VonMaximilian Kettenbachschließen
Die Hochwasserlage in weiten Teilen Deutschlands spitzt sich weiter zu. Unsere Warnkarte hilft dabei, die Übersicht zu bewahren.
Update vom 4. Juni 2024, 10.30 Uhr: Im Süden des Landes hat sich die Lage nochmals zugespitzt. Im baden-württembergischen Schorndorf wurden am Montag zwei Menschen leblos gefunden. Dabei handelt es sich um Mutter (84) und Sohn (58), die laut Polizei versucht haben, Wasser aus ihrem Keller abzupumpen.
Ein Feuerwehrmann gilt im bayerischen Schwaben weiter als vermisst, die Suche nach ihm läuft mit Hubschraubern und Drohnen. Einsatzkräfte befürchten jedoch, dass der 22-Jährige ertrunken ist.
Hochwasser-Fluten bedrohen Regensburg
In weiteren Teilen Bayerns stiegen die Pegel nochmal an, Fluten bedrohen ganze Ortschaften, auch größere Städte sind betroffen. Es wurden neue Katastrophenfälle ausgerufen. In Rosenheim sollen Bürgerinnen und Bürger zu Hause bleiben. Es besteht eine „akute Gefahr für Leib und Leben“, teilte der Landkreis mit. In sieben bayerischen Kreisen fällt am Dienstag wegen der Hochwasserlage der Präsenzunterricht an zahlreichen Schulen aus.
In Regensburg wurde am Montagabend eine große Evakuierungsaktion gestartet, rund 200 Menschen mussten ihr Heim verlassen. Der Untergrund direkt an der Donau sei durch den hohen Grundwasserspiegel stark aufgeweicht. Deswegen bestehe die unmittelbare Gefahr, „dass die Hochwasserschutzelemente keinen Halt mehr haben, schlagartig versagen und die Straße geflutet wird“. Zu dramatischen Szenen kam es im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg: Das Hochwasser sprengt eine Lärmschutzwand, die dahinter liegende Bundesstraße wird komplett geflutet.
Gemeinden warnen vorm Hochwasser-Tourismus
Im oberbayerischen Flintsbach sind angesichts des Dauerregens Teile der Burg Falkenstein abgerutscht. Unterhalb der Burg seien 50 Anwohner in Sicherheit gebracht worden, teilte der Landkreis Rosenheim mit. Die Burgruine unweit der Autobahn an der Grenze zu Österreich gilt als beliebtes Wanderziel.
Mehrere Gemeinden waren indes vorm Katastrophentourismus. „Bitte nicht gehen und schauen, wie es steht. Vor allem nicht auf die Stege gehen, sondern einfach mal sich zurückhalten, weil da müssen die unterwegs sein können, die wirklich helfen und was zu tun haben“, sagte die Oberbürgermeisterin von Regensburg, Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) im BR.
Hochwasser-Lage in Deutschland: Dramatische Zustände in Bayern und BaWü – Feuerwehrmann vermisst
Update vom 3. Juni 2024, 10.15 Uhr: Die Hochwasserlage im Süden Deutschlands nimmt kein Ende und forderte bereits erste Menschenleben. Ein Feuerwehrmann verlor in Pfaffenhofen sein Leben. Mittlerweile wurde auch der Tod einer Frau in ihrem Keller im oberbayerischen Schrobenhausen bestätigt. Im schwäbischen Offingen gilt ein Feuerwehrmann als vermisst. Der 22-Jährige war in der Nacht zum Sonntag in der Gemeinde im Landkreis Günzburg mit einem Boot der DLRG-Wasserrettung unterwegs gewesen. Das mit fünf Einsatzkräften besetzte Boot war aufgrund starker Strömung gegen 2.50 Uhr gekentert.
In Bayern kann der Hochwassernachrichtendienst längst noch keine Entwarnung geben: Zwar gehen an den Zuflüssen zur Donau die Fluten vielerorts langsam zurück, nun trifft das Hochwasser aber zunehmend die Donau selbst. Die höchste Meldestufe vier wurde dem aktuellen Lagebericht zufolge von Regensburg bis Straubing erreicht, in Passau soll es am Montagabend so weit sein. In Kehlheim soll der Fluss im Laufe des Tages in den Bereich eines 20-Jahres-Hochwassers steigen. Regensburg hat bereits den Katastrophenfall ausgerufen.
Dramatische Hochwasser-Zustände in Bayern und Baden-Württemberg – Schulen fallen aus
In zahlreichen Gemeinden in Bayern und Baden-Württemberg bleiben zum Wochenstart Schulen und Kindergärten wegen der Hochwassergefahr geschlossen.
In der Stadt Ebersbach an der Fils südöstlich von Stuttgart sind nach Einschätzung des Landratsamts am Montagmorgen zahlreiche Menschen in Gefahr. Anwohnerinnen und Anwohner einiger Straßenzüge wurden evakuiert.
Die Bundesstraße 10 in Ebersbach an der Fils sei rund um die Stadt gesperrt, das Wasser stehe teilweise kniehoch, sagte ein Sprecher des Landratsamts. Auch im baden-württembergischen Ostalbkreis spitzt sich die Hochwasser-Lage zu. Wegen vorhergesagter Überflutungen wurden in der Nacht zu Montag vorsorglich Menschen in Teilen der Gemeinden Leinzell, Heuchlingen und Göggingen aus ihren Häusern gebracht, wie eine Sprecherin des Krisenstabs am frühen Morgen mitteilte. Auch die Lage im Rems-Murrr-Kreis hat sich unerwartet verschärft. Nach dem extremen Starkregen in der Nacht habe man nun aber den Katastrophen-Voralarm ausgelöst. Im Schwarzwald-Baar-Kreis lösten die schweren Regenfälle mehrere Erdrutsche aus.
