VonEva Burghardtschließen
Eine Großkontrolle in Gelsenkirchen fördert erschreckende Zustände zutage. Neben Sozialbetrug stießen die Behörden auf Baumängel und Kakerlaken.
Gelsenkirchen – Kakerlaken in der Wohnung, illegale Anbauten und Sozialleistungsbetrug: In Gelsenkirchen (NRW) hat ein Spezialteam der Stadt Wohnungen durchsucht und dabei etliche Verstöße festgestellt. Erst vor wenigen Wochen waren bei einer Kontrolle kaputte Fenster und Schimmel entdeckt worden.
Spezialteam durchsucht in Gelsenkirchen insgesamt 20 Wohnungen
Immer wieder überprüft in Gelsenkirchen ein Team aus Mitarbeitern verschiedener Behörden, das sogenannte Interventionsteam EU Ost Wohnungen. Mit dabei waren am Donnerstag, 22. Februar, Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes, des Verkehrsüberwachungsdienstes, der Stadtplanung, der Bauordnung, des Jobcenters und der Polizei.
Wie entstand das Interventionsteam EU Ost in Gelsenkirchen?
► Geschaffen wurde das Interventionsteam EU Ost in Folge der verstärkten Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien nach Gelsenkirchen, die im Rahmen der EU-Osterweiterungen im Jahr 2007 stattfand.
►Das Team kontrolliert seit Jahren Wohnungen, sogenannte Schrotthäuser und deren Bewohner unter anderem auf Verstöße gegen das Melderecht, den Verdacht auf den Missbrauch von Sozialleistungen oder auf Verstöße gegen das Verkehrsrecht.
►Dabei arbeiten das Ordnungsamt, Vertreter der Stadt, der Verkehrsüberwachungsdienst, Menschen von der Baubehörde und dem Jobcenter, die Polizei und Vertreter von der Emscher-Lippe-Energie zusammen, um auf die Verstöße vor Ort direkt reagieren zu können.
Wie die Stadt berichtet, durchsuchte das Team insgesamt 20 Wohnungen an der Ückendorfer Straße, der Braunschweiger Straße und der Terkampstraße. Bei solchen Kontrollen entdecken die Behörden immer wieder Personen, die nicht sachgemäß bei der Stadt gemeldet sind. Dieses Mal betraf das gleich 59 Menschen. Sie wurden abgemeldet und „sind damit vom Bezug kommunaler Leistungen durch die Stadt Gelsenkirchen ausgeschlossen“, heißt es in einer Mitteilung.
Behörden stoßen auf Kakerlaken, Baumängel und Sozialleistungsbetrug
Unter anderem deckten die Behörden einen Missbrauch von Sozialleistungen in Höhe von 3000 Euro. In den Wohnungen trafen sie außerdem auf ein elf Jahre altes Kind, das der Schulpflicht nicht nachkommt. Das Spezialteam informierte die Schulaufsicht und das Ordnungsamt.
Bei der Kontrolle der Wohnungen stellte sich auch heraus, dass einige von ihnen erhebliche Baumängel aufwiesen, so fehlte etwa eine Absturzsicherung in einem Treppenhaus und Beleuchtungen waren defekt. Welcher solcher Feststellungen leitete die zuständige Behörde sechs Verfahren ein. Der Vermieter muss die Mängel jetzt beseitigen.
Zudem entdeckte das Spezialteam einen illegalen Anbau, der abgerissen werden muss. Auch ein umgebautes Dachgeschoss, in dem illegalerweise Menschen wohnten, darf nicht mehr benutzt werden. In einer Wohnung entdeckten die Behörden außer dem Kakerlaken. In Gelsenkirchen und im übrigen Ruhrgebiet gibt es einige sogenannter Problemimmobilien, wo Menschen unter teils prekären Umständen wohnen. Die Stadt Herne war dagegen zuletzt vorgegangen: Dort werden nun einige solcher Immobilien saniert.
Polizei muss bei Kontrolle eingreifen
Neben Schädlingsbefall und Baumängel erscheinen fehlende Feinstaubplaketten, die der Verkehrsüberwachungsdienst im Umfeld der Wohnungen in Gelsenkirchen feststellte, vergleichsweise harmlos. Sechs Bußgelder stellten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Zwei Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden, weil der Versicherungsschutz fehlte. Die Polizei musste den das Team zeitweisen bei den Maßnahmen unterstützen. (ebu)
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