„Eines der ansteckendsten Viren, die wir kennen“: Masern bereiten sich in deutschem Nachbarland aus
VonDiana Serbe
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Karolin Schaefer
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Die Masern sind auf dem Vormarsch. In einem Nachbarland haben sich die Fälle verdoppelt. Fachleute schlagen bereits Alarm.
Frankfurt – Fieber, Bindehautentzündung und Hautausschlag: Das sind einige der typischen Symptome von Masern. Die hoch ansteckende Viruserkrankung kann tödlich verlaufen und langfristige Schäden verursachen. Die Krankheit breitet sich derzeit weltweit, insbesondere unter Kindern, wieder aus. Das hat bereits zu Todesfällen geführt. Auch in den Nachbarländern Deutschlands werden besorgniserregende Zahlen gemeldet.
Masern breiten sich wieder in Europa aus: Fallzahlen verdoppeln sich in Nachbarland
Seit 2001 müssen Fälle der einst ausgerotteten Erkrankung in Deutschland gemeldet werden. Seit 2020 besteht eine Impfpflicht. Ab einer Impfquote von 95 Prozent gilt eine Bevölkerung als geschützt. Auch durch Aufklärungskampagnen konnte die Krankheit weitgehend eingedämmt werden. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es 1980 in Europa noch über 850.000 Fälle. Während der Covid-19-Pandemie sind die Fallzahlen aufgrund der Abstandsregeln deutlich zurückgegangen, teilt das Bundesgesundheitsministerium mit. Seit 2023 steigen die Masernfälle jedoch wieder an.
Die WHO verzeichnet weltweit den höchsten Anstieg an Masernfällen seit 27 Jahren. Das Mediennetzwerk Dachist berichtet, dass es in den Niederlanden 2025 bisher mehr als doppelt so viele Masernfälle wie im Vorjahr gibt: 108 Infizierte, darunter große Ausbrüche an vier Grundschulen. Fachleute sehen die Ursache in niedrigen Impfquoten, da die letzte große Masernwelle 2013/2014 ebenfalls Gemeinden mit geringer Impfbereitschaft betraf. Die Zunahme der Fälle wird auf Infektionen im Ausland zurückgeführt, wobei sich mindestens 17 Personen in Marokko angesteckt hätten.
Das marokkanische Gesundheitsministerium meldet seit Anfang 2025 insgesamt 3631 Masernfälle und fünf Todesfälle aus allen Regionen des Landes. Seit 2023 wurden 116 Todesfälle registriert. In den Niederlanden wurden drei weitere Fälle nachweislich aus Rumänien importiert, wo die Krankheit seit Jahren wieder verbreitet ist. 2024 wurden dort EU-weit die meisten Masernfälle gemeldet.
Masern „eines der ansteckendsten Viren“
Obwohl die Masernimpfung seit 1976 Teil des staatlichen Vorsorgeprogramms in den Niederlanden ist, hat die Impfmoral stetig abgenommen. Grund seien Überzeugungen in religiösen Gemeinschaften und eine neue Impfskepsis. Das macht vor allem Schulen zu Ausbreitungsherden. Auch in Belgien wird vor dem Virus gewarnt. Die Expertin Laura Cornelissen empfiehlt gegenüber LaLibre, sich vor Masern zu schützen, da „es eines der ansteckendsten Viren“ sei, „die wir kennen“.
Demnach hätten Abwasserproben in Belgien gezeigt, dass sich eine marokkanische Variante des Virus verbreitet. Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe ist bei Kindern unter fünf Jahren und bei Erwachsenen über 20 Jahren erhöht. Laut Bundesgesundheitsministerium gehören Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Gehirnentzündungen zu den möglichen Komplikationen. Eine Infektion kann Spätfolgen haben, die erst bis zu zehn Jahre später auftreten und immer noch tödlich verlaufen können.
Immer mehr Masern-Fälle in Europa: Diese Symptome können auftreten
Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 21 Tage. Die Ansteckungszeit beginnt drei bis fünf Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome und dauert bis zu vier Tage nach dem charakteristischen Hautausschlag an. Zu den Symptomen zählen:
Fieber
Bindehautentzündung
Schnupfen
Husten
In der ersten Phase treten Entzündungen mit Rötungen und Bläschen an der Mundschleimhaut auf. Eine spezifische antivirale Therapie gegen Masern gibt es laut RKI nicht. Die Symptome wie Fieber können jedoch mit fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die erste Masernimpfung als Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR) bei Kindern im Alter von elf Monaten. Im Alter von 15 Monaten sollte dann die zweite Impfung erfolgen, mit einem Mindestabstand von vier Wochen zwischen den Impfungen. Erwachsene sollten ebenfalls ihren Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls auffrischen.