Flugzeug verwechselt?

Crash über Washington: Neue Aspekte durch die Aussage eines routinierten Hubschrauber-Piloten

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Was verursachte den Absturz über Washington? Ein Black Hawk-Veteran teilt seine Erkenntnisse und formuliert eine Theorie.

Washington – Der tragische Flugzeugabsturz in der Hauptstadt Washington erschüttert die Vereinigten Staaten. Das größte Rätsel bleibt die Ursache für den Crash, bei dem wohl alle 67 Menschen an Bord des Flugzeugs und des Hubschraubers, mit dem es kollidierte, starben. Bis Donnerstagabend (30. Januar 2025) waren erst 40 Leichen geborgen. Die Feuerwehr erwartet nicht, noch Überlebende zu finden, obwohl Angehörige nach dem Absturz noch Hoffnung hatten.

Haben die Unglückspiloten des Hubschraubers von Washington auf das falsche Flugzeug geblickt?

Nun ermöglicht eine Aussage eines erfahrenen Hubschrauberpiloten neue Einblicke in die Geschehnisse. In einem Gespräch mit Fox News erklärte der pensionierte Oberstleutnant Darin Gaub, frage er sich vor allem, warum der Pilot des Black Hawk-Hubschraubers nicht gewendet habe oder sein Fluggerät abgebremst.

Bilder zeigen Moment der Flugzeugkollision in Washington – Weltmeister-Duo bei Unglück gestorben

