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Weit über 25 Zentimeter Schnee waren es am Donnerstag im Warsteiner Stadtgebiet. Nun ziehen Polizei, Feuerwehr und Winterdienst Bilanz – und blicken auf die kommenden Tage.
Warstein - Der Gelenkbus, der nur mit Abschlepphilfe, jeder Menge Streusalz und im Schneckentempo am Donnerstagnachmittag die Suttroper Kreisstraße hinauf kam, stand noch am Freitagvormittag nur einige einhundert Meter weiter im Suttroper Ortszentrum. Geparkt am Straßenrand, von Schnee bedeckt, während die Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet inzwischen von Schnee und Eis befreit und bestens befahrbar waren. Weit über 25 Zentimeter Schnee waren es, die sich seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag über Warstein gelegt hatten und zwischenzeitlich für mehrere Verkehrsprobleme sorgten. Insbesondere in den Nachmittagsstunden.
Die RLG stellte den Busverkehr am Donnerstag komplett ein, startete am Freitag mit kleineren Einschränkungen wieder durch. Der Winterdienst des städtischen Betriebshofes war, wie am Donnerstag auch, am Freitag ab 3.30 Uhr auf der Straße. „Alles, was Schippe oder Schaufel in die Hand nehmen konnte, war unterwegs“, schilderte Betriebshofleiter Ingo Schaup. Aufgrund des ergiebigen Schneefalls habe man sich am Donnerstag vor allem um die Hauptverkehrsstraßen und beispielsweise die Zufahrt zum Krankenhaus Maria Hilf kümmern müssen, am Freitag wurde „nachgeräumt, was am Donnerstag nicht geschafft wurde“.
Radweg im Möhnetal vorerst gesperrt
Beschwerden habe es am Donnerstag einige gegeben, „aber es können auch nicht mehr Leute arbeiten, als wir haben“, so Schaup. Von 3.30 Uhr bis nach 20 Uhr sei geschoben worden. Und: Feststeckende Lkw und parkende Pkw hätten die Räumfahrzeuge teilweise stark in ihrer Arbeit behindert. Einige Schäden durch den Schneefall werden erst in der kommenden Woche abgearbeitet, beispielsweise seien einige Bäume auf den Radweg zwischen Sichtigvor und Allagen gestürzt, der deshalb gesperrt ist.
Auf der B 516 zwischen Belecke und Rüthen fielen innerhalb von weniger als einer Stunde gleich vier Bäume auf die Straße und mussten durch die Kräfte der Feuerwehr beseitigt werden, gleiches taten die Suttroper Kameraden um 19.35 Uhr. Die Löschgruppe Allagen sperrte aufgrund von Schneemassen und Verkehrsproblemen um 16.30 Uhr die L 856 in Richtung Soest. Auch im Gerätehaus des Löschzuges Warstein wurden am Nachmittag die Schneeketten aufgezogen, dort wurde zudem ein Rettungswagen stationiert, der bei Einsatzfahrten durch ein Feuerwehrfahrzeug unterstützt werden sollte, um sich einen Weg durch den Schnee zu bahnen.
Vermisstensuche in Niederbergheim
Gegen 17.15 Uhr am Donnerstag meldete eine Mutter aus Niederbergheim ihren Sohn als vermisst. Schnell ließen Polizei und Feuerwehr eine große Suchaktion anrollen. Doch dann konnten alle aufatmen. Weil der Schulbus ausfiel, war der 11-jährige Junge am Nachmittag von der Sekundarschule in Richtung Heimat losgelaufen, die Strecke knapp zehn Kilometer lang. Weil er kein Handy dabei hatte, war er nicht erreichbar. Und die Familie schnell in Sorge. Die Einsatzkräfte hatten sich bereits auf einen aufwändigen Einsatz eingestellt, da meldete sich gegen 18 Uhr laut Polizeiangaben die Schwester eines Freundes des vermissten Jungen. „Der Vermisste wurde von der Schwester eines Freundes in Allagen wohlbehalten angetroffen und nach Hause gefahren“, schilderte der Polizeisprecher.
Für die kommenden Tage hat die Feuerwehr abschließend den Rat, die heimischen Wälder zu meiden – „auch wenn viele dort gerne im Schnee spazieren gehen“, so Feuerwehrpressesprecher Carsten Lehmann. Allerdings bestehe weiterhin die Gefahr, dass Bäume und Äste aufgrund der Schneelast abbrechen oder umstürzen.
Lkw-Fahrer schlief in Kabine
Auch die Polizei in Person von Pressesprecher Marco Baffa-Scinelli appelliert, sich auch weiter vorsichtig im Straßenverkehr zu bewegen, hat aber auch ein Lob für die Verkehrsteilnehmer: „Bislang haben sich die Leute sehr besonnen verhalten, haben sich auch an den Rat gehalten, im Zweifel das Auto stehenzulassen.“ Man habe am Donnerstag gemerkt, dass deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs gewesen seien. Das habe beispielsweise im Warsteiner Stadtgebiet auch zu der vergleichsweise geringen Unfallzahl geführt: Elf mal krachte es, Verletzte gab es aber keine: „Wir gehen auch mit Blick auf das Wochenende davon aus, dass die Leute jetzt Bescheid wissen, wie sie sich zu verhalten haben.“
Für viele Lkw-Fahrer dürfte der zurückliegende Donnerstag zu den herausforderndsten Tagen ihrer Brummi-Karriere zählen: Auch Klaus Böttcher aus Wermelskirchen musste am frühen Abend erkennen, dass er ein Problem hatte: Er hatte gerade beim Kunden in Allagen abgeliefert und nahm Kurs auf die nächste Station in Hamm. Doch auf der Kreisstraße zwischen Warstein-Westendorf und Möhnesee-Brüllingsen war die Tour beendet. Die K 28 war komplett zugeschneit. Der Lkw rutschte gefährlich nah an den Straßengraben.
Böttcher rief seinen Chef an: „Der sagte, ich soll nicht weiterfahren. Nicht, dass der Lkw sich querstellt oder 100 000 Euro im Graben landen. Aus, Ende“, berichtete er im Anzeiger-Gespräch gegen 21 Uhr am Donnerstagabend. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 56-Jährige es sich in seiner beheizten Kabine schon gemütlich gemacht und die Füße hochgelegt. Er nahm sein Schicksal tiefenentspannt hin. Am Freitagmorgen um 5 Uhr sollte die Tour Richtung Hamm dann weitergehen.



