Italien-Ministerium verteidigt Bezos-Hochzeit gegen Kritiker: „Ereignis von außerordentlicher Bedeutung”
VonNadja Orth
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Jeff Bezos und seine Luxus-Hochzeit stehen massiv in der Kritik. Italiens Tourismusministerin äußert gegenüber dem Milliardär aber Dankbarkeit.
Rom - Italiens Tourismusministerium hat sich öffentlich für die Hochzeit von Amazon-Gründer Jeff Bezos in Venedig ausgesprochen. Die umstrittene Luxus-Hochzeit würde einen beträchtlichen Anteil des jährlichen Tourismusumsatzes der Stadt ausmachen und Italiens Image stärken, argumentiert das Ministerium in einer Stellungnahme.
Italiens Tourismusministerium sieht Bezos‘ Hochzeit als willkommene Einnahmequelle
„Die Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sánchez ist ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung für Italien und für Venedig“, heißt es in dem Statement des Ministeriums am Freitag (27. Juni). Der Tourismus in Venedig habe in den ersten Monaten des Jahres „einen Rückgang der Übernachtungen um 6,7 %“ verzeichnet, was auch mit der Einführung von Eintrittskarten für Touristen zusammenhängen dürfte. Es habe daher „erhebliche Auswirkungen“, dass nun mehr als 200 Gäste für die Feierlichkeiten des Milliardärs erwartet werden.
Nach einer Schätzung des statistischen Amtes des Tourismusministeriums könnte die Hochzeit einen wirtschaftlichen Gesamteffekt von etwa 957,3 Millionen Euro haben, was fast 68 Prozent des jährlichen Tourismusumsatzes der Stadt entspricht.
„Die Hochzeit Bezos ist ein starkes Signal für die wachsende Bedeutung Italiens in der internationalen Tourismusszene“, kommentierte Tourismusministerin Daniela Santanchè den Ausnahmezustand in Venedig. „Ereignisse wie dieses stärken unser globales Image, schaffen Arbeitsplätze, werben für das Land und ziehen neue qualifizierte Touristenströme an.“ Die Ministerin ging noch einen Schritt weiter und fügte hinzu: „Ich danke Jeff Bezos und all jenen, die Italien als Schauplatz wählen, um die wichtigsten Momente ihres Lebens zu feiern.“
Bezos-Hochzeit in Venedig: Promi-Gäste, Luxus und Proteste – die Bilder zur Mega-Party
Jeff Bezos und Lauren Sánchez unter scharfer Kritik: Proteste gegen Luxus-Hochzeit in Venedig
Gegen die Feiern des Brautpaars gibt es bereits seit Tagen Proteste verschiedener Gruppen. Kritiker werfen Bezos vor, seinen Reichtum zur Schau zu stellen und sich mit seinem vielen Geld für ein Wochenende die gesamte Stadt kaufen zu wollen. In der Nacht zu Freitag wurden mit einer Laser-Installation Parolen auf den Turm am berühmten Markusplatz projiziert, darunter „No Kings no Bezos“ („Keine Könige, kein Bezos“).
Am Mittwoch hatten Aktivisten von „Extinction Rebellion“ ebenfalls am Markusplatz ein riesiges Brautpaar inszeniert. An Hundeleinen hielten sie symbolisch schwarz gekleidete Aktivisten fest, die auf auf allen Vieren knieten und Schilder mit Aufschriften wie „Unternehmen“, „Politik“ und „Gerechtigkeit“ um den Hals trugen. Um das Spektakel herum protestierten weitere Menschen. Auf einem Plakat war der Vorwurf zu lesen: „Das 1 Prozent produziert 50 Prozent der globalen Emissionen“.
Der US-Milliardär spendete nach Angaben aus seiner Umgebung drei Millionen Euro für verschiedene Einrichtungen der Stadt – aus Sicht seiner Kritiker ist das bei seinem Gesamtvermögen jedoch ein extrem kleiner Betrag. Das Paar bat seine Gäste außerdem, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen Geld für die Sanierung von Venedig zu geben.
Das Vermögen des 61-Jährigen Amazon-Gründers wird derzeit auf 220 Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit zählt Jeff Bezos zu den reichsten Männern der Welt. Die Kosten für seine Hochzeit liegen schätzungsweise bei mindestens zehn Millionen US-Dollar. Der Präsident der Region Veneto, Luca Zaia, bezifferte sie sogar auf 40 bis 48 Millionen Euro. (no/dpa)