Und eine Besserung ist zunächst nicht in Sicht: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet im Südwesten auch zu Wochenbeginn gebietsweise Dauerregen und Unwetter.
Hochwasser-Karte für Deutschland – Unwetter sorgen für Ausnahmezustand
Unsere Karte enthält alle Flüsse, alle Städte/Landkreise und auch die Warnstufen. Wir aktualisieren die Daten und Warnstufen weiter regelmäßig, bis sich die Lage wieder entspannt hat.
Erstmeldung vom 1. Juni, 20 Uhr: Frankfurt – Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen – diese Bundesländer sind am stärksten von einem Wetter-Tief betroffen, das für heftige Gewitter und Dauerregen und damit für einen Ausnahmezustand in Teilen Deutschlands sorgt.
Nach Dammbrüchen zogen reißende Flüsse durch Städte und Dörfer. Die Naturgewalt vernichtet viele Existenzen. Erste Menschen wurden bereits am Freitagabend aus der Bodenseeregion evakuiert, mittlerweile holen Retter Menschen mit Booten und Hubschraubern aus Häusern und von Dächern. Auch der ADAC hilft mit Helikoptern. Experten sprechen vielerorts von einem Jahrhunderthochwasser. Und die Pegel steigen im Süden und Osten oftmals noch bis Sonntag weiter.
Ortschaften in Süddeutschland unter Hochwasser – Karte und Bilder zeigen das Ausmaß
Bilder vom Hochwasser in Deutschland: Zahlreiche Orte unter Wasser – es gibt Tote und Vermisste




Etliche Ortschaften sind überflutet, in Bayern ist die Lage besonders schlimm, es gab bereits Tote. In fünf Landkreisen herrscht der Katastrophenfall, nach dem Dammbruch im Landkreis Augsburg mussten ganze Ortsteile abgeriegelt und evakuiert werden. „Es ist nicht mehr ausreichend, sich in höhere Stockwerke zu begeben“, hieß es dazu vom Landratsamt in Augsburg. Es herrschte Lebensgefahr. Erst vor wenigen Tagen starb eine Frau bei einem Unwetter im Saarland.
Eine Bundeswehrsprecherin kündigte Hilfsaktionen in Bayern an. „Rund um Günzburg werden Decken und Feldbetten verteilt. Im Landkreis Aichach-Friedberg werden in den nächsten Stunden etwa 50 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten als „helfende Hände“ erwartet.
Bayern und BaWü massiv betroffen – Dauerregen und kein Ende in Sicht
Am Samstagnachmittag galt noch für Regionen in mehr als zehn Landkreisen in Baden-Württemberg und vor allem Bayern die höchste Unwetterwarnstufe vier wegen ergiebigen Dauerregens. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach war hiervon ein breiter Streifen von Pfaffenhofen bis zum Bodensee betroffen. Von heftigen Gewittern seien Teile von Sachsen-Anhalt und Sachsen betroffen.
Bei den heftigen Niederschlägen in Bayern und Baden-Württemberg waren seit Freitagmorgen teils Regenmengen von 130 Litern und mehr pro Quadratmeter gefallen. Seit 8.00 Uhr am Freitag wurden im bayerischen Sigmarszell-Zeisertsweiler nach Angaben des DWD in Offenbach 135 Liter binnen 24 Stunden gemessen. In Kißlegg in Baden-Württemberg seien es 130 Liter gewesen.
Bayern und Baden-Württemberg besonders betroffen – dramatische Hochwasser-Lage
Den Schutz einer Schule an der Schussen im Bodenseekreis musste die Feuerwehr am Samstag aufgeben. Die Schule im Ortsteil Kehlen in Meckenbeuren sei nicht mehr zu halten gewesen, sagte ein Sprecher. Auch die verbauten Sandsäcke hätten das Wasser nicht aufhalten können. Wegen akuter Überflutungsgefahr wurde am Freitagabend rund 1300 Menschen in Meckenbeuren geraten, ihr Zuhause zu verlassen. Die Lage habe sich zwischenzeitlich ein wenig entspannt, sagte der Feuerwehrsprecher.
Die Hochwasserlage im Landkreis Ravensburg ist nach Angaben des Landratsamtes weiterhin angespannt. 890 Rettungs- und Notfalleinsatzkräfte seien vor Ort im Dauereinsatz. Der aktuelle Einsatzschwerpunkt sei das Allgäu. Bislang sei die Feuerwehr im Landkreis zu etwa 850 Einsätzen ausgerückt. Wie das Landratsamt mitteilte, kam es zu Schäden durch Hangrutsche und unterspülte Straßen.
Wetter-Warnungen auch für den Osten Deutschlands
In Memmingen ist wegen des Hochwassers die Justizvollzugsanstalt (JVA) geräumt worden. Rund 100 Häftlinge – darunter etwa 20 Frauen – wurden auf die Gefängnisse in Landsberg, Kempten und Aichach verteilt, wie die Leiterin der JVA Memmingen und Kempten, Anja Ellinger, am Samstag auf Anfrage mitteilte.
Die Autobahn 3 in Bayern nahe Regensburg war komplett überflutet und musste am Samstag in beide Richtungen gesperrt werden. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt bereitete man sich auf zahlreiche Einsätze vor. In Sachsen-Anhalt scheint sich die Lage jedoch entspannt zu haben. Dagegen gibt es weiter Warnungen auch für Brandenburg. (mke/dpa)
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