Neue Ausrüstungsprobleme

„Herausforderer“ kämpft mit sich selbst: Britische Challenger versinken im Dreck

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Der Challenger-2 – von den Briten eine gut gemeinte Verstärkung, für die Beschenkten in der Ukraine eine echte Herausforderung: Als Waffe unschlagbar, als Fahrzeug untragbar. (Archivfoto)
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Sie haben die Wende versprochen und bereiten vor allem Probleme – Westpanzer. Die Ukraine modifiziert ihre Challenger. Und die sind eh schon moppelig.

Kiew – Vorsichtig ausgedrückt hat Jerome Starkey einem fürchterlich banalen Vorführeffekt beigewohnt. Zugespitzt formuliert hat sich die Armee der Ukraine gegenüber der britischen Zeitung Sun einen kapitalen Public-Relations-Schnitzer geleistet. Sogar einen doppelten. Ein Reporter aus dem Nato-Land wollte hautnah erleben, wie der britische Challenger-2-Panzer (deutsch für: Herausforderer) den Truppen Wladimir Putins das Fell gerben würde – und wurde Zeuge, wie dessen Besatzung den schwersten Kampfpanzer der Welt im Dreck versenkte. Ganz ohne Feindeinwirkung. Weitab vom Geschehen im Ukraine-Krieg.

Nicht genug, dass die Crew die adipöse Angriffswaffe schnurstracks ins Moor steuerte; als feststand, dass der Stahlklumpen hilflos feststeckte, notierte Starkey dienstbeflissen, dass der Kompanie-Chef die Crew verprügelte, weil sie das Hindernis zu langsam angefahren hatte. Aber Ende gut, alles gut: Kayfarick, wie Starkey den Panzer-Kommandanten mit seinem Kampfnamen nennt, nutzte die Gelegenheit, um mittels eines zweiten Panzers zu demonstrieren, wie sich die Ukraine selbst aus dem Schlamassel herauszuhelfen weiß.

Starkey beginnt seine Helden-Geschichte über den britischen Export mit dem ehrfurchteinflößenden Bild eines schießenden Challenger und einer martialischen Bildunterschrift: „Ein Panzer feuerte während der Fahrt mit seitwärts gerichtetem Geschütz und zerstörte ein Ziel von der Größe eines Esstellers aus mehr als einer Meile Entfernung.“ Am Ende seiner Reportage hat er aber einen beunruhigenden Verdacht genährt: Großbritanniens fast 70 Tonnen schwere Botschaft an den Aggressor Putin ist in der Ukraine völlig fehl am Platz.

Der Wegbereiter: Briten haben als erstes Land Westpanzer gegen Putin geliefert

Bereits im August hatte die Ukraine nahe Robotyne den ersten Challenger in Rauch aufgehen sehen. Den ersten von insgesamt 14, die Großbritannien geliefert hatte. Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass inzwischen nur noch sieben Challenger einsatzfähig sind.

Die Challenger-2 aus Großbritannien stellten als erste westliche Kampfpanzer der ukrainischen Partner einen bedeutenden Meilenstein für den Kriegsverlauf dar und ebneten dem deutschen Leopard 2 und dem US-amerikanischen Abrams M1 den Weg in die ukrainischen Streitkräfte. Allerdings sind sie mit einer geringen Stückzahl, trotz der Gerüchte über eine mögliche Verdoppelung in der Zukunft, weit davon entfernt, der Ukraine zum Sieg zu verhelfen, wie das Magazin DefenceExpress schreibt. Die Challenger gehören zur 82. Luftangriffsbrigade. 

Laut dem Magazin Politico ist diese Einheit mit etwa 170 von der Nato gelieferten gepanzerten Fahrzeugen ausgestattet. Zu ihrem Arsenal gehörten neben den Challenger ursprünglich 90 US-amerikanische Stryker-Fahrzeuge, 40 in Deutschland hergestellte Marder sowie 24 in den USA hergestellte M113-Transporter. Forbes hatte berichtet, dass diese Einheit die Speerspitze der Gegenoffensive in der Süd- und Ostukraine bildete und sich durch die Tiefe der russischen Minenfelder langsam hindurch arbeiten musste – das erklärt deren hohe Verluste. Immerhin waren die Challenger-Panzer an den Erfolgen der Ukraine rund um Robotyne in der südlichen Region Saporischschja beteiligt. Der erste Challenger 2 wurde auf dem Weg ins benachbarte Werbowe zerstört. Hier konnten die Ukrainer die russische Hauptverteidigungslinie bereits vor dem eigentlichen Ort durchstoßen.

Der Launische: Fünf Challenger bereits wegen Mängeln ausgefallen

Die Zahl der Challenger-2-Panzer in der britischen Armee belief sich im Jahr 2021 auf 227, daher kann die potenzielle Lieferung an die Ukraine bis zu 79 Panzer betragen, rechnet DefenceExpress hoch. Einige weitere Exemplare könnten aus den Reservebeständen hinzugefügt werden, insgesamt etwa 80 Einheiten, in verschiedenen Zuständen der Kampfbereitschaft. Allerdings darf der Kampfwert der westlichen Boliden grundsätzlich bezweifelt werden.

Für den ehemaligen Bundeswehr-Oberst Wolfgang Schneider können alte Sowjetpanzer unter den geografischen Gegebenheiten in der Ukraine mit den Westpanzern auf Augenhöhe operieren. Vor allem an den Brennpunkten der Front im Süden und Südosten mit durchschnittenem Gelände und vielen Ortschaften, Flüssen und Industrieflächen sind die Vorzüge der westlichen Technik seiner Meinung nach auch von der besten Besatzung kaum zur Geltung zu bringen. Mit ihren T-55S aus Slowenien ist die Ukraine also insofern ebenso gut bedient.

