Bislang erst ein Fall bekannt

Abschiebeflüge nach Afghanistan: Taliban haben Bedingung an Deutschland

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Schiebt Deutschland nach dem München-Anschlag künftig im großen Stil nach Afghanistan ab? Die Taliban scheinen dafür offen zu sein.

Kabul – Abschiebungen von Deutschland nach Afghanistan würden nicht an den Taliban scheitern. Das deutet zumindest Abdul Kahar Balchi an. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte der Sprecher des Kabuler Außenministeriums: „Wir haben unsere Bereitschaft gezeigt, die konsularischen Dienste für Afghanen in Deutschland wieder aufzunehmen, die alle Aspekte der Migration abdecken.“

Es geht den afghanischen Machthabern also offensichtlich auch darum, im Gegenzug diplomatische Beziehungen zu Berlin aufzubauen. Die Aussage zu möglichen Abschiebungen fiel mutmaßlich auch unter dem Eindruck der zunehmenden Diskussionen über den Umgang mit in Deutschland straffällig gewordenen Afghanen – insbesondere nach dem Anschlag von München, bei dem ein 24-Jähriger aus Afghanistan festgenommen wurde.

Zeigt sich bereit für Abschiebeflüge aus Deutschland: Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaqi hat im Gegenzug aber eine Forderung.

Nach München-Anschlag: Scholz für Abschiebung des Täters nach Afghanistan – „muss das Land verlassen“

Der junge Mann aus dem Land am Hindukusch soll an diesem Donnerstag einen Kleinwagen in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Ver.di gesteuert haben. Mindestens 28 Menschen wurden dabei verletzt, einige schweben in Lebensgefahr.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte anschließend eine härtere Gangart angekündigt: „Dieser Täter kann nicht auf irgendeine Nachsicht rechnen. Er muss bestraft werden, und er muss das Land verlassen.“ Weiter stellte der SPD-Politiker gut eine Woche vor der Bundestagswahl klar, „dass die Justiz mit all ihren Möglichkeiten hart vorgeht gegen diesen Täter“.

Innenministerin Nancy Faeser gab sich ähnlich entschlossen und erklärte: „Als einziger Staat in Europa schieben wir trotz der Taliban-Herrschaft wieder nach Afghanistan ab und werden das weiter tun.“ Gemeint war offenbar der bislang einzig bekannte Abschiebeflug nach Kabul. Ende August 2024 waren in einer Zusammenarbeit von elf Bundesländern 28 verurteilte Straftäter mit afghanischer Staatsangehörigkeit ausgeflogen worden.

Der nächste Anschlag in Deutschland? Mit diesem Auto soll ein 24-jähriger Afghane in einen Demonstrationszug von Ver.di gefahren sein.

Taliban über Abschiebungen: „Akzeptieren keine irregulären Verfahren“

Ein zweiter Flug folgt allem Anschein nach in den kommenden Tagen. Das Innenministerium bestätigte der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (afp) vor wenigen Wochen, es werde intensiv daran gearbeitet, „erneut über einen regionalen Schlüsselpartner eine solche Maßnahme zu ermöglichen“. Die zeitliche Nähe zur Wahl am 23. Februar soll Zufall sein. Zunächst hatte die Süddeutsche Zeitung über diese Pläne berichtet.

Taliban-Sprecher Balchi verdeutlichte derweil, dass die Machthaber in Kabul einen Umweg über Nachbarländer Afghanistans wie Pakistan ablehnen. Denn dies wäre ein Verstoß gegen die geltenden Konventionen, moniert er entschieden: „Wir sind nicht bereit, irreguläre Verfahren zu akzeptieren, die Afghanistan umgehen und eine Gefahr für unsere nationale Sicherheit darstellen.“

Inwiefern die aus Deutschland Abgeschobenen in ihrer afghanischen Heimat einer Strafe entgegensehen müssten, soll demnach über bilaterale Gespräche geregelt werden. In der Vergangenheit warnten Kritiker jedoch vor solchen Gesprächen mit den international isolierten Islamisten. Denn es bestehe die Gefahr, dass die Taliban über diese Abschiebungen die Möglichkeit zu einer Zusammenarbeit mit einem westlichen Staat wahrnehmen wollen.

