Gota fría

Spanien erlebt den schlimmsten „Kalte Tropfen“ des Jahrhunderts: Berüchtigtes Wetterphänomen schlägt zu

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Ein Kaltlufttropfen hat Spanien ins Unwetter-Chaos gestürzt. Es scheint, dass das Wetterphänomen dazu geführt hat, dass die Ausmaße der Unwetter unterschätzt wurden.

Frankfurt – 95 Todesopfer, Tausende in Fahrzeugen eingeschlossene Menschen, dazu unzählige Vermisste (Stand: 31. Oktober, 11 Uhr). Die Befürchtung: Viele weitere Opfer liegen noch unter dem Schlamm. Für viele gab kein Entrinnen. Die Unwetter seit Dienstagabend haben Teile Spaniens ins Chaos gestürzt. Erinnerungen an die Ahrtal-Flut werden wach.

Berüchtigtes Wetterphänomen schlägt in Spanien zu – Valencia-Region besonders getroffen

Besonders betraf es die Provinz Valencia (unsere Karte zeigt, wo genau). Hier gelten weiter orangefarbene Warnungen. Schlimmer sieht es etwas weiter nördlich aus. Der staatliche Wetterdienst Aemet warnt vor „extremer Gefahr“ im Norden der Provinz Castellón. Bis 14 Uhr gilt Alarmstufe rot. Neue Überschwemmungen drohen.

Verheerende Unwetter in Spanien mit zahlreichen Toten: Fotos zeigen Ausmaß von Überschwemmungen und Sturzfluten

