VonMick Oberbuschschließen
Am ehemaligen Braunkohletagebau Garzweiler entsteht ein neuer Riesensee – ähnlich dem in Hambach. Was dort geplant ist, und wann der See kommen soll.
Garzweiler – Die Braunkohletagebau-Gebiete in NRW verändern sich – das sorgt immer wieder für Aufsehen: Die Bilder aus Lützerath im Zuge der RWE-Räumung dürften vielen Menschen noch im Gedächtnis sein. Doch wie geht es weiter, wenn spätestens im Jahr 2030 der Braunkohleausstieg erfolgt? Was passiert dann mit den riesigen Gebieten? Am Tagebau Hambach entsteht ein gigantischer See, auch für das Ufer gibt es Pläne. Aber auch am Tagebau Garzweiler wird sich einiges tun. Dort wird ein weiterer großer See entstehen, außerdem ist ein großer Park geplant. Erst seit kurzem ist klar, dass die fünf umliegenden Dörfer am Tagebau nicht abgebaggert werden und erhalten bleiben – auch diese Orte könnten Teil eines Tourismuskonzepts in der Tagebauregion werden
NRW: Tagebauseen im Überblick – voraussichtliche Dauer von 20 bis 40 Jahren
| Tagebau Hambach | Tagebau Garzweiler | Tagebau Inden | |
|---|---|---|---|
| Beginn der Seebefüllung | 2030 | Voraussichtlich 2036 | 2030 |
| Voraussichtliche Dauer | 40 Jahre | 40 Jahre | 30 Jahre |
| Herkunft des Seewassers | Rhein | Rhein | Rur |
| Oberfläche | rund 4.200 Hektar | rund 2.300 Hektar | rund 1.200 Hektar |
| max. Tiefe | 360 Meter | 165 Meter | 180 Meter |
Details der künftigen Nutzung des Sees, der über eine Wassertransportleitung mit Rheinwasser befüllt werden soll, sind bereits grob abgesteckt: „Bereits seit den 1990er Jahren sieht die Braunkohlenplanung des Landes Nordrhein-Westfalen auch für den Tagebau Garzweiler die Schaffung eines Sees vor“, teilt die Stadt Erkelenz mit. Somit entsteht neben dem riesigen See am Tagebau Hambach ein zweiter Riesensee in NRW. Der Hambachsee soll sich auf einer Fläche von rund 4.200 Hektar erstrecken, der Garzweiler See soll eine Fläche von etwa 2.300 Hektar haben. Das entspricht der Größe von ungefähr 2500 Fußballplätzen. Zum Vergleich: Der Biggesee, einer der größten in NRW, hat eine Fläche von etwa 800 Hektar.
See am Tagebau Garzweiler soll 2036 fertig werden – mit Wasser aus dem Rhein
„Die Entstehung eines Sees ist generell die zwangsläufige Folge der Braunkohleförderung, wenn die verbleibende Mulde nicht vollständig mit Abraum (= nicht verwendetes Material) verfüllt werden kann“, heißt es von der Stadt Erkelenz. Um den See, der voraussichtlich im Jahr 2036 fertiggestellt werden soll, zu befüllen, wird Wasser aus dem Rhein genutzt. „Nur so ist eine nachhaltige Befüllung des Tagebausees mit standsicheren Böschungen und guter Wasserqualität zu gewährleisten sowie ein ausgeglichener Grundwasserhaushalt überhaupt binnen Jahrzehnten wieder herstellbar“, heißt es weiter.
Riesige Tagebauseen in NRW: Kritik an dem Vorhaben
Die Entnahme des Wassers für die Tagebauseen sorgt auch für viel Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass der Rhein zukünftig sowieso schon zu wenig Wasser führen könnte und zweifelt an der Durchführbarkeit des Projekts. Auch Anwohner zeigten sich mit dem Vorhaben von RWE rund um den Tagebau Hambach unzufrieden.
Seen an NRW-Tagebaugebieten werden nach Fertigstellung zu den tiefsten Seen Deutschlands gehören
Zudem gibt es Planungen, eine Seilbahn über den Tagebau fahren zu lassen – und einen Park am Rande des Braunkohleabbaugebietes zu errichten. „Im Weiteren wird eine grün-blaue Infrastruktur entwickelt, die als größter Park Europas das Tagebaugebiet umwebt“, heißt es beim Architekturbüro Citiförster, das an den Planungen zur Umgestaltung beteiligt sein wird. Blaue und grüne Infrastruktur meint Wasserflächen und bepflanzte Gebiete wie Auen und Wiesen.
Sowohl der Garzweiler See als auch der Hambacher See werden, was die Ausmaße betrifft, zu Rekordsehen, heißt es beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv): „Mit Seetiefen von bis über 300 Meter werden die Seen an den NRW-Tagebaugebieten mit dem Bodensee zu den tiefsten Seen Deutschlands gehören.“ Was das Volumen betrifft, wird der Hambacher See der zweitgrößte See Deutschlands sein, nach dem Bodensee und gefolgt vom Garzweiler See. Bis die Seen komplett verfüllt sind, ist jedoch noch Geduld gefragt: Es dürfte mindestens 40 Jahre dauern. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Axel Kaste/Imago


