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Unterlassene Hilfeleistung? Strafanzeige gegen Unionsminister wegen gefährdeter Afghanen

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NGOs werfen Berlin unterlassene Hilfe für afghanische Gefährdete in Pakistan vor. Mittlerweile stapeln sich über 80 Klagen gegen die Merz-Regierung.

Berlin – Während die Behörden in Pakistan weiter mit Massenfestnahmen und Abschiebungen gegen Afghan:innen mit deutscher Aufnahmezusage vorgehen, erhöhen Hilfsorganisationen und Gerichte in Deutschland den Druck auf die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). Sie fordern, Betroffene endlich aus Islamabad nach Deutschland zu holen.

Wegen unterlassener Hilfeleistung bei Afghanen: Pro Asyl schaltet Anzeige gegen Dobrindt und Wadephul

Pro Asyl und das Patenschaftsnetzwerk Ortskräfte stellten am Freitag (15. August) bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Ihnen wird unter anderem unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Zugleich mehren sich erfolgreiche Klagen in Pakistan festsitzender Afghan:innen gegen das Auswärtige Amt, die auf Ausstellung von Visa drängen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die Strafanzeige der Hilfsorganisationen nennt auch den Straftatbestand der Aussetzung nach Paragraf 221 Strafgesetzbuch. Dabei geht es um den Vorwurf, Menschen in eine hilflose Lage zu versetzen oder im Stich zu lassen. „Von den pakistanischen Behörden abgeschobenen Afghanen und Afghaninnen drohen willkürliche Inhaftierung, Misshandlungen oder gar Hinrichtungen“, sagte die rechtspolitische Sprecherin von Pro Asyl, Wiebke Judith, dazu.

Hilfsorganisation sieht bei Abschiebungen klare Gefährdung: Lage ist Resultat der Merz-Regierung

„Diese Abschiebungen und die Gefährdung der Menschen sind Resultat deutschen Regierungshandelns. Statt den Menschen endlich die durch die Aufnahmezusagen versprochenen Visa zu erteilen, haben die deutschen Verantwortlichen sie immer weiter hingehalten, obwohl das Risiko der Abschiebungen bekannt war.“

Diese Abschiebungen und die Gefährdung der Menschen sind Resultat deutschen Regierungshandelns.

Wiebke Judith – Rechtspolitische Sprecherin von Pro Asyl

Die Bundesregierung aus Union und SPD hatte Aufnahmeprogramme der Ampel-Regierung für gefährdete Afghaninnen und Afghanen im Frühjahr gestoppt und zuständiges Personal abgezogen. Betroffen sind gut 2300 Menschen, die meisten Frauen und Kinder. Parallel verschärfte Islamabad dramatisch den Abschiebedruck auf Menschen aus Afghanistan.

Angst vor Abschiebung: Polizei in Islamabad führt Razzien in Unterkünften der Bundesregierung fort

Nach FR-Informationen setzte die Polizei in Islamabad auch am Freitag (14. August) ihre Razzien in Unterkünften der Bundesregierung fort. Der Hilfsorganisation „Kabul Luftbrücke“, die in Pakistan festsitzende Menschen betreut, lagen Informationen vor, wonach die Behörden in den nächsten Tagen Stadtteil für Stadtteil durchkämmen und alle Afghaninnen und Afghanen in deutschen Gästehäusern festnehmen wollten. Die betroffenen Schutzsuchenden werden dort von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreut.

Haji-Abschiebezentrum in Islamabad

Eine Sprecherin von Kabul Luftbrücke berichtete der FR, allein am Freitagmorgen seien 270 Menschen mit deutscher Aufnahmezusage aus Rückführungscamps nahe der Grenze zu Afghanistan geholt worden – ihnen drohe akut die Abschiebung. Da den Menschen die Handys abgenommen würden, sei die Kontaktaufnahme äußerst schwierig, betonte sie. Innenminister Dobrindt hatte dagegen am Vortag erklärt, es gebe über die GIZ einen Kontakt zu den schon nach Afghanistan zurückgeschickten Betroffenen.

Außenminister Wadephul beteuert: Merz-Regierung stehe mit Pakistan in Kontakt

Insgesamt gehen Hilfsorganisationen inzwischen von Hunderten Festnahmen und vielen Dutzend vollzogenen Abschiebungen aus. Außenminister Wadephul äußerte „große Sorge“ um die Menschen und versprach schnelle Hilfe. Die Bundesregierung stehe mit Pakistans Regierung „hochrangig in Kontakt“.

Auf FR-Anfrage erklärte das Auswärtige Amt, erstes Ziel sei es, „den Schutz und die Sicherheit dieser besonders gefährdeten Personen zu gewährleisten und ihnen, soweit sie bereits nach Afghanistan abgeschoben wurden, eine Rückkehr nach Islamabad unter Einhaltung der pakistanischen aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen zu ermöglichen“.

Wegen Lage in Pakistan: Hilfsorganisation verklagt Merz-Regierung

Neben der Strafanzeige versuchen Hilfsorganisationen auch mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht Berlin, den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, damit sie endlich Visa für die teils seit Monaten wartenden Menschen erteilt. Inzwischen sind mindestens 80 Klagen eingereicht worden, erfuhr die FR. In etwa 15 Verfahren entschied das VG bereits zugunsten der klagenden Afghanen und Afghaninnen. Mindestens drei dieser 15 Verfahren sind demnach rechtskräftig abgeschlossen, in den anderen laufen noch Beschwerden vor dem Oberverwaltungsgericht. Trotz ihrer Niederlagen vor Gericht hat die Bundesregierung bis Freitag in keinem Fall Visa ausgestellt.

Die FR hatte Anfang Juli über die erste erfolgreiche Klage einer Wissenschafterin mit 13 Angehörigen gegen das Auswärtige Amt berichtet. Auch sie bekam jetzt endgültig vor dem OVG Recht. Unklar war, ob sie vor der Visaerteilung einer Festnahme und Abschiebung nach Afghanistan entgehen kann.

Rubriklistenbild: © Nabila Lalee/dpa

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