Streitpunkt: Studie aus Dänemark

Omikron BA.5: „Fehlinterpretation“ – Epidemiologe Stöhr attackiert Lauterbach auf Twitter

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Laut einer Studie sorgt Omikron BA.5 für eine höhere Hospitalisierungsrate als Omikron BA.2. Gesundheitsminister Karl Lauterbach stimmt zu und erntet Kritik.

Berlin – Es ist sein Medium. Nein, nicht, dass sich Karl Lauterbach Twitter geschnappt hätte. So gut, dass er sich mal eben das Soziale Netzwerk kaufen kann, verdient dann auch der Gesundheitsminister von Deutschland nicht. Aber: Karl Lauterbach nutzt Twitter immer wieder, wenn es darum geht, seine Politik zu erklären. Oder aber seine Ansichten zum Coronavirus und der Corona-Pandemie an sich. Das ändert sich auch bei der Omikron-Variante BA.5, vor der eine frühere Omikron-Infektion schützen soll, nicht. Denn auch wenn es um Omikron BA.5 geht, hat der Bundesgesundheitsminister eine klare Meinung.

Die speist Karl Lauterbach, der Hoffnungen auf das Ende der Corona-Pandemie macht, auf Twitter gerne mal mit der einen oder anderen Corona-Studie, deren Ergebnisse der SPD-Politiker gerne auch einmal wissenschaftlich unterlegt und einordnet. Nicht immer aber sind dabei alle der gleichen Meinung wie der Gesundheitsminister. Diesmal hagelt es für Karl Lauterbach und seine Einschätzung zu einer Studie zu Omikron BA.5 aus Dänemark Widerspruch. Der bekannte deutsche Epidemiologe Klaus Stöhr attackiert Lauterbach.

Dänische Studie zu Omikron BA.5: Karl Lauterbach sieht zur Zunahme der Hospitalisierten – ignoriert aber einen Aspekt

Nach der Betrachtung der dänischen Studie zu Omikron BA.5 – das bedeutet übrigens der CT-Wert bei einer Infektion mit der Variante – kommt Lauterbach zu dem Ergebnis, dass Omikron BA.5 mehr Menschen ins Krankenhaus bringt als Omikron BA.2. Sprich: die Hospitalisierungsrate bei einer Erkrankung mit Omikron BA.5 ist höher als bei Omikron BA.2. Die Studie, auf die sich Lauterbach auf Twitter beruft, hat untersucht, wie schwer Ansteckungen mit Omikron BA.5 – bei der Variante ist Lauterbach wegen Impfdurchbrüchen alarmiert – verlaufen und wie gut die Immunität gegen eine Infektion schützt.

Überraschter Blick: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erntet bei der Betrachtung einer Studie zu Omikron BA.5 auf Twitter Gegenwind.

Um dies herauszufinden, haben Wissenschaftler in Dänemark Menschen untersucht, die zwischen April und Juni 2022 einen positiven PCR-Test hatten. Die Forscher haben dann einen Vergleich zwischen Omikron BA.5 und der Corona-Variante Omikron BA.2 gezogen.

Omikron BA.5: Ergebnisse der Studie führen zum Streit zwischen Lauterbach und Stöhr

Die Ergebnisse der Studie, die Omikron BA. 5 und BA.2 vergleicht, sind noch nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet, aber bereits veröffentlicht worden – und werden nun zwischen Gesundheitsminister Karl Lauterbach und dem Epidemiologen Klaus Stöhr zum Streitfall.

Lauterbach twittert zum Ergebnis der Corona-Studie: „In Dänemark zeigt sich ebenfalls die Zunahme der Hospitalisierten mit BA.5 im Vergleich zu BA.2. Das bedeutet: Der Herbst wird schwieriger als das Frühjahr war. Die Endemie ist nicht erreicht.“ So weit, so gut – oder nicht. Klaus Stöhr reagiert ungehalten auf den Tweet zu Omikron BA.5, das von einem neuen Antikörper neutralisiert werden kann, und der erhöhten Hospitalisierungsrate, die er Minister aus den Ergebnissen der Studie aus Dänemark abliest und gibt Lauterbach jede Menge Gegenwind.

„Unglaublich“: Epidemiologe Klaus Stöhr kontert Karl Lauterbachs Tweet zu dänischer Omikron BA.5-Studie

„Unglaublich“, kommentiert Epidemiologe Stöhr den Lauterbach-Post und ist verärgert, „wie viel Fehlinterpretationen man auf einmal in einen kurzen Tweet hineinbringen kann. Die Autoren des von Ihnen zitierten Artikels (Pre-print) kommen zu anderen Schlussfolgerungen ihrer Arbeit“, konstatiert er in Richtung Lauterbach, dem er bei der Studie zu Omikron BA.5, wo Verlauf und Symptome heftig ausfallen können, im Vergleich mit Omikron BA.2 eine „Fehlinterpretation“ vorwirft.

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Die Forscher selbst schreiben in ihren Ergebnissen, dass eine Infektion mit Omikron BA.5 „mit einem erhöhten Risiko einer Krankenhauseinweisung verbunden“ war. Allerdings – das lässt Lauterbach in seinem Tweet außen vor – müsse dies „bestätigt und überprüft werden“. Weil „die Krankenhauseinweisungen während des Studienzeitraums gering und stabil waren.“

Omikron BA.5: Corona-Variante könnte laut Virologin Cisek schwere Infektionen auslösen als BA.2

Allerdings: Wie focus.de berichtet, lässt sich nicht ausschließen, dass Omikron BA.5 – so lang ist die Inkubationszeit der Variante – schwerere Corona-Infektionen auslöst als Omikron BA.2 und zitiert Sandra Cisek, die Direktorin der Medizinischen Virologie am Universitätsklinikum in Frankfurt, die in einem Podcast gesagt hat: „Ich halte es für möglich, dass BA.5 wieder etwas pathogener sein könnte, aber das ist abschließend nicht geklärt.“

Klar hingegen ist aber, dass sich Omikron BA.5 in der Corona-Pandemie in Deutschland annähernd durchgesetzt hat. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, sei die Mutation nach den aktuellsten Daten in knapp neun von zehn positiven Proben gefunden worden. Das RKI sieht bei der Corona-Lage „keinen sinkenden Trend“. Weiterhin sei eher „eine Seitwärtsbewegung zu beobachten.“

Omikron BA.5 weiter auf dem Vormarsch: Lauterbach warnt davor, Sommerwelle zu unterschätzen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt derweil erneut davor, Infektionen in der laufenden Corona-Sommerwelle zu unterschätzen oder aber in Kauf zu nehmen. Die ursprüngliche Idee, dass man sich infiziere und danach dann für immer immun sei, habe sich nicht bestätigt, so Lauterbach gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Der Minister verweist dort zudem darauf, dass man sich sehr leicht mit Omikron BA.5 infizieren könne, auch wenn man zuvor eine Infektion mit der Omikron-Variante BA.2 hatte. Bei Omikron BA.5 gebe es überdies eine größere Wahrscheinlichkeit einer schwereren Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden müsste.

Man sehe, so Lauterbach, in Deutschland derzeit bereits einen Anstieg der Hospitalisierung und mehr Verlegungen auf Intensivstationen, erläuterte Karl Lauterbach, der damit seinerseits Andreas Gassen, dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der die Omikron-Variante „fast als Friedensangebot des Virus“ bezeichnet hatte.

Rubriklistenbild: © Christ Emil Janßen/imago

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