Anschlag in Solingen: Anwesender beschreibt dramatische Ereignisse – „Neben mir ein Mensch umgefallen“
VonChristoph Gschoßmann
schließen
Schilderungen von Zeugen des Anschlags in Solingen enthüllen das Chaos in der Menge. Ein Festteilnehmer stand nur Meter neben den Opfern.
Solingen – Zum furchtbaren Angriff auf dem Jubiläumsfest der Stadt Solingen am Freitagabend (23. August) gibt es immer mehr Details. Auch Festbesucher, die während der Messerattacke in der Menge standen, melden sich und schildern ihre Eindrücke.
Der unbekannte Täter indes bleibt weiterhin flüchtig. Bei der Messerattacke waren nach Polizeiangaben drei Menschen getötet und acht verletzt worden. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen stufte die Tat wegen des zielgerichteten Vorgehens des Täters als Anschlag ein.
Anschlag in Solingen: Festbesucher dachte zuerst, neben ihm fallen Betrunkene um
Ein Besucher, der den Angriff aus nächster Nähe erlebte, schilderte dem Solinger Tagblatt das Gesehene. Er habe vor der Bühne auf dem Fronhof gestanden, nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem der Angreifer auf seine Opfer einstach.
Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer.
Am Gesichtsausdruck der Sängerin, die gerade auf der Bühne perfomt hatte, habe der Besucher gemerkt, dass etwas nicht stimme. „Und dann ist nur einen Meter neben mir ein Mensch umgefallen“, erklärte der Festbesucher. Als erste Reaktion habe er an einen Betrunkenen gedacht, wie er klarstellte. Doch dann seien weitere Personen auf dem Boden gelegen. Auch mehrere Blutlachen habe er gesehen. Selbst aber kam er mit dem Schrecken davon und blieb unverletzt.
Messerangriff in Solingen: „Gespenstische Stimmung“ nach Anschlag
Auch eine Reporterin vom Solinger Tagblatt war vor Ort und schilderte ihre Eindrücke. Sie berichtete, dass sich die ausgelassene Feierstimmung binnen weniger Minuten in einen Schockzustand verwandelt habe. Tränenüberströmte Besucherinnen und Besucher seien ihr entgegengekommen, und der Neumarkt habe sich nach der Attacke zügig geleert. Sie sprach von einer „gespenstischen“ Stimmung.
Das Konzert der Band See You war am Mühlenplatz bereits vor dem Auftritt des Solinger Welstars DJ Topic auf dem Neumarkt abgebrochen worden. Während dieser spielte, waren bereits überall Blaulichter der Polizei aufgetraucht. Philipp Müller aus dem Organisationsteam erklärte auf der Bühne, dass der Rettungsdienst um das Leben von neun Menschen kämpfe. Laut Müller seien die Menschen „geschockt, aber friedlich“ gegangen, einige „fluchtartig“.
Täter auf der Flucht, Spezialeinheiten in der Stadt: Die Bilder aus Solingen nach dem Anschlag
Mit dem Festival der Vielfalt sollten in der gesamten Solinger City noch bis Sonntag 650 Jahre Jubiläum gefeiert werden. Dazu kommt es aber nicht. „Das Festival wird abgebrochen. Wir haben gerade alle Künstler und Standbetreiber informiert“, so Müller und berief sich auf die Pietät und die Bedrohungslage durch den flüchtigen Täter.
Anschlag in Solingen: Pressekonferenz am Samstag – Faeser und Wüst vor Ort erwartet
Die Polizei Düsseldorf sowie die Generalstaatsanwaltschaft der Landeshauptstadt wollen am Samstag (24. August) über den Stand der Ermittlungen und den Polizeieinsatz informieren. An der für 15 Uhr angekündigten Pressekonferenz in Wuppertal sollen außerdem Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach sowie Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl teilnehmen, wie die Düsseldorfer Polizei mitteilte. Die Polizei sprach auch eine dringende Warnung an die Bürger aus.
Auch Politikprominenz wird in Solingen vor Ort sein: Um 17 Uhr werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und Landesinnenminister Herbert Reul (beide CDU) am Tatort in Solingen erwartet. (cgsc mit dpa)
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.