DefenceExpress hatte ohnehin kritisiert, dass der Challenger in der Ukraine Schwierigkeiten habe, seine Stärken auszuspielen. Obwohl er die für westliche Militärfahrzeuge typischen Standardmerkmale in Sachen Innenraum, Komfort und Panzerung bietet, verfehle seine Leistung im Gefecht häufig die tatsächlichen Anforderungen eines bestimmten Schlachtfelds. Zwei Panzer seien inzwischen durch Feindeinwirkung ausgefallen, fünf dagegen aufgrund von mangelhafter Zuverlässigkeit aus dem Rennen. Kayfarick klagt gegenüber der Sun, dass manchmal Monate vergingen, bis Ersatzteile aus Großbritannien ankämen. Zugleich fehlten ihm qualifizierte Mechaniker fehlten, um die Hardware fit zu halten. Beispielsweise würden sich die Gummibeläge auf den Ketten der Panzer und die Räder ständig abnutzen.

Die Abrissbirne: Putins Truppen müssen selbst im Bunker vor ihm zittern

Und der ukrainische Militär enthüllte, dass ein chronischer Mangel an frischen Soldaten an der Front dazu führe, dass ausgebildete Panzerbesatzungen aus ihren Fahrzeugen abgezogen wurden – etwa um Schützengräben für die Infanterie auszuheben. Möglicherweise wird das geänderte Lagebild der Front dem Challenger aber wieder in die Karten spielen, da sich im Ukraine-Krieg das Blatt gewendet hat.

Putins Truppen haben sich eingegraben, und die Ukrainer müssen diese Verteidigungsringe sprengen – die Süddeutsche Zeitung sieht im Briten-Boliden dafür die geeignete Waffe: „In der aktuellen Situation könnte der Challenger 2 der Ukraine vor allem deshalb gute Dienste leisten, weil er hervorragend dafür geeignet ist, russische Befestigungsanlagen, Bunker beispielsweise, zu zerstören. Er kann mit seinem gezogenen Rohr sogenannte Quetschkopfgeschosse verschießen. Bei dieser Munition wird die Explosionswirkung auf eine größere Fläche verteilt, das Ergebnis ähnelt ein wenig dem einer Abrissbirne.“

Darüberhinaus wird der Challenger für die Ukraine wichtiger werden, um die Ressource Mensch besser zu schützen. Zu den bemerkenswerten Verbesserungen gehört die Ausstattung der Wannenseiten der Panzer mit Gitterpanzerungen und Gummiseitenschwellern, die zusätzliche Schutzschichten gegen Panzerabwehrwaffen bieten, wie das Magazin armyrecognition schreibt.

Seine Durchschlagskraft wird geringer eingeschätzt als die der besten Varianten des russischen T-90, T-89 oder T-72, weil er im Gegensatz zu den meisten anderen Panzern über keine Glattrohrkanone, sondern über eine Kanone mit gezogenem Lauf verfügt, die geringe Mündungsgeschwindigkeiten aufweist. Den Modellen, die die Ukraine aktuell einsetzt, und auch vielen russischen Panzern, ist der Challenger 2 dennoch überlegen – allein durch seine Reichweite; gute Besatzungen treffen mit ihm über Distanzen von mehr als vier Kilometern.

Der Schlüssel-Panzer: Challenger könnte Russlands Verteidigungslinien knacken

Allerdings bemängelt der von der Sun befragte Kompanieführer, dass der Challenger völlig wesensfremd eingesetzt werde: „Der 26-jährige Kayfarick sagte, die meisten Einsätze seiner Crews richteten sich gegen Panzerstellungen, darunter Infanteriebunker und Unterstände sowie Fahrzeuge. „Die Challenger 2 werden bisher noch nicht in einem klassischen Panzer-gegen-Panzer-Kampf eingesetzt, weil das Gelände dies nicht zulässt“, sagte er. Die ukrainischen Soldaten im Umkreis von Robotyne schwören aber weiter auf das, was der Challenger kann: Angst machen; oder wie eine Besatzung Forbes erklärte: Von Stellungen am Waldrand aus auf fast drei Kilometer entfernte russische Befestigungen zu schießen.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Letztendlich hängt der Erfolg einer weiteren Gegenoffensive der Ukraine aber tatsächlich von den britischen Exporten ab: Das Fahrzeug trommelt gegen die Befestigungen der Russen – russische Panzer bleiben zum Briten ohnehin auf Distanz. Immerhin hat der Challenger den Weg für die westlichen Rüstungsexporte geebnet. Der damalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace sagte vor der endgültigen Lieferung im Guardian: „In Deutschland gibt es derzeit eine Debatte darüber, ob ein Panzer eine Angriffswaffe oder eine Verteidigungswaffe ist. Nun, es kommt darauf an, wofür Sie es verwenden. Wenn Sie es zur Verteidigung Ihres Landes einsetzen, würde ich wetten, dass es sich um ein defensives Waffensystem handelt.“

Kayfarick und seine Mannschaften waren im vergangenen Jahr in Großbritannien und trainierten zusammen mit britischen Panzerbesatzungen. Inzwischen weiß der Ukrainer, wie er der Sun anhand des matschigen Lochs erklärte, dass der ärgste Feind des Challenger ohnehin im eigenen Haus sitzt: „Das Hauptproblem für den Challenger auf dem Schlachtfeld ist ein Kommandant, der nicht versteht, wofür er entwickelt wurde und welche Vor- und Nachteile er hat.“

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