Great Barrier Reef

Forschende zeigen sich besorgt: Luftaufnahmen zeigen ausgeprägte Korallenbleiche

  • schließen

Forschende beobachten erneut eine Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien. Nun kann nur noch ein baldiger Wetterumschwung die Korallen retten. Dabei zählt jedes Zehntelgrad.

Berlin – Der Klimawandel setzt das Great Barrier Reef in Australien zunehmend unter Druck: Forschende stellten erneut eine Massenbleiche von Korallen fest. Dabei handelt es sich um die fünfte Bleiche innerhalb von acht Jahren, wie die zuständige Behörde Great Barrier Reef Marine Park Authority (GBRMPA) am mitteilte. Hohe Wassertemperaturen verursachen das Problem, das zu einem Massensterben der Korallen in einem der artenreichsten Lebensräume der Erde führen könnte.

Korallenbleiche am Great Barrier Reef könnte zu Massensterben führen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten zuletzt außergewöhnlich hohe Temperaturen der Weltmeere festgestellt. Die Ozeane schlucken rund 90 Prozent der globalen Erwärmung und unter den gestiegenen Temperaturen leiden Flora und Fauna: Jüngste Luftaufnahmen des Great Barrier Reefs zeigen den Hitzestress der Korallen, erklärte die GBRMPA.

Weitere Untersuchungen im Wasser seien nötig, um die Schwere der Korallenbleiche zu beurteilen. Das Problem: Wenn Korallen durch Hitze in Stress geraten, stoßen sie die Algen ab, die ihnen nicht nur ihre bunte Farbe verleihen, sondern sie auch mit Nährstoffen versorgen. Ohne diese Symbiose verhungern die Korallen und sterben ab.

Das Great Barrier Reef in Australien, aufgenommen am 22. Februar 2024: Wegen erhöhter Wassertemperaturen gab es die fünfte Massenbleiche von Korallen innerhalb von acht Jahren.

Dann bleiben nur weiße Kalkskelette zurück, auf denen sich dann grün-braune Algen niederlassen, erklärte die Umweltschutzorganisation WWF die Hintergründe. Insbesondere Riffe der nördlichen Hemisphäre „sind infolge der durch den Klimawandel bedingten erhöhten Meerestemperaturen, die durch El-Niño-Bedingungen im Pazifischen Ozean verstärkt werden, von der Korallenbleiche betroffen“, so die australische Behörde GBRMPA. Das Great Barrier Reef erstreckt sich über eine Länge von 2300 Kilometern vor der Nordostküste Australiens. Mit rund 1500 Fischarten und 4000 Weichtierarten zählt es zu den artenreichsten Ökosystemen weltweit.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

„Jedes Zehntelgrad“ zählt: WWF fordert sofortiges Handeln für den Schutz der Riffe

Je schneller die Hitzewellen aufeinander folgen, desto gefährlicher wird es laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Korallen. „Starke Korallenbleichen führen zum Absterben der Korallen und wenn diese in kurzen Abständen erfolgen, hat ein Riff keine Chance, sich zu erholen“, warnte Laura Puk, Expertin für Korallen und Mangroven vom WWF Deutschland. Doch es gibt noch Hoffnung: „Das Bleichen führt nicht immer zum Absterben der Korallen, da sich einige bei kühleren Bedingungen erholen können“, so die GBRMPA. Das Riff habe bereits in der Vergangenheit seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich von früheren Korallenbleichen, schweren tropischen Wirbelstürmen und Dornenkronen-Seesternausbrüchen zu erholen.

Damit das Riff gerettet werden könne, sei ein baldiger Wetterumschwung nötig, meint der WWF. Nur sofortiger, wirksamer Klimaschutz könne die Riffe retten, so die Umweltschutzorganisation weiter und betonte, dass dabei „jedes Zehntelgrad“ zähle. Über die Hälfte der tropischen Korallenriffe ist laut Meeresforschern bereits abgestorben und selbst bei einer globalen Erwärmung um „nur“ zwei Grad erwarten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass bis zu 99 Prozent der Korallenriffe verschwinden werden.

Schon globalen Erwärmung um zwei Grad hätte verheerende Folgen

Die Folgen wären verheerend: Millionen Menschen leben von der Fischerei und dem Tourismus, deren Lebensgrundlage könnte so wegfallen. Zudem wirken Korallenriffe laut WWF als „natürliche Schutzbarriere gegen Überschwemmungen und Küstenerosion.“ Die außergewöhnlichen Temperaturen in den Weltmeeren halten schon seit etwa einem Jahr an.

Die mittlere Oberflächentemperatur im Nordatlantik lag seit etwa einem Jahr an jedem einzelnen Tag auf dem höchsten Tagesstand seit Messbeginn vor rund 40 Jahren, berichten Forschende. Zuletzt hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem einen Zusammenbruch von wichtigen Meeresströmungen vorhergesagt, der sogenannten atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation, kurz Amoc. Sie gilt als Klimaanlage für Europa.

Rubriklistenbild: © -/Theundertow Ocean & Divers for Climate/AAP/dpa

Kommentare