Rauchen und Immunabwehr

Neue Studie zeigt: Rauchen schädigt Immunsystem langfristig – auch Jahre nach dem Aufhören

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Rauchen beeinflusst das Immunsystem negativ, und zwar nachhaltig. Dabei steht es auf einer Stufe mit Faktoren wie genetischer Disposition und dem Alter.

Frankfurt – Rauchen schadet der Gesundheit, das ist schon lange bekannt. Es hat nicht nur negative Folgen für die Lunge und die Atemwege, sondern schädigt auch das Gehirn. Neuer ist dagegen die Erkenntnis, dass sich das Rauchen auch langfristig negativ auf das Immunsystem auswirkt – und das möglicherweise sogar einige Jahre nachdem ehemalige Raucher:innen ihr Laster abgelegt haben.

Dies zumindest legt eine neue Langzeitstudie eines internationalen Forschungsteams nahe, die vor Kurzem im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde. Demzufolge hat das Rauchen von Zigaretten einen ähnlich starken Effekt auf das körpereigene Immunsystem des Menschen wie etwa das Alter und die Gene.

Rauchen schadet Immunsystem: Forschende fokussieren sich in Studie auf sogenannte Zytokine

Im Rahmen der Langzeitstudie, die vom französischen Institut Pasteur geleitet worden war, untersuchte ein internationales Forschungsteam die Auswirkungen von 136 Umweltfaktoren auf Immunreaktionen bei insgesamt 1000 gesunden erwachsenen Probandinnen und Probanden. Die untersuchten Faktoren betrafen dabei vorwiegend soziodemografische Aspekte, Ernährungsgewohnheiten und den Lebensstil der Versuchspersonen.

