Trinkwasser per Flaschen

Norovirus-Ausbruch am Gardasee: Zahlreiche Infizierte – doch Urlaubsort gibt Entwarnung

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Norovirus-Alarm am Gardasee: Über 900 Fälle sind in den vergangenen Tagen verzeichnet worden. Trinkwasser war an einem Gardasee-Ort zeitweise tabu.

Update vom 3. Juli, 15.45 Uhr: Entwarnung am Gardasee. Nach einem Massenausbruch von Magen-Darm-Infektionen in der Gemeinde Torri del Benaco am Ostufer des Gardasees hat der Bürgermeister das Ende des Notstands verkündet. Das Wasser aus den Leitungen der Gemeinde sei wieder trinkbar, betonte Bürgermeister Stefano Nicotra in einem Video in den sozialen Medien. Das Verbot vom 28. Juni, Wasser aus dem Hahn zu trinken oder zum Kochen zu verwenden, ist aufgehoben. Neueste Wasserproben aus dem Aquädukt der Gemeinde seien negativ auf das Norovirus getestet worden.

„Wichtige Hinweise für die vielen Touristen, die unseren See während dieser Zeit besuchen“, schreibt die Commune Torri del Benaco auf Facebook. Das Badeverbot war bereits aufgehoben worden (siehe auch Erstmeldung). Der Gardasee ist bei Urlaubern aus Deutschland und Österreich sehr beliebt, Nachrichten über die Infektions-Welle verbreiteten sich entsprechend schnell. Tausende Menschen, darunter auch Einheimische, klagten über Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.

„Prost“ – Bürgermeister trinkt Wasser aus dem Gardasee

Um Touristen zu beruhigen, schritt der Bürgermeister der Nachbargemeinde Brenzone selbst zur Tat. Zum Beweis, dass das Wasser sauber ist, tauchte Paolo Formaggioni demonstrativ ein Glas Wasser in den Gardasee und trank es vor der Kamera aus. Am Ende wünschte er: „Gesundheit!“. Das Video auf Facebook sollte ein Signal über die Wasserqualität des größten See Italiens sein. Laut Corriere della Sera kritisierte der Bürgermeister Formaggioni den „überhöhten Alarmismus“ sowie die „unbegründeten und übertriebenen Nachrichten“, die auch in den deutschen Medien verbreitet wurden. In Brenzone selbst habe es keine Infektionsfälle gegeben.

Bürgermeister von Brenzone sul Garda trinkt Wasser aus dem Gardasee.

Norovirus-Ausbruch am Gardasee außer Kontrolle? Zahl der Infizierten steigt – Urlaubsort ergreift Maßnahmen

Erstmeldung vom 2. Juli 2024

Verona – Ein Magen-Darm-Virus-Welle rollt am Gardasee in Italien. Einheimische und Urlauber sind betroffen. Hunderte Menschen mussten in den vergangenen Tagen wegen Übelkeit, Erbrechen und Fieber behandelt werden. Norovirus-Hotspot ist ein kleiner Ort am Ostufer des Gardasees: Torri del Benaco. Die Gemeinde versucht, das Problem in den Griff zu bekommen.

Sehnsuchtsziel Gardasee (Italien): Am Ostufer liegt die kleine Gemeinde Torri del Benaco.

Norovirus-Alarm am Gardasee – inzwischen schon mindestens 900 Fälle

Vor ein paar Tagen erwischte es schon bis zu 300 Menschen. Mittlerweile ist die Zahl der Fälle am Gardasee auf weit über 900 gestiegen. In der 3000-Einwohner Gemeinde Torri del Benaco herrscht aktuell ein striktes Trinkwasser-Verbot. Auch der Gebrauch zum Kochen ist untersagt. Über die aktuelle Lage hält Bürgermeister Stefano Nicotra Bewohnerinnen und Bewohner auf dem Laufenden, informiert, wann und wo gratis Mineralwasserflaschen verteilt werden.

