VonMaximilian Gangschließen
Eine Großkontrolle in Gelsenkirchen deckte erschreckende Zustände auf. Neben Baumängeln und Schimmel stießen die Kräfte auf ein alleingelassenes Kind.
Gelsenkirchen – Zugemüllte Hausflure, Kakerlaken und Schimmelbefall: Schrotthäuser sind der Stadt Gelsenkirchen ein Dorn im Auge. Regelmäßig führt ein Spezialteam deshalb Kontrollen in den auffälligen Gebäuden durch. Teilweise leben die Menschen dort unter so gefährlichen Bedingungen, dass die Häuser und Unterkünfte für unbewohnbar erklärt werden müssen. Bei der jüngsten Aktion gerieten sechs Adressen in den Fokus der Kräfte – und sie wurden gleich mehrfach fündig.
Kontrollen in Gelsenkirchen: Kleinkind alleine in Wohnung zurückgelassen
Sechs Häuser in vier Stadtteilen nahm das sogenannte Interventionsteam EU-Ost der Stadt Gelsenkirchen am Donnerstag (6. Juni) genauer unter die Lupe, wie es in einer Mitteilung heißt. Unterstützt wurden die Kräfte dabei von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), des Verkehrsüberwachungsdienstes (VÜD), der Wohnaufsicht sowie der Bauordnung gemeinsam mit dem Jobcenter. Fast überall deckten sie Missstände auf.
So ergab sich in einem Haus an der Kurt-Schumacher-Straße der Verdacht eines Leistungsmissbrauchs. Eher zufällig stießen die Kräfte bei den Kontrollen auf ein Kleinkind, das in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss eingeschlossen war. Durch die Wohnungstür erklärte das Kind, die Eltern hätten es alleine dort zurückgelassen. Die Einsatzleitung informierte daraufhin das Jugendamt. Bereits vor wenigen Wochen fanden die Kontrolleure eine 6-Jährige alleine in einer verwahrlosten Wohnung vor.
Umbauten ohne Genehmigung – Kräfte zweifeln an Standfestigkeit
In einem Gebäude an der Wanner Straße – eine entkernte Bauruine – wurden sechs Personen mit dazugehörigen Gewerbeanmeldungen vom Amtswegen abgemeldet. Einige Umbauten seien ohne vorherige Baugenehmigungen durchgeführt worden. Der „massive Eingriff in die Statik“, so die Stadt, habe Zweifel an der Standfestigkeit aufkommen lassen. Die Kräfte ordneten deshalb einen sofortigen Baustopp an. Sieben illegale Garagen hinter dem Gebäude müssen wieder abgerissen werden.
Luxuskeller & Schwarzarbeit: Mehrere Vergehen an der Magdalenenstraße
In der Magdalenenstraße kontrollierten die Kräfte drei Häuser. Dort betrieb ein Bewohner eine KFZ-Mechatronik. Das Problem: Er bezieht gleichzeitig auch Leistungen. Laut eigenen Angaben könne der Bewohner durch die Tätigkeit keine Einkünfte erzielen. So ganz kauften die Kontrolleure ihm das jedoch nicht ab: „Angesichts der Betriebsgröße werden die beim Jobcenter gemachten Angaben angezweifelt“, heißt es von der Stadtverwaltung aus NRW.
In einer Wohnung sei eine „äußerst gehobene Ausstattung“ gefunden worden. In einem Hobbykeller fanden die Kontrolleure einen hochwertigen Whirlpool, einen Bar-Tresen sowie zwei vollständig ausgestattete Fitnessräume. Im Garten war ein Motorsportboot abgestellt. Einige bauliche Änderungen wurden jedoch ohne Genehmigung durchgeführt. Die Bauordnung hat deshalb zwei Nutzungsuntersagungen eingeleitet. Zudem entdeckten die Kräfte mehrere Schwarzbauten des Eigentümers im Hinterhof.
Schimmel in Wohnhaus – 99,9 Prozent Feuchtigkeit an den Wänden
In einem anderen Haus an der Magdalenenstraße berichteten Menschen von Schimmelpilzbildung und Feuchtigkeitsschäden. In beiden Wohnungen bestätigte sich diese Schilderung: Die Wohnungsaufsicht maß an den Wänden Feuchtigkeitswerte von bis zu 99,9 Prozent. Der Eigentümer wird jetzt zur Beseitigung der gesundheitsgefährdenden Mängel aufgefordert. Das ist kein Einzelfall: Tatsächlich stoßen die Kräfte bei ihren Kontrollen regelmäßig auf starken Schimmelbefall.
An der Lothringer Straße kontrollierten die Kräfte einen möglichen Leistungsbetrug. Eine Familie hatte angegeben, dass sie sich in Gelsenkirchen aufhält und dementsprechend Gelder bezogen. Zuletzt kamen jedoch „deutliche Zweifel“ an dieser Schilderung auf. Vor Ort bestätigte sich die Vermutung, wie die Stadt schreibt: „Aufgrund nachweislicher Abwesenheit wurde die Familie im Zuge einer zurückliegenden Objektkontrolle daher von Amts wegen abgemeldet.“
Auch im Umkreis der überprüften Häuser deckte der Verkehrsüberwachungsdienst mehrere Vergehen auf. Insgesamt sprachen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 27 Verkehrsverwarnungen aus. Zudem kam es in fünf Fällen zu Abschleppmaßnahmen, weil der Verkehr behindert wurde. In einem weiteren Fall schleppte der KOD ein Schrottfahrzeug ab. (maga)
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