Merkur-Kommentar

Aiwangers „Entschuldigung“ ist eine Kampfansage

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In Bayern eskaliert der Rosenkrieg zwischen Freien Wählern und CSU. Wird sich Markus Söder mit Aiwangers Erklärung zufrieden geben? Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München –Spät und unter höchstem Druck hat Hubert Aiwanger sich doch noch zu der überfälligen Entschuldigung durchgerungen – dabei aber das Kunststück fertiggebracht offenzulassen wofür. Noch immer gibt der Freie-Wähler-Chef vor, sich nicht an das zu erinnern, was Mitschüler über ihn berichten, etwa die Hitlergrüße und Judenwitze. Falls, durch was auch immer, „Gefühle verletzt“ worden seien, bereue er das zutiefst. Man kann ihm das gewiss glauben. Doch auch wenn man Aiwanger zubilligt, dass er nicht mehr der ist, der er vor 35 Jahren war, hätte bedingungslose Ehrlichkeit nach Tagen des Dementieren und Herumlavierens nach etwas weniger Erinnerungslücken verlangt.

Aiwanger entschuldigt sich nach Flugblatt-Affäre

In Bayern eskaliert der Rosenkrieg zwischen Freien Wählern und CSU.


So war Aiwangers Entschuldigung eine vorrangig taktische, mit dem Ziel, aus dem Stand heraus wieder zum Gegenangriff überzugehen: Er solle, schloss Aiwanger, durch eine Kampagne politisch und persönlich „fertiggemacht“ werden. Doch irrt der bayerische Wirtschaftsminister, wenn er die Drahtzieher der vermuteten Intrige in der CSU verortet. Daran, dass kurz vor der Wahl die Bayernkoalition in die Luft fliegt, hätte niemand weniger Interesse gehabt als Markus Söder. Beim CSU-Chef liegt nun wieder der Schwarze Peter, nachdem er Aiwanger zuvor mit seinem 25-Fragen-Katalog unter Druck gesetzt hatte. Der Rosenkrieg in der bayerischen Koalition tobt also vorerst weiter, und bei allen Beteiligten wächst die Ratlosigkeit, wie er jetzt noch beigelegt werden kann, bevor der Schaden für Bayern noch gewaltiger wird.

Söder, Merkel, Aiwanger: Regenschirm-Rüpelei für Herzdamen bei Richard-Wagner-Festspielen

Markus Söder Karin Baumüller Hubert Aiwanger
Bei der Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth wurden die Promi-Damen nass. © Karl-Josef Hildenbrand/Daniel Karmann/dpa /dpa-Bildfunk +++
Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth - Markus Söder und Frau Karin
Markus Söder besuchte mit seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Im Regen ist die Frau des CSU-Chefs wohl nicht ganz trocken geblieben, der Schirm schützte nur Markus Söder komplett. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth - Hubert Aiwanger
Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister von Bayern, kam mit einem Regenschirm zur Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele mit einem neuen „Parsifal“ ins Festspielhaus auf dem Grünen Hügel. Für Freundin Tanja Schweiger war offenbar kein Platz unter dem Regenschirm. ©  Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth - Eröffnung Judith Gerlach
Judith Gerlach (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, kam ebenfalls nach Bayreuth. Auch sie wurde nass auf dem Weg zur Premiere. © Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth - Angela Merkel
Auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel kam zur Eröffnungen der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Unter dem Schirm von Ehemann Joachim Sauer war aber wohl kein Platz mehr für die CDU-Politikerin. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth - Eröffnung Schaulustige
Die Schaulustigen hatten es richtig gemacht: Eingepackt in Regenjacken und mit Schirm bewaffnet standen sie hinter einer Absperrung. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++


Aiwanger-Affäre: SZ macht Fall öffentlich

Aiwanger hat, seit die „Süddeutsche Zeitung“ den Skandal zu einem krummen Zeitpunkt direkt vor der Wahl publik gemacht hat, in der Bevölkerung viel Zuspruch erhalten. Das hat bei ihm und seinen Freien Wählern den Glauben genährt, man könne sich durch die Sache irgendwie durchmogeln und am Ende noch mit einem rauschenden Wahlsieg belohnt werden. Dafür spricht im Augenblick in der Tat manches. Doch ist und bleibt es eine riskante Wette. Ist der Rausch erst verflogen, droht auch den Freien Wählern ein Kater.

Rubriklistenbild: © Lennard Preiss/dpa/Ippen.Media

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