- VonMichael Dörlemannschließen
Lachgas ist zu einer Modedroge geworden. Das Gas ist für Konsumenten gefährlich, die Kartuschen sind es auch für die Mitarbeiter der MVA Hamm.
Hamm – Es gibt die Forderung, den Verkauf von Lachgas zu verbieten, weil es viele junge Leute als Droge nutzen. Für einen Konsumenten endete der Rausch vor einigen Wochen gar in einem Hammer Krankenhaus. Aber auch die Kartuschen sind ein Problem – in der Müllverbrennungsanlage (MVA).
Lachgas als Trend-Droge: Kartuschen explodieren in der MVA in Hamm
Sie sind klein und aus der Menge des Restmülls, die von der Müllabfuhr zur MVA nach Hamm gebracht wird, praktisch nicht herauszufiltern. Dort werden die Lachgas-Kartuschen, die im Restmüll landen, jedoch zu einem immer größeren Problem. Die Betreiber weisen auf ihrer Homepage darauf hin, dass die Kartuschen auf keinen Fall in die Graue Tonne gehören.
„Schon Druckkartuschen, die bei der Verbrennung platzen, sind ein hohes Sicherheitsrisiko für die Mitarbeiter“, teilt Dr. Matthias Funke, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der MVA, mit. Durch Explosionen ist es schon zu Schäden in der Anlage gekommen. Unter anderem mussten Verbrennungsöfen wegen einer solchen Explosion heruntergefahren werden.
Künstliche Intelligenz soll Gaskartuschen in Müllbergen finden
Die MVA hat das Problem, dass sich die illegal entsorgten Kartuschen nicht aus dem Hausmüll ausfiltern lassen. Der Müll wird in der Anlage nach der Anlieferung nicht mehr sortiert, weil er ohnehin komplett für die Verbrennung vorgesehen ist.
Selbst wenn Kartuschen im Bunker entdeckt werden, können sie mit den großen Krangreifern oft nicht mehr gezielt herausgeholt werden. Reste von Gaskartuschen werden meist erst in der Schlacke entdeckt, die nach der Müllverbrennung übrig bleibt. Nach Angaben von Funke gibt es bereits Pilotprojekte in einigen Müllverbrennungsanlagen, die ein Kamerasystem mit künstlicher Intelligenz (KI) beim Abladen einsetzen, um Gaskartuschen zu entdecken.
MVA-Geschäftsführer: Ausweitung des Pfandsystems würde „sicherlich helfen“
Das Problem mit explosiven Kartuschen hat offenbar in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es deutlich mehr Kartuschen in den Verbrennungsrückständen gegeben. Ob dabei der zunehmende Lachgas-Missbrauch eine Rolle spielt, kann der Geschäftsführer nicht sagen. Man könne nachträglich nicht mehr feststellen, womit Kartuschen befüllt waren.
Die Aufklärung zur richtigen Entsorgung, die Ausweitung des Pfandsystems und gegebenenfalls eine Erhöhung des Pfandes würden sicherlich helfen, dass die Kartuschen nicht in Verbrennungsanlagen landen.
Ein Verbot von Lachgaskartuschen, die eigentlich für das Aufschäumen von Sahne gedacht sind, würde für die MVA nach Funkes Ansicht wenig bringen. Der Geschäftsführer schlägt einen anderen Weg vor: „Die Aufklärung zur richtigen Entsorgung, die Ausweitung des Pfandsystems und gegebenenfalls eine Erhöhung des Pfandes würden sicherlich helfen, dass diese Kartuschen nicht in Verbrennungsanlagen landen.“
Lachgas: So entsorgt man die Gaskartuschen richtig
Sein Tipp für die richtige Entsorgung: Vollständig entleerte Kartuschen gelten als Verpackung und dürfen über die Gelbe Tonne oder den gelben Sack entsorgt werden. Volle oder nur teilweise entleerte Gasbehälter müssen an einer Schadstoffsammelstelle abgegeben werden – zum Beispiel auf dem Recyclinghof neben der MVA oder beim Umweltmobil des ASH.
Nach Funkes Erkenntnissen sind Lachgaskartuschen noch nicht einmal die größte Sorge. Gaskartuschen mit Brenngasen stellen eine deutlich höhere Gefahr dar. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Kartuschen mit Campinggas wie Propan oder Butan. Bei ihnen ist die Explosionsgefahr noch größer als bei der Modedroge.