Neue Front droht

Rote Linie im Israel-Krieg überschritten: Jordanien sieht Vertreibung als „Kriegserklärung“

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Israel droht eine neue Front: Als Reaktion auf die Zerstörung in Gaza hält sich Jordanien alle Optionen offen. Die Luftwaffe warf bereits Hilfsgüter ab – trotz Embargo.

Amman - Im Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen muss Israel nun gegen eine zweite Front ankämpfen: Laut dpa-Informationen hat Jordanien seine Vermittlerrolle im Kriegsgeschehen verlassen und sich aufseiten der Palästinenser positioniert.

Das Land habe „eine rote Linie“ im Israel-Krieg gezogen: Versuche, Palästinenser aus dem Gazastreifen oder dem Westjordanland zu vertreiben, oder Bedingungen, das vorzubereiten, werde das Königreich als „Kriegserklärung“ betrachten, sagte der jordanische Ministerpräsident Bisher al-Khasawneh laut der staatlichen Nachrichtenagentur Petra.

Krieg in Israel: Jordanien wirft Hilfsgüter über Gaza ab

Auch in Jordanien protestieren Menschen, um ihre Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen zu demonstrieren.

Die „brutalen Angriffe auf Krankenwagen und humanitäre Hilfskräfte“ im Gazastreifen widersprächen „dem Prinzip der Selbstverteidigung“. Um den Menschen in Not zu helfen, habe die jordanische Luftwaffe medizinische Hilfsgüter über dem Gazastreifen abgeworfen, wie die israelische Zeitung The Times of Israel schrieb. Damit widersetzt sich Jordanien dem von Israel verhängten Embargo gegen unkontrollierte Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Zuvor hatten die Menschen in Jordanien aus Protest gegen den Israel-Krieg und die Rolle der USA bereits zum Boykott von westlichen Marken aufgerufen.

Montagnacht, 6. November, seien medizinische Hilfsgüter und Medikamente per Fallschirm über einem jordanischen Feldlazarett in Gaza abgeworfen worden, wie der Spiegel berichtete. Der jordanische Königs Abdullah II schrieb dazu auf der Plattform X: „Es ist unsere Pflicht, unseren Brüdern und Schwestern zu helfen, die im Krieg gegen Gaza verletzt wurden. Wir werden immer für unsere palästinensischen Brüder da sein.“

Wegen Gewalt im Gaza-Krieg: Jordanien überdenkt Beziehung zu Israel

Jordanien wolle nun seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Israel überprüfen, wie ntv berichtet. „Im Umgang mit der israelischen Aggression gegen den Gazastreifen und deren Auswirkungen stehen für Jordanien alle Optionen offen“, sagte der jordanische Ministerpräsident al-Khasawneh.

Laut einem Sprecher des israelischen Außenministeriums seien die Beziehungen Israels mit Jordanien von strategischer Bedeutung für beide Länder. „Wir bedauern die hetzerischen Stellungnahmen der jordanischen Führung.“ Israels Ziel sei es, die terroristische Infrastruktur der Hamas zu zerstören. „Israel hat nicht die Absicht, der zivilen Bevölkerung zu schaden oder sie zu deportieren.“

Arabischer Gipfel: Länder beraten über weiteren Umgang mit Israel-Krieg

Jordaniens Vermittlerrolle

Jordanien, das seit 1994 seine Beziehungen zu Israel normalisiert hat und in dem zwei Millionen palästinensische Flüchtlinge leben, gilt wie Ägypten seit Jahrzehnten als Vermittler im Nahost-Konflikt. Seit dem Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen haben sich die israelisch-jordanischen Beziehungen aber erheblich verschlechtert. Als Reaktion hatte Jordanien den Abzug seines Botschafters aus Israel beschlossen.

Der israelische Botschafter, der das Königreich zuvor verlassen hatte, sollte gleichzeitig nicht nach Amman zurückkehren. Aus Sorge vor einer Massenflucht lehnen Jordanien und Ägypten die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Gazastreifen ab. Das hat auch mit der Befürchtung zu tun, dass daraus am Ende eine dauerhafte Vertreibung werden könnte.

Nachdem sich die Außenminister verschiedener arabischer Staaten und ein Vertreter der PLO bereits am vergangenen Wochenende zur aktuellen Lage in Gaza beraten hatten, soll es am Samstag, 11. November, erneut einen „arabischen Gipfel“ geben. Laut des jordanischen Premiers wird das Treffen in Saudi-Arabien stattfinden. (Lisa Mariella Löw)

Rubriklistenbild: © Khalil Mazraawi/AFP

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