Videos auf X zeigen, wie der Hubschrauber in das Flugzeug kracht und dieses in Flammen aufgeht.
Videos auf X zeigen, wie der Hubschrauber in das Flugzeug kracht und dieses in Flammen aufgeht. © Eli Zusman/X/Screenshot
Rettungskräfte arbeiten auf dem Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport. Es wird von zahlreichen Toten ausgegangen.
Rettungskräfte arbeiten auf dem Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport. Es wird von zahlreichen Toten ausgegangen. © Julio Cortez/dpa
Zahlreiche Boote sind am frühen Morgen an den Such- und Rettungsmaßnahmen auf dem Potomac River im Einsatz.
Zahlreiche Boote sind am frühen Morgen an den Such- und Rettungsmaßnahmen auf dem Potomac River im Einsatz. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa
Wenige Stunden später dann die dramatische Nachricht von Feuerwehrchef John Donnelly: Die Rettungsaktion ging zu einer reinen Bergungsaktion über – das heißt, dass keine Überlebenden erwartet werden.
Wenige Stunden später dann die dramatische Nachricht von Feuerwehrchef John Donnelly: Die Rettungsaktion ging zu einer reinen Bergungsaktion über – das heißt, dass keine Überlebenden erwartet werden. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa/AP
Mitarbeiter des Amerikanischen Roten Kreuzes treffen am Ronald Reagan Washington National Airport ein, um bei der Rettung nach dem Flugezugabsturz zu helfen.
Mitarbeiter des Amerikanischen Roten Kreuzes treffen am Ronald Reagan Washington National Airport ein, um bei der Rettung nach dem Flugezugabsturz zu helfen. © Julio Cortez/dpa
Aufnahmen zeigen die Momente vor der Kollision des Helikopters mit dem Passagierflugzeug in Washington: Der Hubschrauber fliegt geradewegs in Richtung des Flugzeuges, bis er mit diesem zusammenkracht.
Aufnahmen zeigen die Momente vor der Kollision des Helikopters mit dem Passagierflugzeug in Washington: Der Hubschrauber fliegt geradewegs in Richtung des Flugzeuges, bis er mit diesem zusammenkracht. © Eli Zusman/X/Screenshot
Der Ronald Reagan Washington National Airport wurde nach dem Absturz der Passagiermaschine gesperrt. „Alle Starts und Landungen wurden am DCA gestoppt“, teilte der Flughafen auf der Plattform X mit.
Der Ronald Reagan Washington National Airport wurde nach dem Absturz der Passagiermaschine gesperrt. „Alle Starts und Landungen wurden am DCA gestoppt“, teilte der Flughafen auf der Plattform X mit. © Bonnie Cash/imago
Ein Boot arbeitet nach dem Crash auf dem Potomac River. Der Fluss gleiche aktuell einem „großen schwarzen Fleck“, erklärt Feuerwehrchef John Donnelly.
Ein Boot arbeitet nach dem Crash auf dem Potomac River. Der Fluss gleiche aktuell einem „großen schwarzen Fleck“, erklärt Feuerwehrchef John Donnelly. © Alex Brandon/dpa
Auch ein Hubschrauber ist nach dem schweren Crash in Washington im Einsatz. Mit einem Scheinwerfer sucht er den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport ab.
Auch ein Hubschrauber ist nach dem schweren Crash in Washington im Einsatz. Mit einem Scheinwerfer sucht er den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport ab. © Alex Brandon/dpa
Ein Mitglied des National Transportation Safety Board (NTSB) bewacht eine Tür des Ronald Reagan Washington National Airport, nachdem dieser wegen des Unglücks gesperrt werden musste.
Ein Mitglied des National Transportation Safety Board (NTSB) bewacht eine Tür des Ronald Reagan Washington National Airport, nachdem dieser wegen des Unglücks gesperrt werden musste. © Julio Cortez/dpa
Flugzeugabsturz in Washington
Rettungskräfte suchen im Potomac River nach Überlebenden des Flugzeugunglücks in Washington. © ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP
Evgenia Shishkova und Vadim Naumow sind beim Flugzeugunglück in Washington gestorben.
Evgenia Shishkova und Vadim Naumow sind beim Flugzeugunglück in Washington gestorben. © Imago/Montage
Flugzeugabsturz über US-Hauptstadt Washington
Nach dem Flugzeugunglück in Washington haben die Rettungskräfte keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden. © Hu Yousong/XinHua/dpa
USA, Arlington: Ein Hubschrauber der US-Park Police überfliegt den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport.
USA, Arlington: Ein Hubschrauber der US-Park Police überfliegt den Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport.  © Carolyn Kaster/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück in der US-Hauptstadt Washington soll der Flughafen noch heute wieder öffnen. „Es ist sicher“, sagte Jack Potter von der Flughafenbehörde der Metropolregion Washington. Die Bergungsarbeiten, die auf dem Gelände durchgeführt würden, fänden im Wasser statt. Daher werde der Flugverkehr am Vormittag um 11.00 Uhr (Ortszeit) wieder aufgenommen.
Nach dem tödlichen Flugzeugunglück in der US-Hauptstadt Washington soll der Flughafen noch heute wieder öffnen. „Es ist sicher“, sagte Jack Potter von der Flughafenbehörde der Metropolregion Washington. Die Bergungsarbeiten, die auf dem Gelände durchgeführt würden, fänden im Wasser statt. Daher werde der Flugverkehr am Vormittag um 11.00 Uhr (Ortszeit) wieder aufgenommen.  © ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP
Flugzeugabsturz über US-Hauptstadt Washington
Nach Angaben von US-Verkehrsminister Sean Duffy gab es vor dem Flugzeugabsturz in Washington keine Abweichung von Standardprozedere im Flugverkehr rund um den Airport. © Mark Schiefelbein/AP/dpa
American-Airlines CEO Robert Isom bei einer Pressekonferenz in Washington: In einer Videoerklärung sprach er den Angehörigen den Opfer bereits zuvor sein „tiefstes Mitgefühl“ aus.
American-Airlines CEO Robert Isom bei einer Pressekonferenz in Washington: In einer Videoerklärung sprach er den Angehörigen den Opfer bereits zuvor sein „tiefstes Mitgefühl“ aus. © Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa/AP
Ein tragisches Bild, das wohl in die Luftfahrtgeschichte der USA eingehen wird: Das Wrack des abgestürzten Flugzeugs vor dem Kapitol in Washington.
Ein tragisches Bild, das wohl in die Luftfahrtgeschichte der USA eingehen wird: Das Wrack des abgestürzten Flugzeugs vor dem Kapitol in Washington. © Carolyn Kaster/picture alliance/dpa/AP
Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen.
Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen. © Petty Officer 2nd Class Taylor B/U.S. Coast Guard/AP/dpa
Passierte in diesem Tower des Reagan National Airport die fatale Panne?
Passierte in diesem Tower des Reagan National Airport die fatale Panne? Neue US-Berichte legen einen Fehler bei den Fluglotsen nahe. © Oliver Contreras / AFP

Gaub hat dazu eine Vermutung: „Irgendetwas hat dazu geführt, dass er das Flugzeug nicht gesehen hat.“ Vor dem Absturz bestätigte der Pilot allerdings eine Nachricht der Flugsicherung, die vor einem Passagierflugzeug in seiner Flugroute warnte. Gaub aber glaubt, dass der Hubschrauberpilot möglicherweise auf das falsche Flugzeug geblickt und American Airlines-Flug 5342 vor der Kollision nicht gesehen habe.