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Wurst
Fettkonsum reduzieren: Wer lange und gesund leben möchte, sollte wenig Fett essen. Denn Übergewicht kann auf Dauer krank machen und zu Arterienverkalkung, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel führen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für einen durchschnittlichen Erwachsenen 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag. Jedoch sollten mindestens zwei Drittel davon aus ungesättigte Fettsäuren – wie sie etwa in Oliven-, Raps- oder Distelöl vorkommen – bestehen. Vorsicht ist deshalb auch bei versteckten Fetten (z. B. in Fleisch, Wurst, Käse) geboten.  © Kia Cheng Boon/IMAGO
Gemüse und Obst
Mit reichlich Obst und Gemüse Immunsystem stärken: Gemüse und Obst enthalten viele Vitalstoffe und sind daher Wunderwaffen gegen freie Radikale. Vor allem viel Vitamin C, wie es in großer Menge beispielsweise in Erdbeeren, Paprika und Orangen vorkommt, wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Altern aus. Davon profitieren Körper und Haut, da das Vitamin die Abwehr und Selbstheilung stärkt. Gleichzeitig hält es den Alterungsprozess der Haut auf, indem es die Kollagenbildung im Bindegewebe und die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu binden, fördert. Die Haut wird dadurch straff und glatt. Vitamin C kann auch eine zellverjüngende Wirkung haben – und zwar in Verbindung mit Folsäure aus z. B. Salaten, Kohl und Spargel. © BVDC/IMAGO
Frau schenkt Glas Wasser ein
Ausreichend Wasser, wenig Alkohol: Wer gesund altern möchte, sollte genug Flüssigkeit aufnehmen. Am besten eigenen sich hier Wasser oder ungesüßter Tee. Empfohlen werden dabei zwei bis drei Liter am Tag. Denn bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr wirkt die Haut schnell trocken und fahl. Zudem bekommt man dadurch mehr Falten. Alkohol sollte man hingegen nur in geringen Maßen genießen, da er Zellschäden in Gehirn und Leber verursachen kann. Dadurch steigt wiederum das Risiko für Krebserkrankungen. Ein Glas Rotwein hin und wieder wird jedoch sogar empfohlen, da er Resveratrol enthält. Es vermindert Schäden durch freie Radikale, stoppt Entzündungen in den Gefäßen, senkt den Cholesterinspiegel und bekämpft Zellen, die sich zu Krebszellen verändern. © Daniel González/IMAGO
Zigaretten
Verzicht auf Nikotin: Rauchen schwächt die Abwehr und verursacht Arterienverkalkung, schlechte Durchblutung sowie Krebs. Wer auf Nikotin verzichtet, fördert daher seine Gesundheit, da beispielsweise die Sauerstoffaufnahme in den Lungenbläschen verbessert wird.  © Pond5/IMAGO
Burger
Übersäuerung vermeiden: Damit der menschliche Stoffwechsel optimal funktioniert, müssen Basen und Säuren in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Durch ungesunde Ernährung – wie beispielsweise der Verzehr von Fast Food – verschiebt sich das Gleichgewicht und es kommt zur Übersäuerung. Sie schädigt unter anderem das Bindegewebe und fördert Entzündungen. Eine Ernährungsumstellung kann das Ungleichgewicht wieder ins Lot bringen. Dabei sollte die Nahrung zu 80 Prozent aus basischen und zu 20 Prozent aus sauren Lebensmitteln bestehen. © Design Pics/IMAGO
Paar auf Fahrrädern
Regelmäßig leichter Sport treiben: Beim gesunden Altern spielt neben der Ernährung auch Bewegung eine wichtige Rolle. Dabei ist in zunehmendem Alter vor allem leichter Sport sinnvoll. Hier eignen sich Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren, da sie den Körper positiv beeinflussen. Sie stärken Kreislauf, Herz und Muskulatur. Außerdem senken sie den Bluthochdruck und regen die Fettverbrennung an.  © Frédéric Cirou/IMAGO
Frau macht Yoga
Für Entspannung sorgen: Stress kann nicht nur der Gesundheit schaden, sondern auch den Alterungsprozess beschleunigen. Möchten Sie noch lange und gesund leben, sollten Sie ihn daher vermeiden. Meditation, Yoga ein Spaziergang in der Natur oder ein gutes Buch lesen – es gibt viele Möglichkeiten, um abzuschalten. Testen Sie, wann, wo und wie Sie am besten zur Ruhe kommen können und praktizieren Sie diese Anti-Stress-Übungen regelmäßig.  © Rainer Berg/IMAGO
Seniorin schläft
Ausreichend Schlaf: Wenn wir schlafen, kann sich der Körper regenerieren und der gesamte Organismus neue Energie und Kraft tanken. Durch die Produktion von Wachstumshormonen werden Selbstheilungsprozesse angeregt und das Immunsystem aktiviert. Auch die Haut erstrahlt nach genügend Schlaf wieder frisch.  © Monkey Business 2/IMAGO
Vier Menschen sitzen an einem Gartentisch
Freunde treffen, Spaß haben, lachen: Alles, was gute Laune bringt, ist auch gesund. Lachen beispielsweise fördert die Freisetzung von Stickstoffmonoxid in der Gefäßinnenhaut der Arterie. Dieses wirkt gefäßerweiternd und regt die Durchblutung an. Beim Lachen absolvieren wir außerdem ein zusätzliches Trainingsprogramm, da wir dabei ca. 80 Muskeln bewegen und uns durch 15 Minuten herzhaftes Lachen am Tag zehn Minuten Joggen sparen können. © Monkey Business 2/IMAGO
Zwei Frauen machen Kreuzworträtsel
Gehirnjogging: Durch geistige Fitness lässt sich der Alterungsprozess hinauszögern. Kreuzworträtsel und Schach spielen sollen besonders wirksam sein. Zudem sollen Kreativität und Flexibilität Menschen fit und jung halten. Bleiben Sie deshalb offen für neue Dinge, erstarren Sie nicht in alten Gewohnheiten und fördern Sie ihren Geist abwechslungsreich. © Maskot/IMAGO

Bei ihren Untersuchungen konzentrierten sich die Forschenden besonders auf die Ausschüttung sogenannter Zytokine. Diese koordinierenden Botenstoffe werden bei einer Reaktion des Immunsystems freigesetzt, wenn Krankheitserreger in den menschlichen Körper gelangen. Dadurch, dass Zytokine bestimmte Abwehrzellen aktivieren, haben sie auch Effekte auf Entzündungsprozesse, die Vermehrung von Bakterien sowie auf die Entstehung von Krebs. Zu Zytokinen werden unter anderem Interferone oder Interleukine gezählt.

