Interventionsteam EU Ost

Schimmel und Kakerlaken: Erschreckende Zustände in Schrotthäusern

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Schimmel, Kakerlaken und illegale Anbauten: Das Interventionsteam EU Ost entdeckt bei Kontrollen in Gelsenkirchen erschreckende Zustände.

Gelsenkirchen – Die Behörden in Gelsenkirchen (NRW) haben wieder Wohnungen und sogenannte Schrotthäuser durchsucht. Erneut fanden sie illegale Anbauten, die für die Bewohnerinnen und Bewohner lebensgefährlich sein können. Dieses Mal entdeckten sie dabei neben Schimmel auch Kakerlaken.

Schrotthäuser in Gelsenkirchen: Behörden stellen lebensgefährliche Mängel fest

Insgesamt durchsuchte das Interventionsteam EU Ost der Stadt am Donnerstag, 7. September 32 Wohnungen an der Cranger Straße, der Friesenstraße und der Marktstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Erle. Das Team ist ein Zusammenschluss verschiedener Behörden, die sich bei der Überprüfung der Wohnungen gegenseitig unterstützen. Mit dabei sind dann das Ordnungsamt, Vertreter der Stadt, der Verkehrsüberwachungsdienst, Menschen von der Baubehörde und dem Jobcenter, die Polizei und Vertreter von der Emscher-Lippe-Energie – ja nach Überprüfungsbedarf und Sachlage vor Ort.

Wie entstand das Interventionsteam EU Ost in Gelsenkirchen?

► Geschaffen wurde das Interventionsteam EU Ost in Folge der verstärkten Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien nach Gelsenkirchen, die im Rahmen der EU-Osterweiterungen im Jahr 2007 stattfand.

Das Team kontrolliert seit Jahren Wohnungen, sogenannte Schrotthäuser und deren Bewohner unter anderem auf Verstöße gegen das Melderecht, den Verdacht auf den Missbrauch von Sozialleistungen oder auf Verstöße gegen das Verkehrsrecht.

►Dabei arbeiten das Ordnungsamt, Vertreter der Stadt, der Verkehrsüberwachungsdienst, Menschen von der Baubehörde und dem Jobcenter, die Polizei und Vertreter von der Emscher-Lippe-Energie zusammen, um auf die Verstöße vor Ort direkt reagieren zu können.

Wie die Stadt mitteilt, wurden bei der jüngsten Überprüfung zwölf Verfahren wegen Verstößen gegen das Baurecht eingeleitet. So fanden sie ein Dachgeschoss oder einen Anbau, der illegal als Wohnung genutzt wurde. Solche Umnutzungen können lebensgefährlich sein. In manchen Häusern waren die Geländerstreben im Treppenhaus zerbrochen oder fehlten ganz. Flurfenster waren zugenagelt. Ein Hinterhof war mit Müll und zerstörtem Spielzeug übersät, berichtet die Stadt in einer Mitteilung.

Schimmel und Kakerlaken: So gefährlich sind sie für die Gesundheit

Auch Schimmel und Kakerlaken entdeckte das Interventionsteam EU Ost in Gelsenkirchen. Schimmel in der Wohnung kann gesundheitsschädigend sein und Atemwegsbeschwerden hervorrufen, heißt es beim Umweltbundesamt. Sporen von Schimmelpilzen werden etwa über die Luft eingeatmet und können so allergische und reizende Reaktionen hervorrufen. „Da bislang keine Grenzwerte für Schimmelpilze festgelegt werden können, muss das Vorsorgeprinzip angewendet werden, wonach Schimmel in Innenräumen ein hygienisches Problem darstellt und beseitigt werden muss, bevor es zu Erkrankungen kommt“, so das Umweltbundesamt.

In Schrotthäusern in Gelsenkirchen entdecken die Behörden unter anderem Kakerlaken. (IDZRNRW-Montage)

Kakerlaken oder Schaben stellen ebenfalls ein Gesundheitsrisiko dar. Wie das Umweltbundesamt mitteilt, können sie Keime verschleppen und Allergien auslösen. „Als Allergene wirken Proteine insbesondere aus dem Kot und Speichel der lebenden Schaben sowie aus Kadavern von nicht beseitigten Tieren.“ Diese allergieauslösenden Substanzen verteilen sich über den Hausstaub. Neben dem Risiko für die Gesundheit: Kakerlaken lösen bei vielen Menschen vor allem Ekel aus.

Sozialleistungen erschlichen: Behörden leiten Verfahren ein

Neben den baulichen Mängeln stellten die Behörden allerdings noch andere Verstöße fest – etwa in Bezug auf Sozialleistungen wie Kindergeld oder Wohngeld. In drei Fällen stellte das Team fest, dass die Personen mehr Geld für ihre Wohnung bekamen, als sie tatsächlich dafür bezahlen müssen. Andere sollen etwa ein Einkommen nicht angegeben haben und so mehr Sozialleistungen bezogen haben, als sie ihnen eigentlich zustand.

Problemviertel und Schrotthäuser in Gelsenkirchen

Baufällige Häuser, in denen trotzdem noch Menschen wohnen: In einigen Gelsenkirchener Stadtteilen, etwa in Ückendorf, gibt es einige solcher Schrottimmobilien.

►Oft steckt dahinter eine Masche von den Vermietern der Schrotthäuser: Sie wollen aus der finanziell schlechten Situation der Bewohner Profit schlagen.

►Die Stadt geht seit Jahren dagegen vor und hat etwa an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen ein besonderes Projekt gestartet.

Bei den Kontrollen wurden außerdem sechs Stromzähler und zwei Gaszähler wegen Leerstand oder Zahlungsrückständen gesperrt. Zehn Bußgeldverfahren wegen fehlender Feinstaubplaketten an Autos leiteten die Behörden außerdem ein. (ebu)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago & Oliver Willikonsky/imago

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