Flugzeugabsturz in Washington: Nachtsichtgeräte schränken Sicht auf etwa 40 Grad ein

Das Pentagon bestätigte am Donnerstag, dass die Piloten UH-60-Hubschraubers der US-Armee während des Übungsflugs Nachtsichtgeräte trugen, um besser sehen zu können. Gaub sagte, die Geräte helfen den Piloten, im Dunkeln zu sehen, schränken das Sichtfeld jedoch „auf etwa 40 Grad“ ein – was seiner Meinung nach möglicherweise „einen großen Teil“ der Sicht für die dreiköpfige Besatzung eingeschränkt haben könnte.

Auf diesem von der US-Küstenwache zur Verfügung gestellten Bild sind Wrackteile im Potomac River in der Nähe des Ronald Reagan Washington National Airport zu sehen.

Führten die Nachtsichtgeräte also zu dem Crash, den die Welt kurz darauf im Video sehen konnte? „Es ist wichtig zu wissen, ob sie ohne Hilfe geflogen sind – was einem normalen Nachtflug entspricht – oder mit Nachtsichtgeräten“, so Gaub. Der Fluss definiere eigentlich genau, wohin die Piloten fliegen sollen und helfe ihnen, sowohl die Höhe als auch den Kurs einzuschätzen, analysierte Gaub. Seine Hypothese: „Wenn sie zu hoch geflogen sind, besteht die Möglichkeit, dass sie auf diese Weise mit einem Flugzeug zusammengestoßen sind.“

Es herrschte eigentlich gute Sicht über Washington vor dem Crash

Thomas Borchert, Luftfahrtexperte vom Magazin AERO International, sagte zu tagesschau24, dass eine sehr gute Sicht geherrscht habe. Flugzeuge seien wegen der Beleuchtung eigentlich besonders gut zu erkennen in der Dunkelheit. Zu dem veröffentlichten Funkverkehr sagte er: „Der Fluglotse hat den Militärhubschrauber gefragt: ‚Hast du diesen Jet in Sicht?‘

Der Hubschrauberpilot habe das bejaht beziehungsweise ein bisschen ungewiss geantwortet. Der Fluglotse hat dann gesagt: ‚Flieg bitte hinter dem vorbei.‘“ Dies habe aber offenbar nicht funktioniert. Auch den Verkehrsbehörden zufolge waren die Flugmuster bei beiden Maschinen normal, die Nacht war klar, die Sicht gut.

Lichter der Stadt Washington als Grund für das Flugzeugunglück?

Eine weitere mögliche Ursache für die offensichtliche Verwirrung an Bord des Hubschraubers könnten die hellen Lichter gewesen sein, die von der Hauptstadt ausgingen. „Wenn man in einer Umgebung fliegt, die so von den Lichtern der Stadt erleuchtet ist, und dann auch noch die Lichter der Flugzeuge und viele fliegende Flugzeuge dazukommen, kann es tatsächlich irgendwie ineinander übergehen“, sagte Hubschrauber-Veteran Gaub.

Grelle Lichter in Washington: Waren sie mit verantwortlich für das Unglück?

„In bestimmten Höhen kann es tatsächlich schwierig sein, zwischen einem Flugzeug mit eingeschaltetem Licht und Autos auf den Straßen und Straßenlaternen zu unterscheiden“, fügte er hinzu. In Korea sei er bei einem Hubschrauberflug einmal beinah mit einer 747 zusammengestoßen, weil er dachte, es seien „fahrende Autos auf der Straße“.

Nur drei statt vier Besatzungsmitglieder an Bord des Black Hawk-Hubschraubers

Die Anzahl der Besatzung spielte laut Gaub aber eher keine Rolle. Gaub wies die Vorstellung, dass die Tatsache, dass der Hubschrauber nur drei statt der vollen Kapazität von vier Besatzungsmitgliedern beförderte, eine Rolle gespielt haben könnte, weitgehend zurück. Zudem merkte er an, dass es bei Trainingsmissionen „nicht ungewöhnlich“ sei, dass ein Black Hawk eine dreiköpfige Besatzung einsetzt.

Nach dem tödlichen Flugzeugunglück sind die Flugschreiber der mit einem Militärhubschrauber kollidierten Passagiermaschine am Donnerstag gefunden worden. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, die Geräte würden nun in ihren Laboren analysiert. Black Hawk-Hubschrauber haben dagegen keine Flugschreiber. (cgsc mit afp)

Rubriklistenbild: © Petty Officer 2nd Class Taylor B/U.S. Coast Guard/AP/dpa

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