Klimawandel schlägt durch

Atlantik-Kollaps droht – Forschende warnen vor „katastrophale Auswirkungen“

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Klimaexperten drängen darauf, dass die Politik die Gefahren eines potenziellen AMOC-Zusammenbruchs ernster nimmt: Für Landwirtschaft, Fischerei, erhöhte Meeresspiegel, Extremwetter.

Reykjavik – Verändert sich die Wasserzirkulation im Ozean durch den sich verstärkenden Klimawandel, wären die Auswirkungen eines solchen Strömungskollapses verheerend und unumkehrbar, darin sind sich Forscherinnen und Forscher einig.

Nun fordern mehr als 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unter anderem Deutschland, den USA, Norwegen, China und Australien, das Risiko eines solchen Kollapses ernst zu nehmen. Ihr offener Brief geht an Politikerinnen und Politiker des Nordischen Ministerrats, deren Länder wohl unmittelbar und am stärksten betroffen wären – aber nicht alleine. „Die Auswirkungen, insbesondere auf die nordischen Länder, wären wahrscheinlich katastrophal, einschließlich einer starken Abkühlung in der Region, während sich die umliegenden Regionen erwärmen“, schreiben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

„Katastrophale Auswirkungen“ durch Atlantik-Kollaps: Düstere Brief-Warnung von Fachleuten

„Dies würde [...] wahrscheinlich zu noch nie dagewesenen Wetterextremen führen“, weil sich der „Kälteklotz“ über dem subpolaren Atlantik vergrößern würde, heißt es weiter. Möglicherweise sei die „Lebensfähigkeit der Landwirtschaft in Nordwesteuropa“ bedroht, weitere Auswirkungen auf Wettermuster, Ökosysteme und menschliches Leben müssten noch erforscht werden.

In anderen Weltregionen könnten sich folgende Auswirkungen eines AMOC-Abbruchs bemerkbar machen:

  • Die Ozeane würden weniger CO2 aufnehmen und den CO2-Gehalt der Luft erhöhen.
  • Der Meeresspiegel könnte auf erhebliche Weise zusätzlich ansteigen.
  • Maritime Ökosysteme würden umgewälzt werden, was die Fischerei gefährden würde.
Viel mehr Extremwetter, Durchschnittstemperaturen sinken um 15 Grad, Eiszeit? Klimaforscher warnen vor baldigem Horror. (Foto: Sturm Henk bringt im Januar 2024 Sturmfluten in den Süden Großbritanniens)

Was ist der Hintergrund der Warnung vor dem AMOC-Zusammenbruch?

Vor einem Abbrechen der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC ) warnen Forscherinnen und Forscher schon seit einem knappen Jahrzehnt, in Studien. Diese Untersuchungen zum AMOC werden unter Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern immer wieder kontrovers diskutiert, etwa weil ein Zukunftsszenario von Kälte oder gar Eiszeit den eher etablierten Szenarien von der allgemeinen Erderwärmung widerspricht, wie Klimareporter.de schon im Jahr 2018 feststellte.

Oder aber, weil einige die Daten so auslegen, dass ein Abbruch frühestens zum Ende des Jahrhunderts passieren könnte, andere aber von einem viel früheren Abbruch ausgehen. Das deutsche Klimakonsortium sieht die Gefahr eines abrupten Abbruchs nicht – dies sei aber kein Grund zur Entwarnung.

Die Forschenden sagen nun, sie wollten mit ihrem Brief:

Aufmerksamkeit auf die Tatsache (...) lenken, dass nur ein „mittleres Vertrauen“ in das Nicht-Zusammenbrechen der AMOC nicht beruhigend ist und eindeutig die Möglichkeit eines Zusammenbruchs der AMOC in diesem Jahrhundert offen lässt. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass ein Zusammenbruch in diesem Jahrhundert ausgelöst wird, sich aber erst im nächsten Jahrhundert voll entfaltet.

Unterzeichnende eines offenen Briefs an den Nordischen Ministerrat

Arktische Region ein Ground Zero? – Forschung zu Kipppunkten

Die Wissenschaft bestätige zunehmend, dass „die arktische Region ein ‚Ground Zero‘ für Kipppunktrisiken und die Klimaregulierung auf dem gesamten Planeten ist“. Die folgende Liste zeigt, welche Elemente „anfällig für größere, miteinander verbundene nichtlineare Veränderungen“ (also bis hin zu unumkehrbaren Kipppunkten) sind:

  • Grönlandeisschild
  • Barentssee-Meereis
  • boreale Permafrostsysteme
  • subpolare Tiefwasserwirbelbilung
  • Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC)

Derzeit befindet sich die Atmosphäre demnach auf dem Weg, sich um die 2,5 Grad zu erwärmen. Kipppunkte treten schon bei einer Erwärmung zwischen 1,5 und 2,0 Grad ein. Ende November trifft sich die Welt zum Klimagipfel in Baku, der bereits seine Schatten vorauswirft: Die Öllobby des Landes Aserbaidschan ist stark.

