VonEva Burghardtschließen
Immer wieder kontrollieren die Behörden in Gelsenkirchen sogenannte Problemimmobilien. Eine kürzliche Entdeckung ist besonders erschreckend.
Gelsenkirchen – Dass die Behörden bei ihren Kontrollen von Problemwohnungen in Gelsenkirchen (NRW) auf Schimmel, Müll oder anderen Unrat stoßen, ist nicht ungewöhnlich. Erst vor wenigen Wochen waren bei einer solchen Kontrolle sogar Kakerlaken gefunden worden. Jetzt entdeckte das Spezialteam wieder einmal eine vermüllte Wohnung – doch diesmal wohnten darin Kleinkinder und eine schwangere Frau.
Spezialteam der Stadt durchsucht in Gelsenkirchen Wohnungen
Alle paar Wochen durchsucht das Interventionsteam EU Ost in Gelsenkirchen Wohnungen auf ihren Zustand. Das Team setzt sich dabei aus unterschiedlichen Abteilungen der Stadt zusammen. Je nach Situation der Wohnung ist dann die richtige Ansprechperson direkt dabei.
Am Donnerstag (7. März) war es wieder so weit. Da durchsuchten Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes, des Verkehrsüberwachungsdienstes, der Stadtplanung und der Bauordnung gemeinsam mit dem Jobcenter Gelsenkirchen und der Polizei rund 20 Wohnungen. Die lagen an der Bickernstraße, der Heidelberger Straße, der Grillostraße und der Straße Auf dem Graskamp. In Gelsenkirchen gibt es einige sogenannte Problemimmobilien, wo Menschen unter prekären Umständen leben.
So entstand das Interventionsteam EU Ost in Gelsenkirchen
► Geschaffen wurde das Interventionsteam EU Ost in Folge der verstärkten Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien nach Gelsenkirchen, die im Rahmen der EU-Osterweiterungen im Jahr 2007 stattfand.
►Das Team kontrolliert seit Jahren Wohnungen, sogenannte Schrotthäuser und deren Bewohner unter anderem auf Verstöße gegen das Melderecht, den Verdacht auf den Missbrauch von Sozialleistungen oder auf Verstöße gegen das Verkehrsrecht.
►Dabei arbeiten das Ordnungsamt, Vertreter der Stadt, der Verkehrsüberwachungsdienst, Menschen von der Baubehörde und dem Jobcenter, die Polizei und Vertreter von der Emscher-Lippe-Energie zusammen, um auf die Verstöße vor Ort direkt reagieren zu können.
Behörden treffen Schwangere und Kleinkinder in vermüllter Wohnung an
Bei der jüngsten Kontrolle entdeckten die Team-Mitglieder eine „stark verwahrloste Wohnung“, wie die Stadt Gelsenkirchen berichtet. „Die Räume waren vermüllt, und in ihnen fanden sich zum Teil verdorbene Essensreste.“ Besonders unschön daran: All diese Räume waren auch für die Kleinkinder zugänglich, die in der Wohnung gemeinsam mit ihrer schwangeren Mutter wohnten.
Wie das Umweltbundesamt mitteilt, können Schadstoffe, die von werdenden Müttern aufgenommen werden, zu einer Belastung des ungeborenen Kindes werden. Die Stadt Gelsenkirchen ergreift in dem Fall jetzt Maßnahmen. So werden Mitarbeiter des Referat Soziales die Familie demnächst aufsuchen. Wie die Stadt mitteilt, steht der Verdacht der Kindeswohlgefährdung im Raum. In einer anderen Wohnung traf das Team außerdem auf ein Kind, das offenkundig seiner Schulpflicht nicht nachkam. „Es wurde umgehend zur Schule begleitet.“
Sozialleistungsbetrug und fehlende Feinstaubplaketten
Bei seiner Kontrolle deckte das Team außerdem Fälle von Sozialleistungsmissbrauch auf. In einem Fall soll jetzt ein Antrag auf Sozialleistungen zurückgewiesen werden, „da es hier erhebliche Zweifel an der Bedürftigkeit gibt“, berichtet die Stadt. Sieben Menschen wurden zudem von Amts wegen abgemeldet und können nun keine kommunalen Leistungen mehr beziehen.
Dass die Behörden auch bauliche Mängel und Schimmelbefall entdecken, gehört schon fast zum Standard-Programm solcher Kontrollen. So auch dieses Mal. Zudem dürfen drei der 20 Wohnungen jetzt nicht mehr benutzt werden, weil es dort illegale An- und Umbauten gab. Einen Haufen voller Bauschutt meldeten die Behörden außerdem an das Referat für Umwelt. Zudem gab es knapp 20 Bußgelder wegen fehlender oder fehlerhafter Feinstaubplaketten. Zwei Fahrzeuge an den betroffenen Straßen wurden außerdem abgeschleppt. (ebu)
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