Unwetter Spanien: In der Stadt Letur, Albacete, riss die Sturzflut ein Gebäude ein. Eine Kommode mit Spiegel steht noch an der Wand.
Bei der Jahrhundertflut in Spanien sind nach offiziellen Angaben mindestens 155 Menschen ums Leben gekommen (Stand: 31. Oktober 2024). Dutzende werden noch vermisst.  © Claudio Alvarez/imago
Unwetter in Spanien: Ein Mann reinigt in Utiel sein von den Überschwemmungen betroffenes Haus.
Der braune Schlamm ist am Donnerstag (31. Oktober) überall. Aufräumarbeiten, wie hier in der Stadt Utiel, haben begonnen.  © Manu Fernandez/dpa
Unwetter Spanien: Nach Überschwemmungen und Flut liegen Autos in Utiel übereinander.
Es sind katastrophale Bilder aus verschiedenen Regionen Spaniens. Auch in Utiel liegen Autos nach dem Unwetter übereinander. © Manu Fernandez/dpa
Nach der schrecklichen Sturzflut in Alfara (Valencia) versuchen Bewohner ihre Häuser am Donnerstag (31. Oktober) zu reinigen.
Nach der schrecklichen Sturzflut in Alfara (Valencia) versuchen Bewohner ihre Häuser am Donnerstag (31. Oktober) zu reinigen.  © Jose Jordan/afp
Auf einer Straße in Valencia fahren einige Autos, während andere von dem Sturm zerstört die Wege blockieren
Infolge der schweren Schäden in Valencia ist vielerorts der Verkehr eingeschränkt. Zahlreiche Straßen, darunter auch Autobahnen, sind blockiert und müssen zunächst freigeräumt werden. © Rober Solsona/Imago
Eine Rettungskraft pausiert während eines Einsatzes in Kastilien-La Mancha in Spanien
Auch Kastilien-La Mancha wurde schwer von dem Unwetter getroffen. Eine Rettungskraft braucht eine kurze Pause während eines Einsatzes.  © Víctor Fernández/Imago
Einige Bilder erinnern fast an Kriegsszenen: Betroffene des Unwetters in Valencia decken sich unter anderem mit Wasser ein.
imago776956854.jpg © Rober Solsona/IMAGO
Überschwemmungen nach Unwettern in Spanien
Nach den ersten Wetterdaten fielen am 29. Oktober 2024 in einigen Gebieten in Spanien über 43 Liter Regen pro Quadratmeter in vier Stunden.  © Screenshot X/ aemet_CValencua
Unwetter Spanien: Überschwemmungen in Valencia
Überschwemmungen nach schweren Unwetter in Spanien: Einsatzkräfte versuchen Menschen aus überfluteten Gebieten in Sicherheit zu bringen.  © Alberto Saiz/dpa
Autos stapeln sich in Picuana in der Nähe von Valencia, Ostspanien am 30. Oktober 2024.
Chaos nach Überschwemmungen in Spanien: Autos stapeln sich in Picuana in der Nähe von Valencia, Ostspanien am 30. Oktober 2024.  © JOSE JORDAN/afp
Unwetter-Katastrophe in Spanien: Autos stapeln sich in den Straßen
Einen Tag nach dem Unwetter in Spanien zeigt sich nach und nach das Ausmaß der Katastrophe.  © Screenshot X/meteop
Erschreckende Bilder aus Valencia: Wassermassen fluten komplette Straßen. Unwetter tobten in gleich mehreren Provinzen Spaniens.
Erschreckende Bilder aus Valencia: Wassermassen fluten komplette Straßen. Unwetter tobten in gleich mehreren Provinzen Spaniens.  © Montage: ALBERTOJOSEGAR4/Pain_Bsc/X
Extrem Wetter in Spanien: Wassermassen und Schlamm wälzen sich durch die Provinz Valencia.
Extrem Wetter in Spanien: Wassermassen und Schlamm wälzen sich durch die Provinz Valencia, wie Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen.  © Screenshot X/RoseryMum
Rettungskräfte nach Überschwemmungen in Spanien im Einsatz.
Rettungskräfte sind unermüdlich im Einsatz. Mindestens 51 Menschen sind bei den Überschwemmungen im Osten Spaniens ums Leben gekommen, heißt es am Mittwoch (30. Oktober).  © Alberto Saiz/dpa
Unwetter in Valencia (Spanien) sind die meisten Straßen laut den Rettungskräften gesperrt oder überflutet.
Nachdem verheerenden Unwetter in Valencia sind die meisten Straßen laut den Rettungskräften am Mittwoch (30. Oktober) gesperrt oder überflutet.  © Alberto Saiz/dpa
Die Wassermassen ziehen sich langsam zurück. Doch viele Straßen in Valencia sind noch immer überflutet.
Die Wassermassen ziehen sich langsam zurück. Doch viele Straßen in Valencia sind noch immer überflutet.  © Alberto Saiz/dpa
Hubschrauber-Rettung nach Überschwemmungen in Spanien.
Hubschrauber-Teams sind im Einsatz, um Menschen aus völlig überfluteten Gebieten, wie hier in Alcira, zu retten.  © Screenshot X/112rmurcia
Unwetter Valencia - Tornado wütete in einem Industriegebiet
In einem Industriegebiet hat ein Tornado seine Spuren hinterlassen. Der spanische Wetterdienst Aemet spricht von einem „historischen Unwetter“ in Valencia.  © privat
Der Sturm namens Dana hat in der Region Valencia mindestens 51 Todesopfer gefordert. Viele Menschen warten laut Medienberichten noch auf Rettung.
Der Sturm namens Dana hat in der Region Valencia mindestens 51 Todesopfer gefordert. Viele Menschen warten laut Medienberichten noch auf Rettung.  © IMAGO/Rober Solsona
Supermarkt Valencia: Leere Regale nach Unwetter in Spanien
Leere Regale in einem Supermarkt in Valencia. Die Menschen decken sich laut dem Bericht einer Augenzeugin vor allem mit Wasser ein.  © privat
Unwetter Spanien: Ortschaft Mira in der Provinz Cuenca von Wassermassen zerstört
Die Schäden nach dem Unwetter in Spanien sind enorm. In der Provinz Cuenca wurde die Ortschaft Mira schwer getroffen, wie ein Screenshot aus einem Video der Rettungskräfte zeigt.  © Screenshot X/112clm
Letur Albacete in the search for missing persons and debris removal work
Auch in der Region Kastilia-La Mancha suchen in der Stadt Letur Einsatzkräfte nach Vermissten.  © IMAGO/Víctor Fernández
Trümmer liegen auf einer Bahnstrecke in Picanya in der Nähe von Valencia.
Trümmer liegen auf einer Bahnstrecke in Picanya in der Nähe von Valencia. Der Hochgeschwindigkeitszugverkehr zwischen Madrid und Valencia wurde zeitweise eingestellt.  © Jose Jordan/afp
Sedavi, südlich von Valencia, Ostspanien, stehen Menschen neben aufgestapelten Autos
In Sedavi südlich von Valencia stehen Menschen neben aufgestapelten Autos.  © JOSE JORDAN/afp

Brisant: Das Ausmaß der Unwetter überraschte ganz Spanien – auch Meteorologen. Ebenso auf Mallorca. Dort prasselten Regengüsse auf den Küstenort Porto Cristo herunter. So galt für den Samstag (26. Oktober) die zweithöchste Warnstufe Orange, es fielen dann aber nur 45 Liter pro Quadratmeter. In der Nacht zum Montag (28. Oktober) galt die niedrigere Regenwarnung Gelb, mit 174 Litern pro Quadratmeter wurde letzten Endes aber sogar ein neuer Höchstwert für den Oktober aufgestellt.

