Von Mick Oberbusch
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Der Tagebau Garzweiler wird sich in den nächsten Jahren verändern – unter anderem sehen Pläne vor, eine Seilbahn über das Baggerloch fahren zu lassen.
Köln – Der Tagebau Garzweiler soll sich in den kommenden Jahren verändern – und künftig eine echte Attraktion für Menschen aus der Gegend und auch Touristen werden. Dies geht aus den Ideen hervor, die die an den Tagebau angrenzenden Städte Erkelenz, Titz, Mönchengladbach, Grevenbroich und Jüchen entwickelt haben. Verantwortlich für diese geplante Umgestaltung des Areals soll das Architekturbüro „Cityförster“ sein, das auf seiner Homepage bereits konkrete Ideen für die „Tagebaufolge(n)landschaft Garzweiler“ aufführt. Unter anderem enthalten: Eine Seilbahn, die über die Baugrube führen soll, sowie die Errichtung eines Parks am Rande des Braunkohleabbaugebietes.
Tagebau Garzweiler (I und II) Abbautechnik Tagebau auf 30,96 Quadratkilometern Betreibende Gesellschaft RWE Power Beschäftigte 1725 Betriebsbeginn vor 1940 Betriebsende 2030 (geplant)
Tagebau Garzweiler: Seilbahn überfliegt das Braunkohle-Loch „Der fortschreitende Tagebau soll nicht länger monofunktional den Raum bestimmen, sondern durch räumlich und zeitlich vorgelagerte Projekte die Landschaft in jeder Phase attraktiv entwickeln“, heißt es auf der Homepage des Planungsbüros – was übersetzt bedeutet: Bis zum Betriebsende des Tagebaus, das für 2030 geplant ist, soll das Areal Stück für Stück auch für die Zeit danach attraktiv werden.
Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer. © Peter Sieben Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen. © Peter Sieben Fenster eines Hauses in Keyenberg Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg. © Peter Sieben Hausfassade in Keyenberg Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben Verlassene Häuser in Keyenberg In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben Leerstand in Kuckum Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig. © Peter Sieben Überwuchertes Ladenschild Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt. © Peter Sieben Verlassener Hof in Unterwestrich Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben Leere Straßein Keyenberg Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen. © Peter Sieben Weihnachtsschmuck in Keyenberg Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben Schild gegen Diebe in einem Vorgarten In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten. © Peter Sieben Gelbes Kreuz auf einer Mauer Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt. © Peter Sieben Camp in Lützerath Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler. © Peter Sieben Camp Lützerath Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben Baumhaus im Camp von Lützerath Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern. © Peter Sieben Baumhaus in Lützerath Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben Hof in Lützerath Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben Barrikaden in Lützerath Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt. © Peter Sieben Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE. © Peter Sieben Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath. © Peter Sieben Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II. © Peter Sieben Braunkohlebagger Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath. © Peter Sieben Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben Gespensterpuppe in Lützerath Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst. © Peter Sieben Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer. © Peter Sieben Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath „Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben Menschen besuchen das besetzte Lützerath Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang. © Peter Sieben Was auch die spektakuläre Seilbahn-Idee unterstreicht. „Eine Seilbahn „überfliegt“ das etwa 200 Meter tiefe Loch, macht es erlebbar und bindet abgehängte Ortschaften neu an“, heißt es auf der Homepage der Planerinnen und Planer.
Tagebau Garzweiler verändert sich: Das Loch „kapern“ Am Tagebau Garzweiler könnte künftig eine Seilbahn über die Baugrube fahren (Symbolbild/IDZRNRW-Montage).
© Geisser/Imago & Federico Gambarini/dpa
Die Idee entstand bereits 2016, nun stehe man vor der ersten Entwicklungsphase namens „Das Loch kapern“. „Dabei geht es nicht nur um die Erschließung des Abbaugebietes und seine Inszenierung als Faszinosum, sondern auch um einen Imagewechsel der Region“, so „Cityförster“. Wo Braunkohle abgebaggert wurde, soll nun Platz für Menschen und Natur werden. „Im Weiteren wird eine grün-blaue Infrastruktur entwickelt, die als größter Park Europas das Tagebaugebiet umwebt“, lautet der Plan.
