Atmosphäre durch Klimaerwärmung aus dem Takt: „Ergebnis sind Chaos-Wetterlagen“
VonJulian Mayr
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Gestern noch frühlingshaft warm, heute stürmisch und morgen Schnee. Die Atmosphäre hat laut Experten ihre Stabilität verloren. Wir spüren die Konsequenzen.
Frankfurt – Katastrophale Wetterereignisse, wie die verheerenden Unwetter in Spanien und Italien vor wenigen Wochen, gibt es nicht erst seit Kurzem. Und doch lässt sich laut Helmholtz-Klima-Initiative in den vergangenen Jahren eine Zunahme extremer Wetterereignisse wie rekordverdächtiger Hitze, sintflutartiger Regenfälle und verheerender Stürme feststellen. Das hat laut Wetter-Experte Dominik Jung einen Grund.
Extreme Wetterereignisse treten vermehrt auf – Atmosphäre gerät „in Schieflage“
Dass Unwetter häufiger und extremer werden, sei kein Zufall, betont Diplom-Meteorologe Jung von wetter.net: „Die Atmosphäre reagiert immer empfindlicher auf die steigenden Temperaturen. Sie speichert mehr Energie, und das führt zu häufigeren und heftigeren Wetterextremen.“
Die Hauptursache für diese Entwicklung ist der Mensch, der durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Freisetzung von Treibhausgasen die Erde weiter erwärmt. „Doch das Problem ist komplexer: Die Atmosphäre ist ein fein ausbalanciertes System, das durch kleinste Veränderungen in Schieflage geraten kann“, erklärt Jung. Genau das geschieht derzeit, mit dramatischen Konsequenzen. „Das Klimasystem hat begonnen zu ‚zappeln‘“, konstatierten erst jüngst Klimaforscher in Österreich.
„Als hätte die Atmosphäre ihre Stabilität verloren“ – Klimawandel bringt Atmosphäre aus dem Gleichgewicht
Die Atmosphäre sei mehr als nur die Luft, die wir atmen. Sie ist ein hochsensibles Netzwerk, das das Wetter auf der Erde kontrolliere, so der Meteorologe. Doch der Klimawandel bringt die Luftschichten aus dem Gleichgewicht. Die wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu stärkeren Niederschlägen führt. Gleichzeitig verschieben sich globale Luftströmungen wie der Jetstream, die eigentlich für stabile Wetterbedingungen sorgen sollten.
„Atmosphäre ist aus dem Takt“: Die Folgen sind bereits deutlich spürbar und die Zukunft ist ungewiss
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind bereits deutlich zu spüren. Überflutete Städte, zerstörte Ernten und verheerende Waldbrände, wie der im Sommer auf dem Brocken, sind laut Jung nur der Anfang. Experten warnen für die Zukunft vor noch extremeren Szenarien. Regionen, die bisher von mildem Wetter geprägt waren, könnten plötzlich von Stürmen oder Dürreperioden heimgesucht werden. „Wer glaubt, in unseren Breitengraden sicher zu sein, irrt sich“, warnt Jung. „Auch Europa ist längst Teil dieses Dramas. Die Atmosphäre ist aus dem Takt, und wir alle spüren die Konsequenzen.“
Die sich verändernden Verhältnisse haben auch Folgen für die menschliche Gesundheit. „Kein Mensch und keine Volkswirtschaft auf diesem Planeten ist immun gegen die gesundheitlichen Gefahren des Klimawandels“, hatte Marina Romanello vom Institute for Global Health im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Baku gewarnt. (jm)