Bis zu 30 Verletzte: Auto fährt in Menschengruppe in München – Bilder zum Großeinsatz

Blaulicht
In München lief seit dem Vormittag (13. Februar) ein großer Polizeieinsatz in der Nähe des Hauptbahnhofes. © Winter
Blaulicht
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. „An der Einsatzörtlichkeit ist ein Fahrzeug in eine Personengruppe gefahren. Mehrere Personen wurden hierbei verletzt“, berichteten die Beamten auf X. © Winter
Blaulicht
„Der Fahrzeugführer konnte vor Ort gesichert werden, von ihm geht derzeit keine weitere Gefahr aus“, berichtete die Polizei auf X weiter. Die Verletzten werden derweil vor Ort behandelt. © Videoredaktion tz
Blaulicht
„Rund um die Einsatzörtlichkeit kommt es zu Verkehrsbehinderungen. Umfahren Sie den Bereich weiträumig, damit die Einsatzkräfte ungehindert arbeiten können“, so der Appell der Beamten. © Videoredaktion tz
Blaulicht
„Wir haben im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz eine Zeugensammelstelle eingerichtet. Wenn Sie Angaben zu den Ereignissen machen können, melden Sie sich bitte dort“, schreibt die Polizei auf X. © Videoredaktion tz
Blaulicht
Derzeit wird von rund 20 Verletzten ausgegangen. © Videoredaktion tz
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Bei der Fahrt eines Fahrzeugs in eine Menschengruppe in München sind laut Feuerwehr mindestens 20 Menschen verletzt worden. Darunter sei auch eine „unbestimmte Zahl“ Schwer- und Schwerstverletzter, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr München. Lebensgefahr sei bei einigen der Verletzten bislang nicht auszuschließen. © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Auch ein Hubschrauber kreiste über dem Einsatzort. © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, unter den Verletzten befänden sich auch Kinder. „Ich bin tief erschüttert“, sagte Reiter. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten“.  © Yannick Thedens
Polizeieinsatz am Stiglmaierplatz
Am Ort des Geschehens, am Münchner Stiglmaierplatz, fand nach Polizeiangaben zum Zeitpunkt des Vorfalls gegen 10.30 Uhr eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi statt. Ob Demonstranten unter den Verletzten waren, war zunächst unklar. Auch einige Straßen vom Stiglmaierplatz entfernt standen mehrere Rettungswagen. © Yannick Thedens
Car drives into crowd in Munich, several injured: German police
Eine BR-Reporterin berichtete am Unfallort von „vielen weinenden Menschen“. Sie habe gesehen, wie ein junger Mann von der Polizei „abtransportiert“ worden sei. © Michaela STACHE / AFP
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Ein Polizist fotografiert ein Auto am Einsatzort. In der Münchner Innenstadt ist ein Fahrzeug in eine Menschengruppe gefahren.  © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
„Unter den Verletzten befinden sich zwei Schwerverletzte. „Rund um den Ereignisort sind noch zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Die Versorgung der Verletzten hat derzeit oberste Priorität. Unterstützt die Rettungskräfte durch Freihalten der Rettungswege.“ Das schrieb die Münchner Polizei kurz nach 12 Uhr auf X. © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Auch Oberbürgermeister Reiter machte sich vor Ort ein Bild. © Roland Freund/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Car drives into crowd in Munich, several injured: German police
Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann waren ebenefalls vor Ort. © Michaela STACHE / AFP)