Urlaubsort unter Druck: Wo haben sich die Menschen am Gardasee infiziert?

Das Problem: Es besteht der Verdacht, dass das Norovirus für die Infektionen verantwortlich ist. Und in einigen Wasserproben des Trinkwassers konnte das Norovirus tatsächlich nachgewiesen werden, berichtet der italienische Sender Rai. Vermutlich verbreitet sich das Virus über das Trinkwasser. Doch vieles ist zunächst noch unklar.

Sehnsuchtsziel Gardasee (Italien): Am Ostufer liegt die kleine Gemeinde Torri del Benaco.

Kein Norovirus im Gardasee-Wasser gefunden

Vor ab die gute Nachricht: Der Gardasee ist sauber. Das haben Analysen des Seewassers durch die ARPAV (Regionalagentur für Umweltprävention und -schutz von Venetien) ergeben, teilte der Bürgermeister mit. Die Gemeinde bereitet sich vor, das Badeverbot vom 29. Juni aufzuheben.

Trotzdem gibt es noch keine Entwarnung – Stand, 2. Juli. Denn, es besteht offenbar eine „unvorhersehbare technische Anfälligkeit des Wassersystems“ an einem Aquädukt, erklärt der Bürgermeister. Es stehen jedoch noch Analysen aus, die ab Dienstag (3. Juli) erwartet werden. Bis dahin bleibe das Trinkwasser- und Gebrauchswasserverbot bestehen.

Norovirus-Alarm am Gardasee: In der Gemeinde Torri del Beneaco ist das Trinkwasser verunreinigt.

Rätsel über Norovirus-Ausbruch am Gardasee

Wie es zu dieser folgenschweren Verunreinigung kommen konnte, ist zunächst noch unklar. In den italienischen Medien wird über zwei Hypothesen spekuliert: Zum einen, ob der aktuell hohe Wasserstand des Gardasees nach den heftigen Regenfällen dafür verantwortlich sein könnte, dass das Abwassersystem überlastet sei. Oder, dass ein Aquädukt durch Fäkalien aus dem See verunreinigt worden sein könnte. Was angesichts der aktuellen Analysen des Gardasee-Wassers eigentlich wohl weniger infrage kommt.

Norovirus-Symptome: Das sollten Urlauber wissen

Das Norovirus ist hochansteckend und weltweit verbreitet. Das Virus kann sich nicht nur durch verunreinigtes Wasser übertragen, sondern auch über kontaminierte Speisen, wie Salate, Krabben, Muscheln oder über Türklinken (Schmierinfektionen). Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist jedoch laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) in erster Linie für die hohe Zahl an Norovirus-Infektionen verantwortlich.

Im Urlaub krank zu werden, ist wohl das Schlimmste. Magen-Darm-Infektionen oder Durchfallerkrankungen sind auf Reisen besonders häufig. Touristen erwischt es an einigen Orten besonders häufig, wie ein Ranking des Wirtschaftsmagazin Forbes zeigt.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Norovirus-Symptome sind schwallartiges Erbrechen und oder starke Durchfälle (Diarrhöe). Dazu besteht dem RKI zufolge ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Die Körpertemperatur kann leicht erhöht sein, meist kommt es nicht zu hohem Fieber. Die Symptome halten etwa 12 bis 48 Stunden an. Leichtere Verläufe sind möglich, teilt das RKI mit.

  • Während der akuten Erkrankung sind Betroffene besonders ansteckend.
  • Das Virus ist jedoch auch noch 7 bis 14 Tage im Stuhl von Erkrankten nachweisbar.
  • Sanitär- und Handhygiene sind deswegen auch nach dem Abklingen der Symptome dringend erforderlich.
  • Die Inkubationszeit beträgt etwa 6 bis 50 Stunden

Patienten sollten dem RKI zufolge eigentlich in einem Zimmer mit einem eigenen WC untergebracht werden. (ml)

Rubriklistenbild: © Bernhard Klar/imago

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