Ist Syrien wieder sicher?

Abschiebungen nach Syrien: CDU uneins über Rückkehrpolitik

Wadephul warnt vor unwürdigen Bedingungen in Syrien. Parteikollegen drängen auf Rückkehr der Geflüchteten. Ist die Partei gespalten?

Damaskus/Berlin – Außenminister Johann Wadephul (CDU) war in Syrien. Nachdem er sich das jahrelang vom Bürgerkrieg zerstörte Land angesehen hatte, sagte er am Donnerstag (30. Oktober): „Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben.“ Eine Rückkehr in das Land sei nur sehr eingeschränkt möglich. Jetzt hagelt es Kritik aus seiner Partei. Seine Parteikollegen Günter Krings und Sven Schulze betonen: Die Zerstörung des Landes sei kein Grund, um Abschiebungen auszusetzen.

Johann Wadephul bereiste vergangene Woche Syrien

Das Innenministerium von Alexander Dobrindt (CDU) sagte dazu am Sonntag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass Abschiebungen nach Syrien durchgeführt werden, beginnend mit Straftätern.“ Das Bundesinnenministerium arbeite derzeit an einer Vereinbarung mit Syrien, um Abschiebungen möglich zu machen. Zudem bearbeite das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) seit Ende September 2025 wieder „Asyl-Anträge von Syrern aus der Gruppe der jungen, arbeitsfähigen, allein reisenden Männer.“

CDU Parteikollegen kritisieren Wadephuls Syrien-Äußerungen

Aus Wadephuls Partei kommt lautstarke Kritik an seinen Äußerungen. Günter Krings (CDU) fordert, alle ausreisepflichtigen Syrerinnen und Syrer abzuschieben. Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag sagte am Montag (03. November) in der Bild: „Der syrische Bürgerkrieg ist vorbei und in weite Teile des Landes ist für die allermeisten ausgereisten Syrer eine Rückkehr nun möglich und zumutbar.“ Der Zerstörungsgrad des Landes sei als Argument gegen eine Rückkehr „denkbar ungeeignet“, meinte Krings. „Denn wer soll ein zerstörtes Land wieder aufbauen, wenn das nicht seine eigenen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen tun?“

Auch für Sven Schulze ist klar: „Der Fluchtgrund für hunderttausende Syrer war der mittlerweile beendete Bürgerkrieg. Somit muss jetzt ganz gezielt an einer Strategie zur schnellen Rückkehr dieser Menschen gearbeitet werden.“ Schulze ist Sachsen-Anhalts CDU-Chef und Wirtschaftsminister. Für ihn ist ein in Teilen zerstörtes Land und schlechtere Lebensbedingungen als in Deutschland „kein Grund, daran nicht zu arbeiten“. Das sagte er laut AFP am Montag.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Grüne und SPD unterstützen Wadephuls Einschätzung zu Syrien

Von Grünen und SPD kommt hingegen Unterstützung für Wadephul. Lamya Kaddor (Grüne) hatte Wadephul auf seiner Syrienreise begleitet und teilte auf X: „Bis auf Weiteres kann es in dieses Syrien keine massenhaften Abschiebungen geben, so wie Innenminister Dobrindt sie plant.“ Der außenpolitische Sprecher der SPD, Adis Ahmetovic, sagte der Bild am Montag: „Die Lage im Land bleibt instabil, weite Teile der Infrastruktur sind zerstört und ein sicheres, menschenwürdiges Leben ist für viele dort nicht gewährleistet.“

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann versuchte am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ der ARD den Konflikt zu relativieren. Es handle sich um einen „Scheinkonflikt“, Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Wadephul (CDU) seien der gleichen Meinung: „Wir schieben ab, wir müssen abschieben, natürlich die Straftäter. Und alles Weitere, sobald es rechtlich möglich ist, werden wir auch angehen, und dazu zählen weitere Abschiebungen.“

Eine Million Geflüchtete aus Syrien leben in Deutschland

Laut den Zahlen statistischem Bundesland von 2024 leben in Deutschland 1,3 Millionen Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte aus Syrien. Die meisten sind seit durchschnittlich acht Jahren hier und haben einen anerkannten Schutzstatus. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um einen Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, also weil die Betroffenen in Verfolgung wegen ihrer Rasse, Nationalität, politischen Überzeugung, Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe fürchten müssen. Viele haben auch subsidiären Schutz, weil sie aus anderen Gründen um ihr Leben fürchten müssen.

Im Dezember 2024 wurde Diktator Baschar al-Assad gestürzt. Seitdem ist Syrien im Wiederaufbau und arbeitet die vergangenen Jahre des Kriegs auf. Das Land ist zersplittert in verschiedene Bevölkerungs- und Glaubensgruppen. Aktuell regiert der umstrittene Präsident Ahmed al-Scharaa. Al-Scharaa war Anführer der syrischen Haiat Tahrir al-Scham Miliz (HTS). Die Miliz wird von der UN und mehreren Staaten als Terrororganisation eingestuft. Im Sommer sollen die Truppen der neuen syrischen Regierung sollen Massaker an der Bevölkerungsgruppe der Drusen begangen haben. (Quellen: Tagesschau, AFP, Bild, SZ, destatis) (cdz)

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek

Kommentare