Österreicher vermisst, Schweizer tot

Sommer-Hitze lässt Alpen-Gletscher regelrecht in sich zusammenbrechen – Eislawinen töten drei Bergsteiger

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Der Gletscherbruch bei Grindelwald (Schweiz) wurde für zwei Alpinisten aus Österreich zur Todesfalle.
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Das Sommer-Hoch Nero sorgt für dramatische Ereignisse in den Bergen. Bei zwei Eislawinen kamen innerhalb weniger Tage in der Schweiz drei Menschen ums Leben.

Saas-Fee/Grindelwald – Der Klimawandel macht die Alpen zunehmend für ein gefährliches Terrain für Alpinisten. Während im Frühsommer das Auftauen des Permafrostes für Fels- und Bergstürze sorgte, schmelzen die Gletscher im Rekordtempo vor sich hin.

Klimawandel macht sich bemerkbar: Null-Grad-Grenze 500 Meter höher als die Alpen

Die Null-Grad-Grenze liegt in westlichen Alpen derzeit bei 5298 Meter – fast 500 Meter höher, als die höchsten Alpengipfel. Das ist ein Rekord und sorgt für ein nie da gewesenes Tauwetter. Die Gletscher brechen regelrecht in sich zusammen. Die Folge sind reißende Flüsse, die zu Unglücken, wie in Italien führen, oder Eislawinen, die in der Schweiz innerhalb weniger Tage drei Menschenleben forderten.

Am Sonntag (20. August) wurde eine Dreierseilschaft nahe Saas-Fee im Wallis von einem Gletscherabbruch überrascht. Sie waren beim Abstieg vom Allalinhorn (4027 Meter) und wollten über den Feegletscher in Richtung Bergstation Mittelallalin absteigen.

Österreicher und Schweizer betroffen: Kurz vor dem Ziel bricht die Eislawine über die Seilschaft herein

Bei der Gletscherüberquerung lösten sich zirka 100 Meter oberhalb der Gruppe Eis- und Schnee, die Lawine verschüttete zwei der Bergsteiger, einen von ihnen zur Gänze. Die Gruppe hatte das Eisfeld schon fast überquert. Der Schweizer (61) aus dem Kanton Bern starb noch am Unglücksort. Der zweite Bergsteiger erlitt leichte Verletzungen und wurde per Helikopter ins Spital von Sitten geflogen.

Auf dem Feegletscher wurde die Schweizer Seilschaft von der Eislawine überrascht.

Auch für zwei Österreicher aus dem Bundesland Vorarlberg wurde ein Gletscherabbruch zum Verhängnis – im Eismeer bei Grindelwald (Kanton Bern). Der Mann und die Frau waren beim Aufstieg zu der auf 3355 Metern Seehöhe gelegenen Mittellegihütte, als ein Eisabbruch zu einer Lawine führte.

Weitere Eislawinen bedrohen die Suchmannschaften

Bei der sofort eingeleiteten Suchaktion, an der auch Hunde und Helikopter beteiligt waren, konnten laut Kantonspolizei zwar Ausrüstungsmaterial, jedoch keine der Vermissten gefunden werden. Aufgrund schwieriger Bedingungen musste die große Suchaktion unterbrochen werden. Denn weitere Eisabbrüche sind laut Kantonspolizei, die den Vorfall von 14. August erst jetzt vermeldete, jederzeit möglich. Das Paar gilt offiziell noch als vermisst, doch es gibt kaum Hoffnung, sie lebendig zu finden.

Am 3. Juli 2022 hatte ein Gletscherbruch an der Marmolata in den Dolomiten elf Bergsteigern das Leben gekostet, acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Tragische Bergunfälle gab es zuletzt auch in Italien. In Südtirol stürzte ein Deutscher vor den Augen der Tochter in den Tod. Bei einer Klettertour in den Verwallbergen in Österreich fiel eine Bergsteigerin in die Tiefe und riss ihren Bergführer mit in den Tod. Experten sind fassungslos.

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