VonMaximilian Gangschließen
Franky van Hintum hat Dramatisches erlebt, als er im ukrainischen Kramatorsk in einen Raketenangriff geriet. Dennoch fährt er bald wieder dort hin.
Gelsenkirchen – Normalerweise steht der Imbisswagen von Franky van Hintum auf dem Feierabendmarkt in Gelsenkirchen-Buer (NRW). Doch seit der russischen Invasion in die Ukraine ist vieles nicht mehr normal. Seit März 2022 reist der Niederländer gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Coen von Oosten regelmäßig in das Kriegsgebiet, um dort Pommes, Snacks und ein klein wenig Freude an die notleidenden Menschen zu verschenken. Die Schrecken des Krieges erlebten die Niederländer bei ihrem letzten Besuch hautnah – sie gerieten in einen tödlichen Raketenangriff. Bald kehren die Helfer zu der Unglücksstelle zurück.
Pommes-Franky überlebt Raketen-Angriff in der Ukraine knapp – und reist nochmal ins Kriegsgebiet
13 Menschen starben, als die Iskander-Rakete am 27. Juni 2023 in das belebte Restaurant Ria in der Stadt Kramatorsk im Osten der Ukraine einschlug. Unter ihnen seien auch viele junge Menschen gewesen, beispielsweise habe eine 14-jährige Kellnerin den Angriff nicht überlebt, sagte van Hintum kürzlich im Gespräch mit wa.de. Der Niederländer schilderte dramatische Szenen, die sich nach dem Einschlag in dem Lokal abspielten: „Ein Großteil des Daches stürzte ein. Betonstücke flogen durch die Luft. Es gab viel Geschrei, auf der rechten Seite war Feuer“. Von dem einst beliebten Restaurant blieb bloß‘eine Ruine übrig.
Sie hatten großes Glück, nicht selbst unter den Trümmerteilen begraben zu werden, erzählen er und Coen von Oosten: Genau in dem Bereich, in dem sie saßen, stürzte das Dach des Lokals nicht ein.
Für viele Menschen wäre es deshalb nachvollziehbar, wenn die Imbissbetreiber ihre Hilfsmission abbrechen und nicht wieder in das Frontgebiet im Ukraine-Krieg reisen würden. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie van Hintum erklärte: Ihre nächste, die 13. Reise ist bereits geplant.
Nach Raketen-Angriff in der Ukraine: Pommes-Franky kehrt zum Ort des Unglücks zurück
Am 6. Oktober starten die Niederländer ihre nächste Hilfsaktion in der Ukraine. „Insgesamt werden wir vier Wochen unterwegs sein“, so van Hintum. Für die Imbisswagenbetreiber geht es dabei auch zurück an den Ort, an dem sie noch vor wenigen Wochen fast ihr Leben verloren hätten. „In Kramatorsk werden wir Blumen am Restaurant Ria niederlegen“. Nach dem Raketenangriff haben die Menschen vor Ort eine Gedenkstätte für die Opfer eingerichtet, Bilder der Opfer zeigen junge Männer und Frauen. Für einige der Überlebenden sowie deren Angehörigen sei etwas „Besonderes“ geplant, versprach van Hintum.
Nur mit schusssicherer Weste: Pommes-Franky berichtet von Hilfsaktion nahe der Frontlinie
Neben Kramatorsk besuchen die Helfer auch viele weitere Städte in der Ukraine, teilweise nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt. So geht es für die Niederländer beispielsweise erneut in das umkämpfte Cherson. „Als wir das letzte Mal dort waren, durften wir nur in kugelsicheren Westen kochen“, erzählt van Hintum. „Wir haben dort von unseren Gästen sehr viel persönliches Leid gehört und wir befürchten, dass es dieses Mal nicht anders sein wird“. Pro Tag verschenkten die Imbissbetreiber bei ihrem letzten Besuch fast 2.000 Portionen Pommes und ebenso viele Snacks an die Menschen.
Für die Helfer geht es zudem auch in die südukrainische Stadt Mykolajiw. Dort befinden sich aktuell viele Menschen aus Cherson, die angesichts der Bedrohung in ihrem Heimatort dorthin geflüchtet sind. Doch in Sicherheit sind sie auch dort nicht: Mykolajiw hat zuletzt viele Angriffe mit Raketen oder Drohnen erlebt. „Dort wird also dringend Hilfe benötigt“. Und bei ihrem baldigen Besuch soll die Hilfe über das Verschenken von Essen hinausgehen: „Wir wollen versuchen, Menschen mit persönlichen Problemen zu helfen und ihren Schmerz zu lindern“. Im Dezember wollen die beiden Niederländer zudem eine besondere Weihnachtsaktion für die kriegsgeplagten Ukrainerinnen und Ukrainer durchführen. (mg)
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