Forschung kommt voran

Erste Erfolge in Studien: Krebs-Impfung soll besonders gegen eine Krankheitsart helfen

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In der Krebs-Forschung stehen vor allem mRNA-Impfungen im Fokus. Mehrere Pharmakonzerne wollen in den kommenden Jahren Impfstoffe auf den Markt bringen.

Frankfurt – Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird jeder fünfte Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs erkranken. Die EU-Kommission will den Kampf gegen Krebs nun vorantreiben. „Man schätzt, dass etwa 40 Prozent der Krebsfälle in der EU vermeidbar sind“, heißt es seitens der Brüsseler Behörde. Demnach sollen die Erkrankungen künftig früher erkannt werden. Zudem soll der Zugang zu kostenlosen Impfungen vereinfacht werden.

Krebs-Impfstoffe in Deutschland: Pharmakonzerne rechnen mit baldiger Impfung

Bislang gibt es zwei zugelassene Krebs-Impfungen in Europa. Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), welche Gebärmutterhalskrebs und Krebs im Mund-Rachen-Raum hervorrufen können, gibt es bereits seit Jahren. Eine Impfung gegen Hepatitis-B kann nach Kommissionsangaben Leberkrebs verhindern.

Währenddessen tut sich viel in der Krebs-Forschung. Das Biotechnologieunternehmen Biontech plant eine Krebs-Impfung bis 2030. Auch Curevac-Chef Alexander Zehnder rechnet mit einer baldigen Impfung. Eine entscheidende Rolle spielen dabei mRNA-Impfstoffe.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Erste Studien-Erfolge gibt es bereits bei einer Impfung gegen fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). Wie die Deutsche Krebsgesellschaft informierte, kann eine personalisierten mRNA-Impfung in Kombination mit einer Immuntherapie das Rückfallrisiko nach einer Operation deutlich reduzieren.

Studien geben Hoffnung: Impfung könnte gegen schwarzen Hautkrebs helfen

Darauf deuteten die Ergebnisse einer Phase-2-Studie der Edith Cowan University in Australien hin, die im vergangenen Jahr auf einer Tagung vorgestellt wurden. Zwar konnte bei den Teilnehmenden der Tumor vollständig entfernt werden, dennoch bestehe noch ein hohes Rückfallrisiko. Durch die Impfung soll das Immunsystem neben der Immuntherapie stärker angeregt werden, die Krebszellen zu bekämpfen.

Schon in den nächsten Jahren könnte es einen neuen Krebs-Impfstoff geben.

Der Impfstoff basiert dabei auf der gleichen Technologie wie die mRNA-Impfung gegen das Coronavirus. Er richtet sich dabei aber nicht gegen einen Krankheitserreger wie Corona, sondern gegen körpereigene Krebszellen. In diesem Jahr plant der US-Pharmakonzern Moderna bereits „eine internationale klinische Studie zur mRNA-Therapie des malignen Melanoms, also dem schwarzen Hautkrebs, mit tausend Patientinnen und Patienten“, erklärte Susanne Weg-Remers vom Deutschen Krebsinformationsdienst der Deutschen Welle.

Kommt bald neue Krebs-Impfung? Moderna plant riesige Studie

Das könnte die Basis für eine Zulassung sein. Moderna will damit schon bald einen Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs auf den Markt bringen. „Wir gehen davon aus, dass das Produkt in einigen Ländern bis 2025 mit einer beschleunigten Zulassung auf den Markt kommen könnte“, sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel der Nachrichtenagentur AFP. Zum Einsatz soll es dann in erster Linie bei Patientinnen und Patienten kommen, die bereits Hautkrebs haben und denen die Melanome entfernt wurden.

Auch an Wirkstoffen gegen weitere Krebs-Arten wird derzeit geforscht, etwa Darm- und Lungenkrebs, erklärte Weg-Remers. Ein Wundermittel sind die Impfstoffe im Kampf gegen die tödlichen Erkrankungen aber nicht. Die Deutsche Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass die Impfstrategie noch am Anfang stehe. Zudem würden andere Krebs-Behandlungen die Wirkung der Impfungen womöglich beeinflussen.

Wichtig ist allem voran, auf die eigene Gesundheit zu achten. So können bereits bestimmte Lebensmittel das Krebs-Risiko senken. Andere Ernährungsweisen hingegen können das Erkrankungsrisiko sogar erhöhen. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © Sebastian Nanco/Aton Chile/imago

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