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Ministerpräsident Markus Söder (m.), Joachim Herrmann (l.) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (r.) gaben gegen 12.40 Uhr ein Statement ab. © Christoph Trost/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Söder sagte: „Es handelt sich mutmaßlich um einen Anschlag“. Der Verdächtige sei ein 24-Jähriger aus Afghanistan. ©  Tizian Gerbin/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Heute ist „ein schwarzer Tag für München“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter nach dem Vorfall in einem Pressestatement. © Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Man reagiere besonnen, sagte Söder, nachdem er sich den Unglücksort angeschaut hatte. „Aber ich sage Ihnen auch: Unsere Entschlossenheit wächst.“ Und weiter: „Wir können nicht von Anschlag zu Anschlag gehen (...) Wir müssen auch tatsächlich etwas ändern.“ © Christoph Trost/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Nach der Fahrt eines Autos in einen Demonstrationszug in München werden die Verletzten in mehreren Krankenhäusern versorgt. Am LMU Klinikum an den Standtorten Großhadern und Innenstadt des Universitätsklinikums werden Verletzte behandelt, wie ein Sprecher auf dpa-Anfrage sagte. Auch das Haunersche Kinderspital der LMU ist demnach eingebunden. Unter den Verletzten sollen auch Kinder sein. Auch am Rotkreuzklinikum München wurden Verletzte versorgt. Bei der München Klinik hieß es, die Notfallzentren an den unterschiedlichen Standorten seien einsatzbereit.  © Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Die Polizei ist seit Stunden im Einsatz. © Yannick Thedens
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Ein Stuhl mit einer Rettungsdecke und Absperrband steht abseits der Unfallstelle. © Yannick Thedens
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
„Wir sind zutiefst erschüttert über die Ereignisse im Herzen Münchens. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und ihren Angehörigen. Ein großer Dank an die Polizei sowie die Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort“, schreiben die Münchner Grünen in einer Stellungnahme: „Der Umstand, dass sich dieser Vorfall am Rande einer Gewerkschaftsdemonstration mit vielen Familien und Kindern ereignet hat, schockiert besonders.“ © Yannick Thedens
Auto in München in Menschengruppe gefahren
Polizisten untersuchten das Auto nach dem Vorfall in München. ©  Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto fährt in Menschenmenge an Kreuzung Karlstraße/Auto
Ein Foto von der Unglücksstelle. Die Polizei scannt den Unfallort mit einem 3-D-Scanner. © Yannick Thedens
Nach dem Vorfall am Donnerstagvormittag hat jemand Blumen am Einsatzort niedergelegt.
Nach dem Vorfall am Donnerstagvormittag hat jemand Blumen am Einsatzort niedergelegt.  © Matthias Balk/dpa
Einsatzkräfte bereiten das Tatfahrzeug, ein Mini, zum Abtransport vor.
Einsatzkräfte bereiten das Tatfahrzeug, ein Mini, zum Abtransport vor.  © Matthias Balk/dpa
Das Tatfahrzeug, ein Mini, wird am Einsatzort auf einen Abschleppwagen gehoben.
Am Abend wurde das Tatfahrzeug am Einsatzort auf einen Abschleppwagen gehoben. © Matthias Balk/dpa
Blumen und Kerzen sind in der Münchner Innenstadt an der Stelle zu sehen, an der ein Auto in einen Demonstrationszug gefahren ist.
Blumen und Kerzen sind in der Münchner Innenstadt an der Stelle zu sehen, an der ein Auto in einen Demonstrationszug gefahren ist. © Tizian Gerbing/dpa

Merz nach Anschlag in München: „Recht und Ordnung konsequent durchsetzen“

So könnte die deutsche Politik vor einem Dilemma stehen. Es wird wohl eine der heikelsten Fragen, die auf die künftige Regierung zukommen, ob sie angesichts der immer weiter hochkochenden Debatte um ein härteres Vorgehen gegen Straftäter ohne deutschen Pass einen Deal mit den Taliban eingeht.

Friedrich Merz gilt mit Blick auf die Umfragen schon länger als klarer Favorit auf den Posten des Kanzlers. Auf dem Twitter-Nachfolger X versicherte der CDU-Chef: „Wir werden Recht und Ordnung konsequent durchsetzen. Jeder muss sich in unserem Land wieder sicher fühlen. Es muss sich etwas ändern in Deutschland.“ Dass dies im Alleingang nicht funktionieren wird, dürfte ihm aber ebenso klar sein. (mg, mit dpa und afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kristina Kormilitsyna

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