Tagebau Garzweiler soll umgestaltet werden – zuletzt in Schlagzeilen wegen Lützerath-Räumung So lebten die Bewohner von Lützerath: Zwischen Hippie-Kommune und Straßenkampf Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang. © Peter Sieben Viele reisen mit Rucksäcken an und wollen bleiben, um Lützerath zu verteidigen. Manche sind noch sehr jung, kaum volljährig. Aber es gibt hier auch Aktivisten jenseits der 60. © Peter Sieben Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath. © Peter Sieben Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern. © Peter Sieben Eine Frau hebt einen Graben in Lützerath aus Zur Besetzer-Strategie gehört das Ausheben von Gräben. Täglich arbeiten die Aktivisten an Barrikaden. © Peter Sieben Ein gelbes X vor Lützerath Das gelbe X ist das Symbol der Klimaaktivisten. Man findet es überall im besetzten Dorf. © Peter Sieben Ein großes gelbes X vor Lützerath Das riesige Holzkreuz oder X-Symbol ist das Symbol der Kohlegegner und Klimaaktivisten. Ursprünglich nutzten es Demonstranten, die gegen die sogenannten Castortransporte protestierten, bei denen Atommüll in Endlager gebracht wurde. © Peter Sieben Gespensterpuppe in Lützerath Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst. © Peter Sieben Annenmaykantereit in Lützerath Prominenter Besuch: Die Kölner Band AnnenMayKantereit spielte ein Konzert bei Lützerath. © Peter Sieben Annenmaykantereit in Lützerath Die Band spielte unplugged, nur mit Gitarre und Melodica. Auf dem Gelände begegnet man auch abseits solcher Konzerte Musikern mit Akustikgitarren. © Peter Sieben Zwei Menschen mit einem Schild am Tagebaugelände bei Lützerath Menschen aus umliegenden Städten und Dörfern reisten im Januar nach Lützerath. © Peter Sieben Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer. © Peter Sieben Schild in Lützerath am Tagebau Garzweiler II Lützerath liegt direkt an der Grenze zum Tagebau Garzweiler II. Rund 150 Aktivistinnen und Aktivisten wollen den Ort gegen den Abriss verteidigen. © Peter Sieben Menschen auf Campingstühlen am Garzweiler-Gelände Drüben auf dem Hügel: Im Januar kommen immer mehr Menschen in das besetzte Dorf am RWE-Tagebau Garzweiler. © Peter Sieben Zwei Menschen am Tagebau Garzweiler Die Abbruchkante des Tagebaus ist inzwischen extrem instabil. © Peter Sieben Eine Person sitzt auf einer Wiese vor dem Tagebau Garzweiler Die Tagebaufläche an der Grenze zu Lützerath ist riesig. Das Gelände wurde einst landwirtschaftlich genutzt. © Peter Sieben Menschen mit Fahnen am Tagebau Garzweiler Beim AKtionstag im Januar kamen auch viele Menschen von außerhalb, die sich solidarisch mit den Besetzern zeigten. © Peter Sieben Karnevalsfigur von Armin Laschet in Lützerath Eine alte Karnevalsfigur, die den Ex-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) darstellt. Inzwischen sind auch die Grünen nicht mehr wohlgelitten in Lützerath. © Peter Sieben Auto mit Graffiti in Lützerath Ein buntes Schrottauto steht genau auf der Grenze zwischen dem Tagebau Garzweiler und Lützerath. © Peter Sieben Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath „Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben Aktivisten errichten Barrikaden in Lützerath Bauarbeiten in Lützerath. Das Errichten von Baumhäusern und Barrikaden haben sich die Aktivisten in Do-it-yourself-Manier beigebracht. Manche der Besetzer haben schon bei ähnlichen Aktionen wie im Hambacher Forst Erfahrungen gesammelt. © Peter Sieben Schrottauto, das als Barrikade vor Lützerath dient Der schrottreife Wagen stand lange Zeit auf der Straße zwischen Tagebau und Lützerath. Jetzt dient er als Barrikade. © Peter Sieben Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben Zwei Menschen vor dem Tagebau Garzweiler Die Aktivisten hatten zu einem Dorfspaziergang am 8. Januar eingeladen. Viele Menschen kamen aus umliegenden Städten – und ganz Deutschland und aus Nachbarländern nach Lützerath. © Peter Sieben Aktivisten heben Gräben in Lützerath aus Die Besetzer und Helfer heben Gräben aus und errichten Barrikaden in Lützerath. © Peter Sieben Barrikaden vor Lützerath Noch vor zwei Monaten war dieser Weg frei. Jetzt haben die Aktivisten Barrikaden errichtet, um die Räumung durch die Polizei zu verhindern oder zumindest zu erschweren. © Peter Sieben Menschen sitzen auf einem Wall am Tagebau Garzweiler Ausharren am Tagebau Garzweiler: Dir Lützerath-Räumung steht unmittelbar bevor. © Peter Sieben Fläche am Tagebau Garzweiler Das einstige Feld ist eine Schlammlandschaft. © Peter Sieben Protestierende in Lützerath Protest gegen die Braunkohle: Zwischen Aktivisten und Polizei kommt es immer wieder auch zu Rangeleien. © Peter Sieben Polizeibusse in Lützerath an der Abbruchkante vom Tagebau Garzweiler In Lützerath ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. © Peter Sieben Polizei-Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath Seit Anfang Januar gibt es immer wieder Rangeleien zwischen Aktivisten und Polizisten. Mehrere Menschen wurde festgenommen und es gab Verletzte. © Henning Kaiser/dpa Der Tagebau Garzweiler hatte zuletzt Schlagzeilen gemacht, weil er auch auf das lange von Aktivistinnen und Aktivisten besetzte Gebiet Lützerath ausgeweitet werden soll. Im Januar 2023 begann RWE mit der Räumung vor Ort – und meldete wenige Tage später Vollzug. Inzwischen ist Lützerath vollständig geräumt; auch die letzten Aktivistinnen und Aktivisten sind mittlerweile von dort verschwunden. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Geisser/Imago & Federico Gambarini/dpa