„Trump der katholischen Kirche“: Der Kardinal hat die größten deutschen Chancen auf den Papst-Stuhl
VonChristoph Gschoßmann
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Michelle Brey
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Papst Franziskus ist am Ostermontag gestorben. Ein Deutscher dürfte sich Hoffnungen auf die Nachfolge machen. Er gilt innerhalb der Kirche als sehr loyal.
Rom – Noch am Ostersonntag sprach er den Ostersegen. Am Montag starb Papst Franziskus dann. Die katholische Welt steht ohne ihren Pontifex da – doch Spekulationen um einen Nachfolger gab es schon zu dessen Lebzeiten. Sein Tod setzt nun uralte Riten in Gang. Der Gipfel ist das Konklave, das 15 bis 20 Tage nach Eintritt der Sedisvakanz mit einer Messe im Petersdom beginnt. Dabei ist auch der Name eines Kardinals aus Deutschland gelistet.
Wer wird Nachfolger von Papst Franziskus? Deutscher Kandidat wird mit Trump verglichen
Der College of Cardinals Report listet unter den 22 Nachfolgekandidaten von Franziskus auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller auf. Dem 77-Jährigen werden allerdings lediglich Außenseiterchancen beim Konklave eingeräumt. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Insgesamt also 135 Kardinäle.
Aus Deutschland gibt es insgesamt drei Anwärter. Neben Müller, einem früheren Benedikt-Vertrauten, zählen auch seine Landsleute Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, sowie Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, zu den stimmberechtigten Kardinälen. Insgesamt gibt es aktuell 252 Kardinäle, Marx nimmt als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrates eine wichtige Rolle an der Seite des Camerlengo, Kardinal Kevin Farrell, ein.
Nachfolge von Franziskus: Deutscher Papst-Kandidat wird mit Trump verglichen
Erst im Januar sorgte Müller für Aufsehen. Damals lobte er in der italienischen Zeitung Corriere della Sera US-Präsident Donald Trump. „Persönlich ziehe ich Donald Trump Joe Biden vor“, sagte er und antwortete auf den Hinweis, dass der Republikaner anders als sein Vorgänger kein Katholik sei: „Besser ein guter Protestant als ein schlechter Katholik …“
Mit seiner Meinung sehe er sich innerhalb der Kirche, wie er meint, in bester Gesellschaft: „Viele Kardinäle und Bischöfe denken wie ich, auch wenn sie Angst haben, es zu sagen. Und in den Vereinigten Staaten ist der Prozentsatz noch höher.“ Laut dem Bericht zeigte der Kardinal ein Foto, das ihn gemeinsam mit Trump im Jahr 2022 in dessen Golf-Club in Bedminster zeigt. US-Vize-Präsident J.D. Vance habe er im Haus des New Yorker Kardinals Timothy Dolan getroffen, heißt es weiter.
Franziskus-Nachfolge: Die Favoriten unter den Papst-Kandidaten – Deutscher mischt mit
2019, kurz bevor Trump die damalige Wahl verlor, zitierte der Bayerische Rundfunk (BR) die Unternehmerin Gloria von Thurn und Taxis mit den Worten: „Kardinal Müller ist der Donald Trump der katholischen Kirche.“ Der Satz sollte ihre Bewunderung ausdrücken, denn ihrer Meinung nach würden beide für Klarheit stehen.
Wer tritt die Papst-Nachfolge an? Kardinal Müller verbreitete Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie
Während der Corona-Pandemie sah sich Müller dagegen der Kritik ausgesetzt, Verschwörungstheorien zu verbreiten. So äußerte er in einem vom österreichischen St. Bonifatius Institut getwitterten Video die Befürchtung, die Gelegenheit könnte genutzt werden, um „die Menschen jetzt gleichzuschalten“ und „eine totale Kontrolle“ einzuführen. Darüber hinaus sprach er von einer „Agenda, die auf Hochstapelei beruht, nämlich die Meinung, wir könnten jetzt mithilfe der modernen Technik oder des Kommunikationswesens, eine neue Schöpfung hervorbringen, einen neuen Menschen erschaffen“.
Eine deutliche Meinung äußerte Müller ebenso zum Ukraine-Krieg. Diesbezüglich teilt er jedoch die der großen Mehrheit. Nach einem Besuch an der Grenze von Polen zur Ukraine, wo er den Flüchtlingsstrom mit eigenen Augen sah, kritisierte er laut Vatican News in Richtung Kreml-Chef Wladimir Putin: „Das war die einsame Entscheidung eines einzelnen Menschen, der so ein Unheil verursachen kann – Tausende, Abertausende, Millionen Menschen auf der Flucht!“ Er habe vor Ort gesehen, „was die Auswirkungen des Bösen sind“.
Die Suche nach einem Papst-Nachfolger: Kardinal Müller über Regensburg nach Rom
Der bei vielen weltbewegenden Themen gehörte Müller wurde 1947 in Mainz geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in seiner Heimatstadt sowie in München und Freiburg. 2002 stieg er dank Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Regensburg auf. 2012 holte ihn der damalige Papst als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre (CDF) nach Rom.
Von Franziskus wurde Müller zwei Jahre später zum Kardinaldiakon ernannt, 2017 musste er jedoch den CDF-Vorsitz abgeben, weil der Argentinier diesen nicht verlängerte. Nichtsdestotrotz konnte er an öffentlichem Ansehen gewinnen und seine Position in der Kirche ausbauen. Der College of Cardinals Report beschreibt ihn als „intelligent und ehrlich“. Außerdem als „entschlossener und bodenständiger Anführer, der bei Bedarf mutig handelt“.
Müller selbst beschreibt sich demzufolge nicht als konservativ, sondern als „katholisch“. Erwähnt wird sein Umgang mit der Missbrauchskrise der Kirche. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begegne er dem Thema offen und sei als Bischof von Regensburg gegenüber abweichenden Gruppen entschieden aufgetreten. Im Hinblick auf die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen waren Vorwürfe laut geworden, Müller habe die Aufklärung über Jahre behindert.
Lehnt Frauen als Pristerinnen ab – Kardinal Müller vertritt klare Meinungen
Innerhalb der Kirche gelte er als äußerst loyal. Er habe es trotz Meinungsverschiedenheiten stets vermieden, Franziskus direkt zu kritisieren. Auch deshalb habe dieser Müller verschiedene untergeordnete Positionen übertragen.
Kardinal Müller lehnt Frauen als Priesterinnen oder Diakoninnen unmissverständlich ab. Auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare steht er kritisch gegenüber, dies sei „Blasphemie“. Das priesterliche Zölibat verteidigt er entschieden. Indes kritisierte ein Vatikan-Experte einen anderen Nachfolge-Kandidaten scharf.(mg/mbr)