Forschungsgruppe stellt in Studie fest: Rauchen hat den größten Einfluss auf die Immunabwehr

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten dabei die Produktion von 13 Zytokinen in Blutproben, die insgesamt zwölf verschiedenen Immunreizen ausgesetzt wurden. Durch diese Stimulationen lösten die Forschenden Reaktionen in beiden Teilen der Immunabwehr aus.

Das menschliche Immunsystem besteht nämlich einerseits aus einem angeborenen und allgemeiner reagierenden Teil, und zum anderen aus einem erworbenen Teil, der auf veränderbaren Einflüssen wie Krankheiten und Impfungen beruht und deshalb eher erregerspezifisch reagiert. Anhand dessen konnte das Forschungsteam die jeweils spezifischen Immunreaktion ausmachen, die sich in der Folge zutrugen.

Von allen untersuchten Faktoren zeigte das Rauchen den größten Einfluss auf die Immunabwehr. Und zwar umso deutlicher, je länger und je mehr Zigaretten die Probanden pro Tag rauchten, wie Studienleiter Darragh Duffy dem Tagesspiegel zufolge in einem Pressegespräch erklärte. Die Auswirkungen des Rauchens auf den angeborenen Teil der Immunabwehr waren jedoch vorübergehend und verschwanden wieder, sobald das Rauchen aufgehört wurde. Sie äußerten sich vor allem in Form verschiedener Entzündungsreaktionen.

Rauchen wirkt sich stärker auf die erworbene Immunabwehr aus als auf die angeborene

Auf den erworbenen Anteil der Immunantwort wirkte sich das Rauchen von Tabakprodukten allerdings deutlich stärker aus: Den Forscherinnen und Forschern zufolge veränderte es die vorhandene Anzahl an Zytokinen, die infolge von Infektionen vom Immunsystem ausgeschüttet werden, erheblich. Und vor allem langfristig. Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass diese Auswirkungen auch noch Jahre nach einem eventuellen Ende der Rauchgewohnheiten bestehen bleiben.

Womit das zusammenhängt, untersucht unter anderem Violaine Saint-André, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Ihr zufolge beruhen die langfristigen Effekte des Rauchens auf die T-Zellen auf Veränderungen in der DNA-Methylierung. Das sind chemische Markierungen auf der Erbsubstanz, die die Aktivität von Genen beeinflussen. „Es gibt mehr Methylierungen bei aktuellen und früheren Rauchern als bei Menschen, die nie geraucht haben. Der Effekt steigt mit den Jahren und der Zahl der Zigaretten an“, so die Studienautorin.

Im Umkehrschluss bedeutet das auch: weniger rauchen hilft. Die Methylierungen bleiben übrigens über Jahre bestehen, auch wenn man mit dem Rauchen aufhört. Insofern sei Menschen, die seit Jahren rauchen oder jahrelang geraucht haben, immer zu Vorsicht geraten und dazu, ihre Gesundheit regelmäßig überprüfen zu lassen.

Forschende warnen: „Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, ist jetzt“

Die Forschenden verstehen die vielfältigen Aspekte des Rauchens immer besser, die Empfehlungen verändern sich dagegen nicht. „Es ist nie gut, mit dem Rauchen anzufangen. Und der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, ist genau jetzt“, empfiehlt deshalb der an der Studie beteiligte Forscher Darragh Duffy.

Rauchende Zigarette über einem Aschenbecher

Und auch die Erstautorin Violaine Saint-André richtete sich im Rahmen eines Pressegesprächs mit mahnenden Worten an Jugendliche: „Fangt niemals mit dem Rauchen an“, betonte sie. Aber nicht nur für die Gesundheit ist das sicherlich von Vorteil. Auch finanziell könnten Raucherinnen und Raucher vom Aufhören profitieren, da Steuern für Tabakwaren zu Jahresbeginn erneut angehoben wurden. (Fabian Hartmann)

Rubriklistenbild: © Burkhard Schubert/IMAGO

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