Einst Zentrum der Eisenproduktion

Älteste Eisenhütte des Ruhrgebiets liegt in Oberhausen

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Die St. Antony-Hütte, einst Zentrum der Eisenproduktion, ist heute ein Museum, das von der Geschichte der Ruhrindustrie erzählt.

Oberhausen – Man könnte sagen, auf der St. Antony-Hütte fing alles an. Im Norden von Oberhausen an der Grenze zu Bottrop (NRW) liegt die älteste Eisenhütte des Ruhrgebiets. Ende des 18. Jahrhunderts lief dort der erste Hochofen. Damit begann eine Geschichte, die alles mit sich bringt, was ein historisches Drama braucht: aufgebrachte Nonnen, Streit um ein Erbe und ein milliardenschweres Geschäft. Heute ist der Ort ein Museum und ein beliebtes Ausflugsziel, ähnlich wie die Henrichshütte in Hattingen.

Oberhausen: Erste Eisenhütte des Ruhrgebiets entstand Mitte des 18. Jahrhunderts

Alles begann mit einer Entdeckung und einem langen Namen. Franz Ferdinand Lambert Nicolaus Freiherr von der Wenge zu Enckingmühlen und Dieck war zu Beginn der 1740er Jahre Domkapitular in Münster. Er unterstützte also den damaligen Bischof. Offensichtlich kannte er sich auch mit dem Vorkommen von Eisenstein aus, das er in Oberhausen-Osterfeld entdeckt hatte. 1741 stellte er nämlich beim Bischof einen Antrag, das Eisen abbauen zu dürfen. Zwölf Jahre später bekam er die Konzession zum Bau einer Eisenhütte. Doch von der Wenge musste noch länger warten, bis der Hochofen in Betrieb gehen konnte. Denn da waren noch die Nonnen vom Zisterzienserkloster, das bachabwärts vom Elpenbach lag. Die hatten Sorge um ihre Fischzucht und dagegen geklagt, dass die Hütte in Betrieb gehen sollte. Letztendlich erfolglos: Am 18. Oktober 1758 lief der Hochofen zum ersten Mal. Damit gilt St. Antony als „Wiege der Ruhrindustrie“, wie es bei der Touristenauskunft zur Route der Industriekultur heißt.

St. Antony Hütte in Oberhausen ist heute ein Museum

Adresse: LVR-Museum, St. Antony-Hütte, Antoniestraße 32-34, 46119 Oberhausen

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen.

►Den Eintritt für das Museum und den archäologischen Park gibt es im Kombi-Ticket für 5,50 Euro für Erwachsene. Der ermäßigte Preis etwa für Studierende, Schwerbehinderte und Arbeitslose liegt bei 4,50 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

►Die Anfahrt über den ÖPNV erfolgt mit der Oberhausener Buslinie 961. Das Museum liegt an der Haltestelle Antony-Hütte.

►Relikte aus der Zeit der Schwerindustrie gibt es im Ruhrgebiet einige. Viele davon sind ehemalige Arbeitersiedlungen, die heute durch ihren besonderen Charme bestechen. Da wäre etwa der Klapheckenhof, eine der ältesten Arbeitersiedlungen in Gelsenkirchen. Neben der ältesten Eisenhütte des Ruhrgebiets liegt in Oberhausen auch die älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets: die Siedlung Eisenheim.

Das Museumsgebäude der St. Antony Hütte – hier wohnte früher der Hüttendirektor

120 Jahre sollte St. Antony in Betrieb sein – allerdings nicht ohne weitere Vorkommnisse. Dreißig Jahre nachdem der Hochofen zum ersten Mal angefacht wurde, starb von der Wenge. Wie es auf der Website des Museums zur Eisenhütte heißt, gab es gleich mehrere Parteien, die einen Anspruch auf die Hütte anmeldeten und mit den Erben verhandelten. Da war etwa Eberhard Pfandhöfer aus Sterkrade, der dort die hoch verschuldete Gute Hoffnung-Hütte betrieb. Auch Maria Kunigunde von Sachsen, die Fürstäbtissin von Essen und ihr Hüttenleiter Gottlob Jacobi wollten St. Antony übernehmen. Laut Touristenauskunft zur Route der Industriekultur setzte sich Jacobi letzten Endes „mit Waffengewalt“ durch. Er modernisierte die Hütte und machte aus ihr einen rentablen Betrieb.

St. Antony Hütte war Ausgangsort für den milliardenschweren MAN-Konzern

Anfang des 19. Jahrhunderts kam dann eine Kooperation zustande, deren Auswirkungen noch heute den Weltmarkt beeinflussen. Die Hüttengewerkschaft Jacobi schloss sich mit den Unternehmern Franz Haniel und Heinrich Arnold Huyssen zusammen, die jeweils eigene Hütten betrieben. Laut Landschaftsverband Rheinland (LVR), der das Museum betreibt, ist die Hütte damit nicht nur die Geburtsstätte der Ruhrindustrie, „sondern auch Wiege des späteren Weltkonzerns Gutehoffnungshütte (GHH) und damit des MAN-Konzerns, der heute modernste Lkw und Busse, Schiffsmotoren und Turbinen für den Weltmarkt produziert.“

An der St. Antony Hütte gibt es ein Museum und eine archäologische Ausgrabungsstätte.

Damit hatte St. Antony seinen Dienst getan. Der Hochofen erlosch im Jahr 1843, die Gießerei wurde 34 Jahre später stillgelegt, berichtet der Regionalverband Ruhr. Stehen blieb nur das Wohnhaus des Hüttendirektors, das 2004 vom LVR gekauft und zum Museum ausgebaut wurde. Seit 2008 können Interessierte nun das Haus, in dem Gottlob Jacobi mit seiner Frau wohnte, besuchen. In dem heutigen Museum sind Alltagsgegenstände aus der Zeit zu sehen, als die Hütte noch in Betrieb war. Dabei lernen Besucher zudem mehr über die Eisenproduktion.

Überreste der ursprünglichen St. Antony Hütte sind auf archäologischen Ausgrabungsfläche des Museum zu sehen.

Regelmäßig gibt es Führungen, wo ein Mensch, verkleidet als Gottlob Jacobi, über das Gelände führt und von der Geschichte von St. Antony erzählt. Deren Überreste sehen Besucher außerdem in dem industriearchäologischen Park des LVR, der an das Museum angebunden ist. Auf rund 1000 Quadratmetern wurden Überreste des alten Hüttenwerks freigelegt. Dabei kamen Mauerreste, Fundamente und Teile der Produktionsstätte von St. Antony zutage. Laut LVR sind dort die Ursprünge der Eisenindustrie zu sehen. Besucher erfahren dabei „so manches Geheimnis über die Wiege der Ruhrindustrie.“ (ebu)

Rubriklistenbild: © blickwinkel/imago

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