Faszinierende Fotos: „Jahrhundert-Komet“ zieht über den Nachthimmel

Der Komet C/2023 A3 Tsuchinshan-Atlas wurde im Januar 2023 entdeckt. Er sorgt im Herbst 2024 für besonderes Aufsehen, da er von der Nordhalbkugel aus sogar mit dem bloßen Auge beobachtet werden kann.
Der Komet C/2023 A3 Tsuchinshan-Atlas wurde im Januar 2023 entdeckt. Er sorgt im Herbst 2024 für besonderes Aufsehen, da er von der Nordhalbkugel aus sogar mit dem bloßen Auge beobachtet werden kann. © David Becker/Imago
Der Komet C/2023-A3 Tsuchinshan-Atlas sorgt für staunende Gesichter: Täglich erhellt er im Oktober den Abendhimmel und lenkt den Blick von zahlreichen Menschen nach oben. Vorausgesetzt, das Wetter spielt und erlaubt eine freie Sicht.
Tsuchinshan-Atlas sorgt weltweit für staunende Gesichter: Täglich erhellt er im Oktober den Abendhimmel und lenkt den Blick von zahlreichen Menschen nach oben. Vorausgesetzt, das Wetter spielt und erlaubt eine freie Sicht. © Patrick Pleul/dpa
Komet Tsuchinshan-Atlas über Spanien.
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Komet Tsuchinshan-Atlas über Las Vegas.
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Ein Blick nach oben lohnt sich: Der Komet Tsuchinshan-Atlas zeigt sich am Abendhimmel auch über Deutschland, wie hier über dem Rheinland. Apps und Websites helfen dabei, den genauen Standort zu bestimmen.
Ein Blick nach oben lohnt sich: Der Komet Tsuchinshan-Atlas zeigt sich am Abendhimmel auch über Deutschland, wie hier über dem Rheinland. Apps und Websites helfen dabei, den genauen Standort zu bestimmen. © IMAGO/Marc John
Der Komet über Hostivice in Tschechien.
imago0773101079h.jpg © IMAGO/CTK Photo/Ondrej Deml
Auf der Plattform X tummeln sich Bilder vom hellen Kometen Tsuchinshan-Atlas. Auf diesem Foto ist der oben links über dem Brocken in Sachsen-Anhalt zu sehen.
Auf der Plattform X tummeln sich Bilder vom hellen Kometen Tsuchinshan-Atlas. Auf diesem Foto ist der oben links über dem Brocken in Sachsen-Anhalt zu sehen. © X/@StormchaserNL
In Bochum bot sich dieser sagenhafte Anblick über dem Fernmeldeturm. Der Komet wird ab Mitte Oktober jeden Abend etwas später untergehen und somit länger am Nachthimmel zu bestaunen sein.
In Bochum bot sich dieser sagenhafte Anblick über dem Fernmeldeturm. Der Komet wird ab Mitte Oktober jeden Abend etwas später untergehen und somit länger am Nachthimmel zu bestaunen sein. © X/@cfritze
Sogar noch während der Abenddämmerung war der Komet auf der Nordseeinsel Norderney sichtbar. Ab dem 25. Oktober soll er aber nur noch schwer mit bloßem Auge zu erkennen sein.
Sogar noch während der Abenddämmerung war der Komet auf der Nordseeinsel Norderney sichtbar. Ab dem 25. Oktober soll er aber nur noch schwer mit bloßem Auge zu erkennen sein.  © Volker Bartels/dpa
Komet Deutschland Frankreich Tsuchinshan Atlas Nachthimmel beobachten
Auch in Deutschlands Nachbarland Frankreich begeistert der Komet am Abendhimmel, wie hier etwa in der Provence über dem Berg Mont Ventoux. © CBA/Imago
In San Francisco bot sich dieses eindrucksvolle Bild. Der Komet Tsuchinshan-Atlas zieht über den Abendhimmel, unten links ist die berühmte Golden Gate Bridge zu erkennen.
In San Francisco bot sich dieses eindrucksvolle Bild. Der Komet Tsuchinshan-Atlas zieht über den Abendhimmel, unten links ist die berühmte Golden Gate Bridge zu erkennen. © Jose Carlos Fajardo/dpa

Kipppunkte gibt es auch in einem anderen Sinn: Forscher sprechen davon, dass jede und jeder sich dafür einsetzen kann, dass positive Kipppunkte eintreten, um die verheerendsten Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden und neue Umgangsweisen zu etablieren. (kat)

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