menschen, die nach eigener Darstellung Schaden durch die Corona-Impfung genommen haben. Die Basis-Partei ist in der Corona-Zeit entstanden als Sammelbecken kritischer Stimmen gegen die Corona-Politik. Dieser Film arbeitet das Impfthema kritisch auf. Hempel plante ein gemeinsames Essen der Gäste, danach die Filmvorführung und anschließend eine Diskussion zum Thema. Wahlkampf mit 110 Gästen, der Saal sei ausgebucht gewesen, erklärt Hempel.

Mit Fahnen wurde auf dem Sternplatz gegen die AfD demonstriert.

Doch am Freitag sagten die Wirtsleute Hempel dann kurzfristig ab. Sie hatten eine Reihe von Anrufen erhalten, teils von Stammkunden, zumeist aber anonym. Der Vorwurf: Sie würden eine „Naziveranstaltung“ beherbergen. Sie machten sich Sorgen und zogen sich zurück. „Es hat mich sehr betroffen gemacht“, sagt die Basis-Politikerin und meint damit nicht die Reaktion der Wirtsleute. Hempel selbst hat zur Hälfte kanadische Wurzeln, sie arbeitet täglich an einer Lüdenscheider Grundschule in einem sozial schwächeren Stadtteil mit überwiegend Kindern mit Migrationshintergrund. In die Nazi-Ecke gestellt zu werden, das hat ihr weh getan.

An einem streng geheimen Ort: Film wurde stattdessen in Bergneustadt gezeigt

Die Filmvorführung jedenfalls wurde abgesagt, Hempel ging mit zehn Freunden trotzdem im Lokal essen, überreichte der Wirtin für die Unannehmlichkeiten einen Blumenstrauß – und sah sich dann der Situation ausgesetzt, dass vor dem Lokal 25 bis 30 junge Menschen Einlass begehrten, die Hempel nach äußerem Anschein der Antifa zuordnet. „Es ist nichts passiert, es war ja niemand da, sie haben nur ihre Aufkleber verteilt“, sagt die Basis-Chefin, „aber es war ein beklemmendes Gefühl für mich.“

Der Film übrigens wurde trotzdem gezeigt: In Bergneustadt hatte die Partei einen neuen Ort aufgetan. „Die Gäste sind zu einem Treffpunkt eingeladen worden und wurden von dort zum Veranstaltungsort geleitet, der streng geheim gehalten worden war“, erzählt Hempel und ist noch immer fassungslos, dass die Dinge so gelaufen sind, vor allem aber wegen des Nazi-Vorwurfs.

„‚Die Basis‘ wurde 2020 im Umfeld der Proteste gegen die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie gegründet. Sie spricht sich unter anderem gegen eine Digitalisierung des Gesundheitssystems aus. ‚Die Basis‘ fordert zudem die Inbetriebnahme von ‚Nord Stream 2‘ und Volksentscheide auf allen Ebenen.“ Dies ist keine eigene Parteiwerbung, sondern die Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Wahl-O-Mat-Angebots zur Bundestagswahl. Daraus einen Nazi-Zusammenhang zu konstruieren, scheint zumindest nicht naheliegend.

In den vergangenen Wochen kam es im Märkischen Kreis immer wieder zu Angriffen auf Wahlplakate. Während in der Bergstadt etwa die SPD eines der Hauptopfer war, wurden in Schalksmühle nahezu alle Großflächenplakate von CDU und FDP entfernt. Auch in Kierspe wurden kürzlich Wahlplakate zerstört – durch Wind und Vandalismus.

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