Messerangriff bei Stadtfest

Anschlag in Solingen: Anwesender beschreibt dramatische Ereignisse – „Neben mir ein Mensch umgefallen“

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Schilderungen von Zeugen des Anschlags in Solingen enthüllen das Chaos in der Menge. Ein Festteilnehmer stand nur Meter neben den Opfern.

Solingen – Zum furchtbaren Angriff auf dem Jubiläumsfest der Stadt Solingen am Freitagabend (23. August) gibt es immer mehr Details. Auch Festbesucher, die während der Messerattacke in der Menge standen, melden sich und schildern ihre Eindrücke.

Der unbekannte Täter indes bleibt weiterhin flüchtig. Bei der Messerattacke waren nach Polizeiangaben drei Menschen getötet und acht verletzt worden. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen stufte die Tat wegen des zielgerichteten Vorgehens des Täters als Anschlag ein.

Anschlag in Solingen: Festbesucher dachte zuerst, neben ihm fallen Betrunkene um

Ein Besucher, der den Angriff aus nächster Nähe erlebte, schilderte dem Solinger Tagblatt das Gesehene. Er habe vor der Bühne auf dem Fronhof gestanden, nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem der Angreifer auf seine Opfer einstach.

Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer.

Am Gesichtsausdruck der Sängerin, die gerade auf der Bühne perfomt hatte, habe der Besucher gemerkt, dass etwas nicht stimme. „Und dann ist nur einen Meter neben mir ein Mensch umgefallen“, erklärte der Festbesucher. Als erste Reaktion habe er an einen Betrunkenen gedacht, wie er klarstellte. Doch dann seien weitere Personen auf dem Boden gelegen. Auch mehrere Blutlachen habe er gesehen. Selbst aber kam er mit dem Schrecken davon und blieb unverletzt.

Messerangriff in Solingen: „Gespenstische Stimmung“ nach Anschlag

Auch eine Reporterin vom Solinger Tagblatt war vor Ort und schilderte ihre Eindrücke. Sie berichtete, dass sich die ausgelassene Feierstimmung binnen weniger Minuten in einen Schockzustand verwandelt habe. Tränenüberströmte Besucherinnen und Besucher seien ihr entgegengekommen, und der Neumarkt habe sich nach der Attacke zügig geleert. Sie sprach von einer „gespenstischen“ Stimmung.

Das Konzert der Band See You war am Mühlenplatz bereits vor dem Auftritt des Solinger Welstars DJ Topic auf dem Neumarkt abgebrochen worden. Während dieser spielte, waren bereits überall Blaulichter der Polizei aufgetraucht. Philipp Müller aus dem Organisationsteam erklärte auf der Bühne, dass der Rettungsdienst um das Leben von neun Menschen kämpfe. Laut Müller seien die Menschen „geschockt, aber friedlich“ gegangen, einige „fluchtartig“.

Täter auf der Flucht, Spezialeinheiten in der Stadt: Die Bilder aus Solingen nach dem Anschlag

Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer.
Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer. © Gianni Gattus/picture alliance/dpa
Nach dem Messerangriff auf dem Stadtfest löste direkt Großalarm in Solingen aus. Die Polizei war mit schwer ausgerüsteten Einsatzkräften vor Ort, ein Helikopter kreiste über die Stadt.
Nach dem Messerangriff auf dem Stadtfest löste direkt Großalarm in Solingen aus. Die Polizei war mit schwer ausgerüsteten Einsatzkräften vor Ort, ein Helikopter kreiste über die Stadt. © Gianni Gattus/picture alliance/dpa
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul machte sich zeitnah ein Bild der Lage in Solingen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul machte sich zeitnah ein Bild der Lage in Solingen.  © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Notärzte kümmern sich um die Verletzten am Stadtfest. Der Angreifer habe gezielt auf den Hals der Opfer eingestochen, teilte die Polizei noch in der Nacht mit. Den Messerangriff bewerten die Behörden deshalb als Anschlag.
Notärzte kümmern sich um die Verletzten am Stadtfest. Der Angreifer habe gezielt auf den Hals der Opfer eingestochen, teilte die Polizei noch in der Nacht mit. Den Messerangriff bewerten die Behörden deshalb als Anschlag. © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Der Tatort von Solingen. Eine Drohnenaufnahme zeigt die Bühne, vor der der Messerangreifer um sich gestochen hat.
Der Tatort von Solingen. Eine Drohnenaufnahme zeigt die Bühne, vor der der Messerangreifer um sich gestochen hatte.  © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
DJ Topic, bürgerlich Tobias Topic, kommt aus Solingen. In seiner Heimatstadt legte er am Freitagabend auf, währenddessen stach ein Mann wahllos auf Menschen ein.
DJ Topic, bürgerlich Tobias Topic, kommt aus Solingen. In seiner Heimatstadt legte er am Freitagabend auf, als sich der Anschlag ereignete. Um eine Massenpanik zu verhindern, bat die Security den DJ, einfach weiterzuspielen. Das hat er getan. © Montage: Instagram/@topic/Christoph Reichwein/dpa
Am Morgen nach dem Messerangriff in Solingen sind noch viele Fragen offen – und der Täter auf der Flucht.
Am Morgen nach dem Messerangriff in Solingen sind noch viele Fragen offen – und der Täter auf der Flucht.  © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Am Samstag blieb die Innenstadt von Solingen teils gesperrt. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Messerangreifer. Er hatte laut Berichten den Tumult und die Panik nach der Attacke genutzt, um vom Tatort zu entkommen.
Am Samstag blieb die Innenstadt von Solingen teils gesperrt. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Messerangreifer. Er hatte laut Berichten den Tumult und die Panik nach der Attacke genutzt, um vom Tatort zu entkommen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
Eine Beschreibung des Täters veröffentlichte die Polizei vorerst nicht, Zeugenangaben seien widersprüchlich, heißt es. Dennoch eine dringende Warnung an die Bürgerinnen und Bürger von Solingen: Sie sollen vorsichtig bleiben, mahnt die Polizei. Und verdächtige Personen keinesfalls ansprechen.
Eine Beschreibung des Täters veröffentlichte die Polizei vorerst nicht, Zeugenangaben seien widersprüchlich, heißt es. Dennoch eine dringende Warnung an die Bürgerinnen und Bürger von Solingen: Sie sollen vorsichtig bleiben, mahnt die Polizei. Und verdächtige Personen keinesfalls ansprechen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
Der Schock sitzt tief in Solingen nach dem Anschlag auf das „Fest der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum. Anders als auf diesem Aushang geschrieben, spricht die Polizei allerdings nicht von einem „Terroranschlag“, sondern von einem „Anschlag“. Die Hintergründe der Tat sind am Samstag (24. August) noch völlig offen.
Der Schock sitzt tief in Solingen nach dem Anschlag auf das „Fest der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum. Anders als auf diesem Aushang geschrieben, spricht die Polizei allerdings nicht von einem „Terroranschlag“, sondern von einem „Anschlag“. Die Hintergründe der Tat sind am Samstag (24. August) noch völlig offen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa

Mit dem Festival der Vielfalt sollten in der gesamten Solinger City noch bis Sonntag 650 Jahre Jubiläum gefeiert werden. Dazu kommt es aber nicht. „Das Festival wird abgebrochen. Wir haben gerade alle Künstler und Standbetreiber informiert“, so Müller und berief sich auf die Pietät und die Bedrohungslage durch den flüchtigen Täter.

Anschlag in Solingen: Pressekonferenz am Samstag – Faeser und Wüst vor Ort erwartet

Die Polizei Düsseldorf sowie die Generalstaatsanwaltschaft der Landeshauptstadt wollen am Samstag (24. August) über den Stand der Ermittlungen und den Polizeieinsatz informieren. An der für 15 Uhr angekündigten Pressekonferenz in Wuppertal sollen außerdem Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach sowie Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl teilnehmen, wie die Düsseldorfer Polizei mitteilte. Die Polizei sprach auch eine dringende Warnung an die Bürger aus.

Auch Politikprominenz wird in Solingen vor Ort sein: Um 17 Uhr werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und Landesinnenminister Herbert Reul (beide CDU) am Tatort in Solingen erwartet. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © Gianni Gattus/picture alliance/dpa

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