Crash über Washington: Neue Aspekte durch die Aussage eines routinierten Hubschrauber-Piloten
VonChristoph Gschoßmann
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Was verursachte den Absturz über Washington? Ein Black Hawk-Veteran teilt seine Erkenntnisse und formuliert eine Theorie.
Washington – Der tragische Flugzeugabsturz in der Hauptstadt Washington erschüttert die Vereinigten Staaten. Das größte Rätsel bleibt die Ursache für den Crash, bei dem wohl alle 67 Menschen an Bord des Flugzeugs und des Hubschraubers, mit dem es kollidierte, starben. Bis Donnerstagabend (30. Januar 2025) waren erst 40 Leichen geborgen. Die Feuerwehr erwartet nicht, noch Überlebende zu finden, obwohl Angehörige nach dem Absturz noch Hoffnung hatten.
Haben die Unglückspiloten des Hubschraubers von Washington auf das falsche Flugzeug geblickt?
Nun ermöglicht eine Aussage eines erfahrenen Hubschrauberpiloten neue Einblicke in die Geschehnisse. In einem Gespräch mit Fox News erklärte der pensionierte Oberstleutnant Darin Gaub, frage er sich vor allem, warum der Pilot des Black Hawk-Hubschraubers nicht gewendet habe oder sein Fluggerät abgebremst.
Bilder zeigen Moment der Flugzeugkollision in Washington – Weltmeister-Duo bei Unglück gestorben
Gaub hat dazu eine Vermutung: „Irgendetwas hat dazu geführt, dass er das Flugzeug nicht gesehen hat.“ Vor dem Absturz bestätigte der Pilot allerdings eine Nachricht der Flugsicherung, die vor einem Passagierflugzeug in seiner Flugroute warnte. Gaub aber glaubt, dass der Hubschrauberpilot möglicherweise auf das falsche Flugzeug geblickt und American Airlines-Flug 5342 vor der Kollision nicht gesehen habe.
Flugzeugabsturz in Washington: Nachtsichtgeräte schränken Sicht auf etwa 40 Grad ein
Das Pentagon bestätigte am Donnerstag, dass die Piloten UH-60-Hubschraubers der US-Armee während des Übungsflugs Nachtsichtgeräte trugen, um besser sehen zu können. Gaub sagte, die Geräte helfen den Piloten, im Dunkeln zu sehen, schränken das Sichtfeld jedoch „auf etwa 40 Grad“ ein – was seiner Meinung nach möglicherweise „einen großen Teil“ der Sicht für die dreiköpfige Besatzung eingeschränkt haben könnte.
Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen.
Führten die Nachtsichtgeräte also zu dem Crash, den die Welt kurz darauf im Video sehen konnte? „Es ist wichtig zu wissen, ob sie ohne Hilfe geflogen sind – was einem normalen Nachtflug entspricht – oder mit Nachtsichtgeräten“, so Gaub. Der Fluss definiere eigentlich genau, wohin die Piloten fliegen sollen und helfe ihnen, sowohl die Höhe als auch den Kurs einzuschätzen, analysierte Gaub. Seine Hypothese: „Wenn sie zu hoch geflogen sind, besteht die Möglichkeit, dass sie auf diese Weise mit einem Flugzeug zusammengestoßen sind.“
Es herrschte eigentlich gute Sicht über Washington vor dem Crash
Der Hubschrauberpilot habe das bejaht beziehungsweise ein bisschen ungewiss geantwortet. Der Fluglotse hat dann gesagt: ‚Flieg bitte hinter dem vorbei.‘“ Dies habe aber offenbar nicht funktioniert. Auch den Verkehrsbehörden zufolge waren die Flugmuster bei beiden Maschinen normal, die Nacht war klar, die Sicht gut.
Lichter der Stadt Washington als Grund für das Flugzeugunglück?
Eine weitere mögliche Ursache für die offensichtliche Verwirrung an Bord des Hubschraubers könnten die hellen Lichter gewesen sein, die von der Hauptstadt ausgingen. „Wenn man in einer Umgebung fliegt, die so von den Lichtern der Stadt erleuchtet ist, und dann auch noch die Lichter der Flugzeuge und viele fliegende Flugzeuge dazukommen, kann es tatsächlich irgendwie ineinander übergehen“, sagte Hubschrauber-Veteran Gaub.
„In bestimmten Höhen kann es tatsächlich schwierig sein, zwischen einem Flugzeug mit eingeschaltetem Licht und Autos auf den Straßen und Straßenlaternen zu unterscheiden“, fügte er hinzu. In Korea sei er bei einem Hubschrauberflug einmal beinah mit einer 747 zusammengestoßen, weil er dachte, es seien „fahrende Autos auf der Straße“.
Nur drei statt vier Besatzungsmitglieder an Bord des Black Hawk-Hubschraubers
Die Anzahl der Besatzung spielte laut Gaub aber eher keine Rolle. Gaub wies die Vorstellung, dass die Tatsache, dass der Hubschrauber nur drei statt der vollen Kapazität von vier Besatzungsmitgliedern beförderte, eine Rolle gespielt haben könnte, weitgehend zurück. Zudem merkte er an, dass es bei Trainingsmissionen „nicht ungewöhnlich“ sei, dass ein Black Hawk eine dreiköpfige Besatzung einsetzt.
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück sind die Flugschreiber der mit einem Militärhubschrauber kollidierten Passagiermaschine am Donnerstag gefunden worden. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, die Geräte würden nun in ihren Laboren analysiert. Black Hawk-Hubschrauber haben dagegen keine Flugschreiber. (cgsc mit afp)
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