Der schlimmste „Kalte Tropfen“ des Jahrhunderts

Das Entsetzen ist groß, die Schuldfrage beschäftigt nun Spanien. Die meteorologische Verantwortung dagegen scheint geklärt. Schuld ist das Wetterphänomen Gota fría, zu Deutsch: „Kalter Tropfen“. Es sei „der schlimmste ‚Kalte Tropfen‘, den die Region Valencia in diesem Jahrhundert“ erlebt habe, meldet der Dienst Aemet. Dabei handelt es sich um ein Wetterphänomen, das zwischen September und Oktober häufig in der spanischen Mittelmeer-Region auftritt. Für Wetterfachleute ist der „Kalte Tropfen“ oft nicht als Tiefdruckgebiet erkennbar und gibt so den Modellberechnungen immer noch große Schwierigkeiten auf. Der Gota fría wird mittlerweile auch häufig als DANA-Phänomen bezeichnet.

Rafael Armengot, Meteorologe aus Valencia, sagt der spanischen El Mundo: „Man muss akzeptieren, dass dieser Wahnsinn weiter passieren wird. Die Natur ist mächtiger als wir. Wir Valencianer kennen das, leben damit. Es ist etwas von jeher. Wir wissen, dass der Fluss Jucar zweimal pro Jahrhundert völlig explodiert.“

Der deutsche Meteorologe Dominik Jung erklärt bei IPPEN.MEDIADas warme Mittelmeer liefert derzeit viel Feuchtigkeit. Die daraus resultierenden Tiefdruckgebiete entladen sich in heftigen Regenfällen.“ Das ungewöhnlich warme Mittelmeer heize die Luftfeuchtigkeit an, was in Kombination mit Tiefdruckgebieten zu starken Regenfällen führe.

Gota fría / DANA: Wetterphänomen trifft Spanien häufiger im Herbst

Gota fría / DANA (depresión aislada en niveles altos; deutsch: isoliertes Höhentief)

Zu Deutsch der „Kalte Tropfen“ oder „Kaltlufttropfen“ hat Spanien und die Region schon häufig getroffen. Laut Wetterdienst Aemet sorgte es bereits 1982, 1987 und im Jahr 2000 für schlimme Überschwemmungen.

In Spanien verursachen Kaltlufttropfen speziell im Herbst immer wieder intensive Niederschläge und Unwetter. Wenn das Mittelmeer noch relativ warm ist und sich ein Höhentief südlich von Spanien befindet, kann viel aufsteigende Feuchtigkeit durch die gegen den Uhrzeigersinn rotierenden Luftmassen über das spanische Festland befördert werden. Die Vorgänge geschehen wohl in einer Höhe von über 5000 Metern.

Genaue Örtlichkeit, Dauer oder Zeitpunkt – also wann, wie stark und wo genau das Phänomen zuschlägt, bleibt für Modellberechnungen weiterhin schwer vorherzusagen.

Quelle: Wikipedia

Anwohnerin von Valencia erlebt dramatische Augenblicke

DANAs Folgen sind gewaltig. Es hatte bereits Tage zuvor dringende Unwetter-Warnungen für die entsprechenden Regionen in Spanien gegeben. Doch waren diese ausreichend? Über die Balearen-Inseln zog die Gewitterzelle weiter in Richtung Festland. Videos zeigen Sturzfluten. Anwohner und Anwohnerinnen sprechen von massiven Zerstörungen. So auch eine Deutsch-Spanierin, die aktuell in Valencia wohnt. Dass es so schnell eskaliert, damit habe man vor Ort nicht gerechnet, sagt sie IPPEN.MEDIA. Am Dienstagabend seien Gewitter und Orkane über Valencia aufgezogen und hätten sich über der Provinz festgefahren. 

Chaos, Schlamm und Geröll – nach den schlimmen Unwettern in Teilen Spaniens wird das Ausmaß der Katastrophe mit rund 100 Todesopfern mehr und mehr sichtbar.

„Wir waren in der Stadt am Fenster, um acht Uhr abends und haben zum Himmel geschaut. Es war wie ein Feuerwerk in der Nähe, doch das waren die Blitze. Ganz viele Blitze. Das Gewitter kurz vor Valencia war so brutal. Der ganze Himmel war gelb“, beschreibt sie die Szenen von Dienstagabend. 

Rubriklistenbild: © Alberto Saiz/AP/METEORED/www.daswetter.com

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